Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Vergessen ist lebenswichtig

    03.05.2007, Dr. Eugen Knöpfle, Günzburg
    Das Vergessen bis zum Verdrängen von Dingen ist ganz wesentlich im Leben – für die weitere Zukunft, für Planung und Gestaltung und den emotionalen Ausgleich eines Individuums. Wenn man die ganze Vergangenheit speichern will, ist kein Platz mehr vorhanden für Neues.
  • Wissenschaft erfasst nicht alles

    03.05.2007, Agnes Berger Bertschinger
    Wissenschaft ist wichtig, erfasst aber meiner Meinung nach nur einen Bruchteil der Welt und Wirklichkeit. Ich habe das Gefühl, dass sehr bedeutende Erlebnisse und die Kanäle, die hierfür benützt werden, nie in ihrer Ganzheit elektronisch festgehalten werden können und dass die Fülle der gemessenen Daten uns ablenken würde von wirklich Wesentlichem, das nicht wissenschaftlich erfasst werden kann! Ich würde auch einen Missbrauch der Daten befürchten und ein Beschneiden des freien Willens. Plötzlich wird mir aus Kostengründen vorgeschrieben, wieviel und wann ich etwas essen oder trinken darf, mich bewegen soll ... Andere mir wichtigere Einflüsse auf Gesundheit und Wohlbefinden hingegen werden im Vergleich zu wenig gewertet, wie zum Beispiel die innere Ruhe und Gelassenheit, der Humor ... Zudem gibt es Dinge, die ich bewusst möchte vergessen können ...
  • Überwachung total

    03.05.2007, Dieter Kohl, Ludwigsburg
    Der Titel des Artikels ist irreführend. Erinnerung findet im Gehirn einzelner Personen statt. Ob das Betrachten einer externen Datenaufzeichnung zu einer Erinnerung führt oder nicht, hängt davon ab, ob die betrachtende Person zum Zeitpunkt der Betrachtung in der Lage ist, einen Bezug zwischen externen Daten und im Gehirn bewusst zugänglichen Informationen herzustellen. Dafür gibt es jedoch keinerlei Garantie – und für die meisten im beschriebenen System automatisch gesammelten Daten wird eine Erinnerung generell unmöglich sein, da diese Daten von der Person entweder nie selbst bewusst wahrgenommen worden sind oder längst vergessen worden sind.

    Der angemessene Titel wäre gewesen "Überwachung total", da ein System beschrieben wird, mit dem alle technisch sammelbaren Informationen zu einem Menschen und seiner Umgebung automatisch gesammelt werden.

    Die Autoren geben vor, dass das System zum Wohle des Einzelnen sei. Tatsächlich verletzt die Anwendung etliche Rechte sowohl von Einzelnen wie von Institutionen. Sollte ein derartiges System je verkauft werden, müsste es aus verfassungsrechtlichen Gründen verboten werden.

    Als erstes fällt auf, dass Gordon Bell die Persönlichkeitsrechte jedes Menschen verletzt, dem er mit seiner SenseCam begegnet – er macht eine automatische Aufnahme, ohne zu fragen. Selbst wenn er fragen würde, er würde es sehr schwer haben diese Daten zu löschen, da in dem beschriebenen System das Löschen selbst schon wieder eine Datenspur nach sich ziehen würde (falls das nicht so wäre, wäre das System inhärent fälschbar).

    Diese automatische Aufnahme wird üblicherweise auch die Rechte von Institutionen, wie zum Beispiel Museen, verletzen, sofern dort Fotografieren untersagt ist.

    Das komplette Digitalisieren von urheberrechtlich geschützten Werken (Bücher und Zeitschriften zählen üblicherweise dazu) ist vielleicht für den Eigenbedarf noch zulässig (könnte jedoch bereits juristisch bedenklich sein, da Verlage Inhalte auch selbst in digitalisierter Form vermarkten wollen). In dem Moment, wo diese Daten jedoch auf einmal von anderer Seite zugänglich werden und damit unkontrolliert weiterverbreitet werden können, wird sich Gordon Bell strafbar machen.

