Springer Medizin: Historische Traumata wirken bis heute nach

Historische Traumata beinhalten kollektive Gewalterfahrungen wie Kriege, Genozide oder massive Repressionen, die nicht nur die direkt Betroffenen, sondern ganze Bevölkerungsgruppen über Generationen hinweg prägen.
Kennzeichnend ist die anhaltende Nachwirkung bis in die Gegenwart, verbunden mit kollektiver Trauer. Im Unterschied zum individuellen Trauma ist ein historisches Trauma dadurch gekennzeichnet, dass die Nachkommen der Opfergruppen bis heute fortbestehender Diskriminierung, Marginalisierung sowie sozialen und ökonomischen Benachteiligungen ausgesetzt sind.
Historische Traumata sind Beziehungen zur Vergangenheit, die aktiv gestaltet werden müssen. Neben der psychotherapeutischen Intervention ist entscheidend, ob politische, gesellschaftliche und kulturelle Maßnahmen verhindern, dass sich Diskriminierung und Ausgrenzung verfestigen. Als positives Gegenbeispiel nennt Prof. Maercker die deutsch-französische Aussöhnung, insbesondere das Deutsch-Französische Jugendwerk, das langfristig zur Bewältigung kollektiver Gewalterfahrungen beigetragen hat.
Prof. Dr. Dr. Andreas Maercker ist international anerkannter Psychotherapeut und Psychiater. Er war von 2005 bis 2025 Lehrstuhlinhaber und Fachrichtungsleiter an der Universität Zürich und seit 8/2025 verantwortet er dort eine Seniorposition mit einer eigenen Arbeitsgruppe. 2017 wurden ihm das Deutsche Bundesverdienstkreuz für wissenschaftliche und ehrenamtliche Tätigkeit und der »Distinguished Contributions to Psychotraumatology in Europe Award« des ESTSS verliehen. Seit 2025 ist er Mitglied der Academia Europaea.
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