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Sinnessensoren: Vampirfledermäuse schmecken nicht bitter

Wer sich von Blut ernährt, muss Gift offenbar nicht fürchten. Das zumindest schließen Forscher aus dem verkrüppelten Geschmackssinn flatternder Vampirtiere.
Vampirfledermaus

Vampirfledermäuse haben keinen ausgeprägt subtilen Geschmack: Neben den üblichen Aromen "süß" und "umami" nehmen sie auch die Geschmacksqualität "bitter" nicht wahr. Das überrascht Fledermausforscher: Für viele Tiere waren die Bittersensoren des Geschmacksinns im Laufe der Evolution überlebenswichtig, weil mit ihnen viele Giftstoffe erkannt und vermieden werden können. Anders als nahe verwandte Fledermäuse konnten es sich die alleine vom Blut ihrer Wirte lebenden Vampire offenbar leisten, den Bittersinn vor evolutionsgeschichtlich noch recht kurzer Zeit abzuschaffen, spekulieren chinesische Zoologen um Huabin Zhao in ihrer aktuellen Studie.

Vampirfledermaus | Vampirfledermäuse (Desmodontidae) sind eng mit den Blattnasen-Fledermäusen verwandte Tiere aus Mittel- und Südamerika. Die drei Arten der Familie sind nachtaktive Nahrungsspezialisten, die mit messerscharfen Schneidezähnen die Haut schlafender warmblütiger Wirbeltiere (in der Regel unbemerkt) anritzen und das ausfließende Blut mit der Zunge auflecken. Vampire sind demnach keine Blutsauger!

Die Forscher hatten zunächst in Verhaltensbeobachtungen bemerkt, dass alle drei Arten der Vampirfledermäuse (der Gemeine Vampir, der Kammzahnvampir und der Weißflügelvampir) keine Ekelreaktion gegen Bitterstoffe in der Nahrung zeigen. Genvergleiche zeigten dann, dass die drei Arten zwar – wie auch 11 andere, verwandte Fledermausspezies – die Gene für Bitterrezeptoren besitzen, diese Erbgutabschnitte bei den Blutsaugern aber als "Pseudogene" nicht mehr funktionsfähig sind. Vampire haben sich demnach wohl aus Arten entwickelt, die früher kein Blut leckten und noch Bitterstoffe schmeckten.

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