    Im Kontext von Besuchen beim Arzt, im Krankenhaus oder einem Anwalt unterläuft er bis zu einem gewissen Grad die Schweigepflicht des Arztes oder Anwalts, wenn seine automatischen Aufnahmegeräte zufälligerweise Teile von Gesprächen zwischen Arzt/Anwalt und Patienten/Klienten aufzeichnen.

    Mit anderen Worten, Gordon Bell bewegt sich selbst derzeit mindestens in einer juristischen Grauzone.

    Sofern diese automatischen Aufnahmetechniken von einer hinreichend großen Zahl von Menschen (oder auch deren Haustieren) eingesetzt würden, würde dies für die übrigen Menschen in deren Umgebung bedeuten, dass von jedem Einzelnen ein detailliertes Bewegungsprofil aus diesen automatisch erfassten Daten erstellt werden kann.

    Das Problem ist nicht nur, dass die Personen, die die automatischen Aufzeichnungstechniken einsetzen, sich selbst einer permanenten Überwachung aussetzen, diese Personen setzen auch alle anderen Menschen einer permanenten Überwachung aus.

    Im realen Leben gilt es übrigens als Krankheit, wenn jemand unfähig ist, irgendetwas wegzuwerfen. Sich einen Datenberg anzuhäufen, weil man selbst oder irgendjemand anders vielleicht irgendetwas irgendwann einmal davon gebrauchen könnte, ist im Prinzip nur eine andere Ausdrucksform dieser Krankheit - allerdings weniger direkt sichtbar, da die Datenberge ja nur auf der eigenen Festplatte und auf irgendwelchen Backup-Servern im Internet verteilt sind (für jeden zugänglich, der genügend kriminelle oder staatlich autorisierte Möglichkeiten hat, auf diese Daten zuzugreifen, sie auszuwerten und nach Belieben zu manipulieren).

    Die Behandlung der Missbrauchsmöglichkeiten in dem Artikel erfolgt eher verharmlosend. Einerseits wird im Artikel eingeräumt, dass schon jetzt erhebliche Missbrauchsgefahren für persönliche Daten auf einem Computer bestehen und dass die Quantität der automatisch erfassten Daten das Schadenspotenzial für den Einzelnen erheblich erhöht. Jedoch klingt "Und selbst wenn unsere Computer gegen vorsätzliche Angriffe so gut gesichert werden wie ein Panzerschrank ..." mehr danach, dass die Autoren annehmen, dass es irgendeine Lösung geben könnte (obwohl auch Panzerschränke nicht absolute Sicherheit garantieren können).

    Und angesichts der in dem beschriebenen System immensen Flut an automatisch gesammelten persönlichen Daten auf die angebliche "Ungeschicklichkeit des Benutzers" zu verweisen, die alle Sicherheitsvorkehrungen zunichte machen können, ist schlicht eine Frechheit - ein durchschnittlicher Benutzer ist darauf angewiesen dass das Computersystem inhärent sicher ist, sodass "ein falscher Tastendruck" erst gar nicht zur Herausgabe dieser für den Benutzer unbekannten, aber sehr persönlichen Daten führen kann. Bei dem beschriebenen System geht es schließlich um mehr als um die überschaubaren direkten Fragen nach Name, Wohnort, Zahlungsweise etc., die derzeit bei Bestellungen abgefragt werden.

    Darüber hinaus sorgen sowohl etliche Softwarehersteller als auch einige Gesetzgeber dafür, dass die Computersysteme Zugangsmöglichkeiten haben, die vom Benutzer unbemerkte Zugriffe ermöglichen sollen - was gleichzeitig eine Angriffsmöglichkeit für Schadsoftware darstellt.

    Die angeblichen Vorteile, die im Artikel aufgeführt werden, entpuppen sich bei näherer Betrachtung als nicht gegeben.

    • "Wissenschaftler werden einen Einblick in die Denkprozesse ihrer Vorgänger erhaschen": Diese Annahme ist schlicht grober Unfug - Denkprozesse spielen sich per Definition im Gehirn ab. Nur ein Bruchteil von dem, was eine Person dabei bewusst bedenkt, wird auch in irgendeiner Form externalisiert, vieles oftmals in derart kryptischer Form, dass dieselbe Person nach einiger Zeit mit den Daten selbst nichts mehr anfangen könnte. Falls man all das automatisch aufzeichnet, verschwindet das Ganze noch im üblichen Wust von Korrekturen von Tippfehlern, stilistischen Korrekturen oder schlicht versehentlichem Löschen mit oder ohne anschließender Rückgängigmachung.

