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Darmparasiten: Verwurmtes »Sushi« machte schon in der Bronzezeit krank

Dass es gefährlich sein kann, rohen Fisch zu verzehren, bekamen schon Menschen in der Bronzezeit zu spüren. Fossile Stuhlproben enthielten ein interessantes »Makrobiom«.
Die Ausgrabungsstätte »Must Farm« Laden...

Bei unseren Vorfahren war offenbar der Wurm drin – zumindest in ihrem Gedärm. Das fiel einem Team um den Forscher Piers Mitchell von der University of Cambridge auf, als es menschliche Hinterlassenschaften in einer Pfahlbausiedlung aus der Bronzezeit barg. Spezielle Mikroskopiemethoden förderten die Eier verschiedener parasitischer Würmer ans Licht. Für einige der Arten wie den Fischbandwurm stellt dies den ältesten Fund Großbritanniens dar. Weil die Forscher in den fossilen Kotballen einen Teil der für die Bronzezeit üblichen Darmwürmer vermissten, vermuten sie, dass das Leben im Sumpf die Menschen vor diesen Parasiten bewahrte. Dafür waren die frühen Siedler der »East Anglian Fens« (so wird die Moor- und Marschlandschaft um den Fundort in Ostengland bezeichnet) anderen Wurmarten ausgesetzt, die vermutlich durch den Verzehr von rohem Fisch, Fröschen oder Schnecken auf ihre Eingeweide übergriffen, schreibt das Forscherteam nun in der Fachzeitschrift »Parasitology«.

Über die Parasiten, mit denen Menschen, die früher im Sumpf siedelten, zu kämpfen hatten, war bislang wenig bekannt. Darum suchte das Team um Mitchell in den schlammigen Böden der Siedlung nach fossilen Stuhlproben. Anders als bei anderen Funden aus der Bronzezeit entdeckten Mitchell und seine Kollegen darin aber keine Hinweise auf erdlebende Faden- und Peitschenwürmer. Diese Parasiten verbreiten sich hauptsächlich über den Verzehr von Nahrung, die auf kotkontaminierten Böden angebaut wird. Weil sie ihre Exkremente im Wasser um die Siedlung herum entsorgten, waren die Bewohner der Marschsiedlung vor diesen Parasiten wohl gefeit.

Nicht jedoch vor wasserverbundenen Helminthen: Der Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum), der Riesennierenwurm (Dioctophyme renale), diverse Haarwürmer (Capillaria) sowie Vertreter der Saugwürmer (Echinostoma) fühlten sich offenbar in den Hinterlassenschaften der Siedler wohl. In stehenden Gewässern schlüpfen aus den Wurmeiern Larven, die von Fischen und anderen Wassertieren aufgenommen und von diesen schließlich auf den Menschen und andere Säuger übertragen werden. In deren Darm und inneren Organen wachsen die Würmer heran – oft zu recht stattlicher Größe. Indem er täglich 9 bis 15 Zentimeter wächst, kann der Fischbandwurm beispielsweise eine Länge von bis zu 20 Metern erreichen. Im Darm des Wirts zusammengerollt, beraubt er diesen um Nährstoffe und kann – wie die anderen Parasiten – schwere Entzündungen verursachen. Weitere Würmer wie etwa der Riesennierenwurm wandern auch in andere Organe und zerstören sie. »Diese Funde erlauben uns zum ersten Mal nachzuvollziehen, unter welchen Infektionen die frühen Bewohner der Marschsiedlung litten«, lässt sich Marissa Ledger, Erstautorin der Studie, in einer Pressemitteilung zitieren. Doch nicht nur dort und damals – auch heute noch kann man sich weltweit beim Verzehr von rohem Fisch oder Fleisch Parasiten wie den Fisch- oder den Rinderbandwurm zuziehen.

Die Ausgrabungsstätte »Must Farm« liegt in der Nähe der Stadt Peterborough im Osten Englands und wird auch als »Britain's Pompeii« (deutsch: Das Pompeij von Großbritannien) bezeichnet, denn der schlammige Boden hat Teile der Siedlung – inklusive der Hinterlassenschaften der Bewohner – erstaunlich gut erhalten. Ähnlich wie bei den Pfahlbauten am Bodensee, die teilweise ebenfalls aus der Bronzezeit stammen, handelte es sich um Holzhäuser. Diese waren auf Stelzen über das langsam fließende Wasser eines inzwischen versiegten Flusses gebaut worden. Ein katastrophaler Brand vor etwa 3000 Jahren zerstörte die Pfahlbausiedlung. Überreste der Holzpfähle wurden bereits in den 1990er Jahren entdeckt und zogen erste Ausgrabungen nach sich. Der Fundort wurde in der Vergangenheit schon mehrfach als besonders bedeutend erklärt, beispielweise als »beste archäologische Entdeckung« bei den British Archaeological Awards 2016 .

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