Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Kein Paradigmenwechsel

    14.03.2007, Dr. Andreas Beyer, 45149 Essen
    In seinem Artikel stellt Peter D. Ward neue, spannende Ergebnisse zur Frage der Massenextinktionen dar. Wo noch vor einigen Jahren die Meinung vorherrschte, dass zumeist kosmische Einschläge verantwortlich gewesen seien, rücken heute irdische Mechanismen in den Vordergrund, was Ward veranlasst, von einem „Paradigmenwechsel“ zu sprechen.

    Hier ist Widerspruch geboten, denn man sollte im Kontext der empirischen Wissenschaften nicht von Paradigmen und erst recht nicht von Paradigmenwechseln (Zitat aus dem Artikel: „Revolutionen, bei denen eine allgemein anerkannte Theorie plötzlich durch ein neues ’Paradigma ’ ersetzt wird“) sprechen, weil die Verhältnisse in der Wissenschaft damit stark verzerrt wiedergegeben werden. Diese auf den Philosophen Thomas Kuhn zurück gehende Vorstellung erweckt beim Laien die Idee, die wissenschaftlichen Theorien seien beliebig: alle paar Dekaden wird ja sowieso alles umgeworfen und das, was vorher „richtig“ war, ist nun „falsch“ – eben bis zum nächsten Paradigmenwechsel.

    Wer sich mit der Wissenschaftsgeschichte auch nur oberflächlich auseinander setzt, bemerkt schnell, dass solche „Revolutionen“ bei weitem nicht so revolutionär sind, wie sie scheinen. Durch die Wellenoptik wurde die Strahlenoptik nicht falsch, sondern verfeinert, genauso wie die Quantenoptik eine höhere Differenzierung und Verallgemeinerungsstufe darstellt als die Wellenoptik. Newton wurde durch Einstein nicht widerlegt, die Relativitätstheorie ist lediglich die umfassendere und allgemeinere.

    Das gleiche gilt für die Massenextinktionen: Wie Ward selber betont, gibt es an der Einschlagstheorie zur Kreide-Tertiär-Grenze nichts zu rütteln – kein Paradigmenwechsel weit und breit! Lediglich die Idee, dass es ein einziger Grund gewesen sei, der (fast) immer für diese katastrophalen Ereignisse verantwortlich war, muss wohl revidiert werden. Wieder einmal wird ein Theoriengebäude verbessert und verfeinert, dabei aber mitnichten umgeworfen.
  • Nicht zu unterschätzende Hilfe

    14.03.2007, Fritz Kronberg
    Die Meinung der Autorin ist sicherlich Allgemeingut unter Journalisten und vermutlich auch Medizinern. Das bedeutet allerdings nicht, daß sie auch sinnvoll ist. Wenn das Programm eine Treffsicherheit von 90% erreicht, ist es sicher dem Urteil von Angehörigen vorzuziehen, weil sein Ergebnis eben nicht von das Urteilsvermögen beeinträchtigenden Emotionen beeinflußt wird. Das gilt zumindest für mich. Sollte das Programm jemals so weit kommen (was ich bezweifle), wäre es eine nicht zu unterschätzende Hilfe.
    F. Kronberg
  • Es gibt keine Spiegelneuronen