    • Es ist eher zweifelhaft, dass eine permanente Überwachung der Arbeit die Produktivität steigert. Daten wie die Häufigkeit von Tippfehlern, die Häufigkeit von inhaltlichen Korrekturen oder die Bewegungen der Maus über den Bildschirm nützen bestenfalls einem Arbeitgeber, wenn er einen Kündigungsgrund für den überwachten Arbeitnehmer sucht, nicht jedoch dem Arbeitnehmer selbst. Das gleiche gilt für Aufzeichnungen darüber, dass ein Arbeitnehmer vielleicht zu viel Zeit für einen als "unwichtig" eingestuften Kunden aufwendet.

    • Der Vorschlag, firmenbezogene Daten aus dem Archiv zu löschen, wenn ein Arbeitnehmer eine Firma verlässt, bedeutet, im Bereich in sich hochgradig vernetzter Datenbestände Teile des Netzes zu zerstören. Es ist sehr zweifelhaft, ob dies möglich sein kann, ohne dabei das gesamte Netz unbrauchbar zu machen. (Der im Artikel gewählte Vergleich mit einer Amputation ist sehr treffend gewählt – nur dass die Analogie zu einer Amputation von Teilen eines Gehirns eben auch die analogen Folgen sehr drastisch beschreibt).

    • Die derzeitigen Virenscanner und Anti-SpyWare-Programme brauchen schon für eine einfache Windows-Installation mehrere Minuten, um schädliche Programme zu finden. Das bezieht sich auf Datenvolumen im Gigabyte-Bereich. Ein 1000-fach höheres Datenvolumen wird im besten Fall bedeuten, dass sich die Zeit "nur" vertausendfacht. Mit anderen Worten, nach einem Neustart darf der Benutzer erstmal eine Woche warten bis der Rechner hinreichend überprüft worden ist. (Die Autoren nehmen hoffentlich nicht ernsthaft an, dass zukünftige Rechner niemals einen Neustart benötigen werden.)

    • Das Problem, große Archive effizient zu durchsuchen und vor allem die relevante Information auch zu finden, besteht schon bei dem jetzigen Datenvolumen. Das Problem, wie man wichtige Information automatisch identifizieren und dann von unwichtiger trennen kann, ist gleichfalls nicht gelöst - vermutlich auch nicht lösbar, da "wichtig"/"unwichtig" in Bezug auf irgendeine Information selbst für dieselbe Person im Lauf der Zeit unterschiedlich bewertet werden wird. Mit anderen Worten, es würde versucht, ein subjektives Kriterium durch einen objektiven Klassifizierungsprozess zu erfassen.

    • Indem man das Datenvolumen in den Terabyte-Bereich für jedermann aufbläht, kommt man einer Lösung dieser Probleme sicherlich nicht näher. Lediglich der Datenmüllberg wächst.

    • Eine permanente Überwachung des aktuellen medizinischen Zustandes würde jede kleine Unpässlichkeit zu einem medizinischen Fall aufbauschen. Ein Arzt, der den medizinischen Datenmüll all seiner Patienten managen müsste, wäre eher zu bedauern. Für die Patienten würde es nur bedeuten, dass es zu massenhaften Fehlalarmen hinsichtlich ihres Gesundheitszustandes käme - was die Patienten mit hoher Wahrscheinlichkeit dann irgendwann ernsthaft krank machen würde.

    • Die permanente Überwachung der medizinischen Daten wird mit Sicherheit dazu führen, dass Versicherungen und Arbeitgeber fordern werden, diese Daten vor Vertragsabschlüssen einsehen zu können, oder dass Versicherungen fordern werden, diese Daten einzusehen, wenn sie den Verdacht haben, der Versicherungsnehmer könnte falsche Angaben gemacht haben.

