Wetterphänomen: 2026 steuert auf einen El Niño zu

Es hatte sich schon angedeutet, aber inzwischen hat sich die Wahrscheinlichkeit auf 82 Prozent erhöht: Ab Mai bis Juli 2026 stellt sich demnach ein El Niño im Pazifik ein, der mindestens bis Februar 2027 anhalten könnte. Das meldete die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde der Vereinigten Staaten (NOAA). Bereits in ihrem Vormonatsbericht hatte sie steigende Meeresoberflächentemperaturen im östlichen und zentralen äquatorialen Pazifik gemeldet, die auf einen Umschwung der derzeit herrschenden neutralen Bedingungen hinwiesen. Damit verbundene weltweite Wetterkapriolen wie verstärkte Trockenheit in Australien oder überdurchschnittlich starke Regenfälle an der südamerikanischen Pazifikküste sind damit ebenfalls zu erwarten. Wie stark das Ereignis ausfallen werde, sei aber noch ungewiss: Derzeit übersteigt keine Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Stärkekategorie (»moderat« bis »sehr stark«) den Wert von 37 Prozent.
Laut Daten der NOAA stieg der Wärmegehalt der oberen 300 Meter des äquatorialen Pazifiks im Einflussbereich von El Niño den sechsten Monat in Folge an, was zum globalen Trend passt. Weltweit liegt die Durchschnittstemperatur der Meere außerhalb der Polarregionen bei 21,00 Grad Celsius und damit nur sehr leicht unter dem bisher höchsten, gemessenen Aprilwert von 21,04 Grad Celsius aus dem Jahr 2024. Damals endete jedoch der letzte El Niño, während er 2026 erst beginnt. Für Johanna Baehr von der Universität Hamburg ist es daher sehr wahrscheinlich, dass die Meeresoberflächentemperaturen im weiteren Jahresverlauf über die Werte von 2024 steigen, wie sie gegenüber dem Kölner Science Media Center äußerte. Deutlich zu warm sind dieses Jahr bereits der nordwestliche Nordpazifik, Teile des östlichen Nordpazifiks, der westliche Nordatlantik sowie rund um Europa das Mittelmeer und das europäische Nordmeer.
Für sie sind Meldungen, dass sich ein »Super-Niño« entwickeln könnte, ebenfalls noch zu früh: »Die stärksten El-Niño-Ereignisse entstehen dann, wenn sich Atmosphären- und Ozeanzustand gegenseitig verstärken. Entscheidend wird die Entwicklung dieses Zusammenspiels im Sommer sein. Während sich die Abläufe im Ozean bereits jetzt vergleichsweise gut vorhersagen lassen, ist es für belastbare Aussagen zur Atmosphäre noch zu früh.«
Wie andere vom SMC befragte Experten schließt sie unabhängig von der tatsächlichen Stärke des El Niños größere Auswirkungen auf das europäische Wetter weitestgehend aus: »Für Europa bleibt das Phänomen nur ein Einflussfaktor unter vielen. Für unsere Sommertemperaturen in Europa sind ungewöhnlich hohe Temperaturen im Nordatlantik zunächst von potenziell größerer Relevanz. Die sich dort derzeit ausbildenden Muster ähneln teilweise bekannten Vorläufermustern von Hitzewellen.« Das bestätigt auch Andreas Fink vom Karlsruher Institut für Technologie: »Das Ereignis ist dafür viel zu weit entfernt und das Signal wird durch zufällige, nicht vorhersagbare Witterungsschwankungen über dem außertropischen Atlantik zu stark überlagert.« Allenfalls mildere Winter in Nordeuropa oder stärkere Frühlingsniederschläge in Südeuropa wurden im Zusammenhang mit El Niño bereits diskutiert. Doch die Stärke dieser Zusammenhänge sei so gering, dass sie nicht wirklich belastbar seien, so der Klimatologe.
Sowohl Baehr als auch Fink erwarten einen globalen Anstieg der Durchschnittstemperatur, eine normale Folge von El Niño. »Die globale Mitteltemperatur wird dadurch um etwa 0,1 bis 0,2 Grad Celsius erhöht, weil weniger Wärme im tropischen Pazifik gespeichert wird«, so Fink. Angesichts der bereits hohen globalen Mittelwerte erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass wir 2026, besonders aber 2027 den bisherigen Rekordwert von 2024 einstellen könnten.
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