    • Ständige Backups im Terabyte-Bereich für alle würde bei dem derzeitigen Stand der Weltbevölkerung von 6,6 Milliarden Menschen ein Datenaufkommen von 274 Byte (im Bereich von 1021 Byte) bedeuten. 99% davon dürften schlichtweg Datenmüll sein, der die Datenleitungen nur unnötig belastet. Und damit ist noch nicht mal berücksichtigt, dass gleichzeitig massenweise Audio- und Video-Daten über die Datenleitungen gehen werden.
  • Ach deswegen!

    02.05.2007, Dr. Roland Höller, Postfach 7, 90603 Rückersdorf
    Der Leonhard Euler-Comic zeigt, warum der Mann nicht nur Mathematiker, sondern auch Physiker geworden ist.

    Er wollte zeit seines Lebens herausfinden, was das für ein komisches Ding unter seinen Spielsachen ist - hat es aber nicht geschafft! (Meiner Meinung nach ist es eine Dampflokomotive). Leicht zu finden: Abbildung Seite 99 links, direkt vor seiner Nase!
  • Erinnerung total – fatal

    02.05.2007, Rena Rappel, München
    Das ist ja toll, dass Herrn David Digitals Zeitplanungsprogramm ihn darauf hinweist, dass er zu viel Zeit für einen unbedeutenden Kunden verschwendet. Wahrscheinlich weist es ihn kurz später darauf hin, dass er nun schon soundsoviel Stunden am Stück gearbeitet hat und nun dringend relaxen soll, und mehrmals am Tag wird er aufgefordert, jetzt was zu tun, was ihm Spaß macht, oder es wird ihm ein Witz eingespielt, auf dass er lachen möge - ganz wichtig für die Psychohygiene und hilfreich, wenn man das Optimum an Schaffenskraft erreichen und aufrechterhalten will. Mit anderen Worten: Abhängigkeit pur. Wenn wir Menschen es bisher nicht geschafft haben, eine Diktatur dauerhaft zu etablieren, vielleicht gelingt es mit diesen Computerprogrammen – statt der Diktatur des Proletariats die Diktatur der Bytes?!?

    Und wenn in dieser schönen neuen Welt Sohn Digital nicht ohne sein Lernprogramm zu befragen weiß, dass seine Noten ganz ok sind – dann hat er einen Teil seiner Hirnfunktion an den Computer abgegeben. Ob er die frei gewordenen Hirnareale dann für etwas anderes nutzt? Für was?

    In der heutigen bzw. bisherigen Welt beschäftigt sich Herr Digital mit dem Account des unbedeutenden Kunden xy vermutlich deshalb etwas länger, weil das ihm mehr SPASS macht als das langweilige des bedeutenderen
    Kunden yz. Unsere Gehirne sind AUCH darauf programmiert, uns unseren Aufenthalt auf dieser Welt möglichst angenehm zu gestalten. Nicht nur effektiv. Wobei letztendlich das eine das andere wohl mit bedingen dürfte.
  • Preisraetsel bitte nicht einstellen!

    02.05.2007, Dr. Roland Philipp Hofmann
    Woran erkennen Sie, dass das Interesse der Leser am Preisrätsel gering ist? Nehmen Sie bitte nicht die Anzahl der Einsendungen als Maßstab!
    Ich versuche, jedes Raetsel zu lösen, und habe großen Spaß daran. Und trotzdem habe ich bisher erst ein einziges Mal eine Lösung eingesandt.

    Bitte stellen sie die Raetsel nicht ein!

    P.S.: Zu schwer sind sie mir generell nicht. Das Hölzchen-Rätsel war mir eher zu leicht.

  • Auch die Wissenschaft ist letztlich nur eine Illusion

    01.05.2007, Reinhard Gutmann, A-1190 Wien
    Selbstverständlich ist der "Fortschritt" eine Illusion aus den von Prof. Voland dargelegten Gründen. Doch das entlarvt nicht die Wissenschaft, denn diese ist selbst nur eine Vorstellung des Beobachters und daher am Ende dieselbe Illusion. Auch sie dient nur Nützlichkeitskriterien und hat keinerlei Bezug zu einer objektiven Wirklichkeit. Wie der Radikale Konstruktivismus klar zeigt (Maturana, v. Foerster, v. Glasersfeld), haben wir keinen Zutritt zur "absoluten, objektiven" Wirklichkeit, denn wir bleiben immer in unserer Autopoiese, die uns lediglich die Viabilität mit der "Außenwelt" ermöglicht, aber keine Einsicht in eine von uns unabhängige, "wahre" Wirklichkeit. Unser Gehirn bildet die "Welt" nicht durch unsere Sinnesorgane ab, wie sie wirklich ist, sondern wir erfahren durch Außenreize nur die Anregung und Feuerung unserer neuronalen Gehirnvernetzung, die uns dann eine Interpretation der Welt, aber nicht ihr Abbild liefert. Das Bild der Welt, das wir glauben objektiv im Kopf zu haben, ist nur unsere Hypothese von der Welt. Wir schaffen uns die Welt, indem wir sie leben. Und das betrifft alle Bereiche, auch die Wissenschaft, auch die Mathematik, die nur auch eine Denkvorstellung ist und mit der Wirklichkeit nicht das Geringste zu tun hat. Die Wissenschaft arbeitet selbst mit vielen metaphysischen Axiomen, denn die letzte Beweisbarkeit gibt es nicht. Und der Mathematik fehlt das Anschauungsmaterial, um etwas mit Realität zu tun zu haben. Oder ist die Zahl i (Wurzel aus minus eins) oder etwa das Unendliche eine reale Anschauungskategorie? Die Quantenphysik hat auich gezeigt, daß es nur Wahrscheinlichkeiten bzw. Möglichkeiten gibt, die der Beobachter erschaffen kann. Wir sind unsere eigene Realität, dessen können wir inne sein, wir sind selbst das Leben, aber Realitäten objektivieren können wir nicht, auch nicht in der Wissenschaft. Das wussten die Philosophen des Ostens seit Jahrtausenden (siehe auch Zen).
    Wer`s kurz und bündig nachlesen will, lese mein Buch:
    Reinhard Gutmann, Kennen Sie die Wirklichkeit?, ISBN 3-938606-55-X
  • Kommen wird's trotzdem

    01.05.2007, Andreas Körpert, Bruchsal
    Ich bin mir recht sicher, dass in zwei bis drei Dekaden das digitale "Erinnern" weit verbreitet sein wird, und das aus mehreren Gründen.

    Zum einen kommt es doch dem menschlichen Bedürfnis entgegen, unsterblich zu sein, wenn das Leben eines Menschen so protokolliert der Nachwelt erhalten bleibt. Zum anderen wird es bestimmt ein praktisches alltägliches Hilfsmittel sein, wenn das Wiederauffinden von Erlebtem schnell und unkompliziert funktioniert. Und wahrscheinlich werden dann auch Unternehmen wie Hersteller, Marktforscher oder Versicherungen mit dicken Rabatten locken, wenn sie Verhaltensweisen der Konsumenten dadurch beobachten oder Aufzeichungen über Verkehrsunfälle auswerten dürfen.
  • Keine Preisrätel mehr?

    30.04.2007, Arnfried Mack, Karlsruhe
    Es wundert mich, dass die Beteiligung am Preisrätsel so niedrig sein soll – es sind sehr gute Aufgaben dabei, z. B. die mit der Hydrazinthe.
    Die Hölzchen-Arithmetik war jedoch zu einfach(eigentlich für 10-14-Jährige).
    Ich würde mich freuen, wenn es bei guten (Preis)Rätseln bleibt. Mir ist klar, dass es nicht einfach ist, gute Aufgaben zu finden.
  • Höherer Schwachsinn

    26.04.2007, Rudolf Marti, CH-4144 Arlesheim
    Nach dem Artikel "Roboter für jedermann" (März-Heft) von Bill Gates und jetzt diesem hirnlosen Elaborat "Erinnerung total" (Mai-Ausgabe) von zwei Microsoft-Mitarbeitern kommen mir allmählich Zweifel, ob meine langjährige Treue zu "Spektrum der Wissenschaft" weiterhin gerechtfertigt ist. Derartige Artikel, die einem technoiden Wahnsinn frönen, bringen uns nun tatsächlich nicht weiter, jedenfalls nicht in eine Richtung, in die es sich zu gehen lohnt. Spinner wie Gordon Bell sollen meinetwegen ihren Wahn eines total dokumentierten Lebens (wenn man dies dann noch "Leben" nennen will) pflegen. Aber in einer Zeitschrift, deren Ziel es ist (bzw. sein sollte), in ernsthafter Weise über die aktuelle Wissenslandschaft zu berichten, haben derartige Beiträge nun wirklich nichts zu suchen. Der Verdacht ist leider groß, dass hier eine bisher angesehene Zeitschrift allmählich von gewissen kommerziellen Interessen korrumpiert wird, die ihrem Ansehen auf weitere Sicht bestimmt nur schaden können.

    Rudolf Marti, CH-4144 Arlesheim
    Antwort der Redaktion:
    Über den Weg, den die Wissenschaft gehen sollte, lässt sich trefflich streiten. Wir halten es jedenfalls nicht für richtig, einen Artikel nicht zu drucken, weil uns die Richtung missfällt, in die er die Wissenschaft bewegen will.


    Die Befürchtung, wir würden durch finanzielle Interessen korrumpiert, ist leicht als abwegig zu widerlegen. Wir bejammern zwar stets, dass unsere Zeitschrift viel zu wenig Geld für Anzeigen einnimmt. Aber dieser Zustand verschafft uns ein ungewöhnlich großes Maß an journalistischer Unabhängigkeit. Mit dem Entzug einer Anzeige, die ohnehin nicht kommt, kann man noch nicht einmal versuchen, uns zu erpressen.


    Christoph Pöppe
  • Lob und Kritik für das Spezial-Heft

    26.04.2007, Peter Krisch
    Dieses "Spezial 1/2007 Energie und Klima" ist hervorragend aufgebaut, gibt eine Menge Informationen zum leidigen Thema, aber ...!

    Die Darstellung der Kernfusionstechnologie ist etwas zu dürftig ausgefallen, gerade bei der heutigen Antiatomkraftbewegung, die sich auf die Kernspaltungstechnologie eingeschossen hat und schlechthin alles andere auch die Kernfusion verteufelt - die Menschen mit Desinformation geradezu verblödet.
    Man sollte dabei bedenken, dass an dieser zukunftsweisenden Fusions-Technologie schon seit Mitte des vorigen Jahrhunderts zunehmend erfolgreicher geforscht wird. Und Deutschland hat da ja wohl keinen schlechten Stand.

    Nur sollte man auch nicht verschweigen, dass die bereitgestellten Mittel auch jetzt nicht ausreichen. Und hier komme ich nun zum Kern der Sache. In einem einzigen Beitrag wurden mehr am Rande Ausgaben zur Klimaforschung denen für die militärische Forschung (aber nur in den USA) gegenübergestellt.

    Es ist auch des öfteren vom Weltbruttosozialprodukt die Rede, aber kein Sterbens Wort über die Ausgaben der Weltgemeinschaft für Rüstung und Kriege - ca. 3 Milliarden Dollar pro TAG (rund 1 Billion Dollar pro Jahr)! Was sind da schon 10 Milliarden Euro in 10 Jahren für ITER!

    Ein Beitrag mit dem Titel "Eine gute Energiepolitik erspart der Menschheit Kriege" wäre wohl angemessen, dass er auch in diesem "Spezial 1/2007" erschienen wäre. Hat man das nur vergessen?

    Und in diesem Zusammenhang ist besonders die Politik - sprich die Regierungen der G8-Staaten - in der Pflicht. Diese s.g. Verantwortlichen für die Entwicklung auf unserem Planeten haben hier sträflichst versagt, denn sie wussten schon lange vom bevorstehenden Klimawandel - sie waren Insider aber auch Entscheidungsträger und taten "fast" Nichts, mal abgesehen von der Forcierung der "Ressourcensicherung".
  • Digitales "Erinnern" ist egomanisch und unsozial

    26.04.2007, Brigitte Burgmer, Köln
    Bells Tagebuch halte ich als Modell für egomanisch und unsozial, weil zwischenmenschliche Kommunikation generell anders geht. Wenn in den Naturwissenschaften längst klar ist, dass der Experimentator das Experiment beeinflusst, um wieviel mehr beeinflusst der Mensch mit Beobachtungs- und Aufzeichnungsgeräten die Situation im Alltagsleben?

    Wer ständig mit Aufzeichnungsgeräten unter Menschen lebt, ist nicht mehr ganz bei sich. Ich erlebe die Welt, meine Kamera nicht. Vor allem fehlt bei diesem Konzept des Gehirns die Phantasietätigkeit im digitalen Gedächtnis"speicher", wie immer bei Gehirnforschern mit einem Computermodell vom Gehirn - vermutlich deshalb, weil Vorstellungsbilder nicht wie die visuelle Wahrnehmung in einfachen Experimenten erforscht werden kann, wenn überhaupt!

    Gentechnik, KI, Cyborg ... die Protagonisten solcher Heilsversprechen haben stets die gleichen kalkulierten oder naiven Argumentationsstrategien: Erst wird der Mensch klein gemacht, dann kommen sie mit technischen Verbesserungsvorschlägen, und für die später erst dadurch entstehenden Probleme haben sie wiederum Reparaturangebote parat. Wie verdienstvoll! Schon der Cyborg-Künstler Stelarc definierte den natürlichen Körper als "wet ware", die "veraltet" ist, "es geht darum", ihn technologisch aufzurüsten.

    Für Bell und Gemell ist das Gedächtnis "unvollkommen" und soll "radikal" durch "totale" digitale Aufzeichnung perfektioniert werden. Das klingt verdächtig nach einem Totalitarismus, am Ende schlimmer als in Orwells "1984" und Huxleys "Schöne neue Welt" zusammen: Observation freiwillig! Und wieso eigentlich soll das digitale Gedächtnis kommen, "ob wir es wollen oder nicht"? Wem nützt dieser fatalistisch gefärbte Machbarkeitswahn, wer hat Interesse daran? Zum Beispiel Microsoft?
  • Der Klimawandel ist nicht mehr zu stoppen!

    25.04.2007, Hartl Johann, Erzieher und Heilpädagoge.
    Einerseits: Gott sei Dank, anscheinend entwickelt sich die Einsicht bei so mancher Nation, zumindest bei den politisch Verantwortlichen. Fragt sich nur, wie lange es dauert, bis es sich auch auf den unteren Ebenen, bei den normal Sterblichen, herumspricht und auch dort der Bleifuß vom Gaspedal genommen wird. Nach meinen Beobachtungen auf meinem täglichen Weg zur Arbeit ist bei anderen Fahrern noch nicht viel an Einsicht festzustellen.
    Andererseits: Ich frage mich, ob sich ein Klimawandel durch lange Zeit in Anspruch nehmende Massnahmen noch stoppen lässt. Meiner Meinung nach nicht, außer alle auf dieser Erde hören, aus irgendeinem Grund, plötzlich auf Auto zu fahren, übermäßig mit fossilen Brennstoffen zu heizen u.s.w. Das wird so kaum möglich sein. Also, der Klimawandel ist nicht mehr zu stoppen!
  • Doch lieber Petabyte?

    24.04.2007, Rüdiger Kuhnke, München
    Kürzlich erzählte mir einer meiner Auszubildenden, er habe von seinem Vater zum Geburtstag eine 300 GB große Festplatte bekommen. Auf meine erstaunte Nachfrage hin stellte sich heraus, dass Speicherplatz im Terabyte-Bereich sich locker mit aus dem Web heruntergeladenen, scheinbar dringend benötigten Spielen füllen läßt. Angesichts dieser gegenwärtigen Realität wird das im Artikel erwähnte 4-Terabyte-Laufwerk in zehn Jahren wohl hoffnungslos veraltet sein.
  • Das geht zu weit

    23.04.2007, Winfried Kaiser, Grafenrheinfeld
    Das würde mir gewaltig zu weit gehen. Für manches wäre es vielleicht ganz gut, aber die Nachteile überträfen die Vorteile. Über kurz oder lang würde z. B. ein Gesetz gemacht , das der Polizei erlaubt, darauf zuzugreifen, um zu schnüffeln, oder es kämen wieder alte Sachen hoch, die man endlich vergessen hat und an die man nicht mehr erinnert werden will. Und wenn man gestorben ist, können die Hinterbliebenen erkennen, dass man vielleicht gar nicht der ach so brave und liebe Ehemann, Vater usw. war. Noch eines: Ich will keine Maschine sein, sondern ein Mensch mit allem, was dazugehört.
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