    13.03.2007, Gerhard Hofmann, Marburg
    Wenn ich jemanden beobachte, der in eine Zitrone beißt, dann läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Habe ich deshalb eine Spiegelspeicheldrüse? Wenn ich im Fernsehen den entscheidenden Elfmeter im Fußballfinale sehe, dann zuckt mein rechtes Bein – obwohl der Torschütze mit links geschossen hat: jetzt habe ich sogar ein Spiegel-Spiegelbein!
    Wenn man von Spiegelneuronen als einer „Klasse von Nervenzellen“ (Zitat Artikel) spricht, dann müsste man m.E. erklären, wie sich diese Klasse von den anderen Nervenzellen unterscheidet, also z.B. mehr oder weniger Dendriten, eine andere Art von Synapsen o.Ä.
    Sicher, es ist eine erstaunliche Leistung, mit bildgebenden Verfahren Bereiche des Gehirns zu untersuchen und festzustellen, dass bei nachempfundenen Bewegungen ein Teil der gleichen Bereiche von Nervenzellen verwendet werden wie bei selbst initiierten Bewegungen. Aber offen gesagt wundert es mich nicht besonders, denn bevor mein Bein zuckt, würde ich auch erwarten, dass ein Teil der Nervenzellen aktiv ist, die auch sonst für die Bewegung meines Beines zuständig sind. Mir scheint, dass wir nur eine Stufe weiter nach oben gerückt sind und jetzt auch die Folgen der Nachahmung im Gehirn sehen und nicht nur im Körper, oder in der Sprache.
    Zitat. „Der Spiegelmechanismus könnte z.B. eine Grundlage darstellen, aus der Empathie erwächst“. Ich sehe keine Erkenntnisse, die diesen Gedanken rechtfertigen oder nahe legen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Empathie ist die Ursache dafür, dass selbst initiierte Handlungen (Sprache, Bewegung) und nachempfundene oder beobachtete Handlungen die gleichen Bereiche im Gehirn aktivieren. Aber was ist dann die Empathie? Es ist sicherlich ein Prozess im Gehirn, aber einer dem wir mit der Entdeckung von so genannten Spiegelneuronen nur wenig nähergekommen sind. Ich persönliche gehe nicht davon aus, dass er lokalisierbar ist, schon gar nicht mit den bildgebenden Verfahren, deren Auflösung sowohl zeitlich als auch räumlich um mehrere Größenordnungen zu grob ist. In dem Artikel wird weiterhin der Eindruck erweckt, als stünden die Spiegelneuronen im direkten Kontakt mit ihren Ebenbildern im anderen Gehirn, als würde nicht über die Sinne ein komplexer Prozess ausgelöst, der schließlich in der Stimulation der entsprechenden Nervenzellen sichtbar wird.
    Eine weitere Anmerkung: „Die Reaktion auf diese Szenen war wie erhofft“ heißt es auf Seite 53, mittlere Spalte, unten. Natürlich sind wir alle Menschen und hoffen dass unsere Theorie sich bestätigt. Aber ein Wissenschaftler darf so etwas nicht schreiben. Ein Experiment ist nicht dazu da, eine Theorie zu bestätigen, sondern um der Wahrheit näherzukommen...

  • Hilfreicher Beitrag

    11.03.2007, Valerie Pobloth
    Ich möchte nur schnell ein großes Dankeschön an "Spektrum der Wissenschaft" ausrichten, da mir dieser Text sehr weitergeholfen hat bei meiner MSA (Mittlerer Schulabschluss Präsentation) - Präsentation zum Thema "Der Farbkreis - Wo sind die Grenzen des menschlichen Farbwahrnehmens?"
  • Liegt Neuseeland nordöstlich von Madrid?

    10.03.2007, Benito Groh, Wuppertal
    Ich kann die Lösung "Stewart Island" für das Preisrätsel "Der Navigator" einfach nicht glauben. Meines Erachtens erreicht man alle Punkte, die nordöstlich von Madrid liegen, wenn man sich auf einer Linie bewegt, deren Tangente immer nach Nordosten zeigt (also 45° zwischen Nord und Ost). Diese Linie ist aber kein Großkreis, sondern eine Spirale, die sich letztendlich um den Nordpol windet. In jedem Fall liegt sie vollständig auf der nördlichen Erdhalbkugel.
    Antwort der Redaktion:
    Was bedeutet "Genau in dieser Richtung lag seine spanische Heimat"? Offensichtlich meinte Fernando: Wenn man in dieser Richtung, nämlich nach Südwesten, lossegelt und stets geradeaus fährt (von belanglosen Hindernissen wie Landmassen und Polareis abgesehen), kommt man nach Madrid; auf dem Großkreis eben. Dabei weicht die Richtung, in die man fährt, mit zunehmender Streckenlänge immer mehr von der Südwestrichtung ab; insbesondere läuft man nicht aus Nordosten kommend in Madrid ein.


    Nach Ihrer Interpretation hätte Fernando in Gedanken konstant Südwestkurs halten müssen. Auf diesem Weg (einer so genannten Loxodrome) wäre er nicht nur nach unendlich vielen Windungen am Südpol gelandet. Ein Mensch, der ihm von Madrid aus in konstanter Nordostrichtung entgegenzusegeln versuchte, würde unter anderem unendlich viele Punkte durchlaufen, die – in jeder Interpretation – genau nördlich von Madrid liegen. Das ist sicher nicht das, was man unter "nordöstlich von Madrid" verstehen würde.


    Für Flugreisende über den Atlantik ist die merkwürdige Sache mit den Großkreisen nicht ungewohnt: New York liegt – ungefähr – nordwestlich von Rom, und Rom liegt nordöstlich von New York. Dem widerspricht nicht, dass New York und Rom ungefähr auf demselben Breitenkreis liegen. Man kommt also auch von Rom nach New York, wenn man stets westwärts segelt – aber es wäre ein Umweg.


    Christoph Pöppe

    Redaktion
  • Keine Preisrätsel mehr

    10.03.2007, Thomas Bichsel, Zofingen (CH)
    Mit bedauern nehme ich zur Kenntnis, dass Sie die Absicht haben, ab Juli keine Preisrätsel mehr zu veröffentlichen. Für mich sind die Rätsel eigentlich keine Preisrätsel, da ich meistens ein bis drei Monate mit dem Lesen in Verzug bin, dafür kann ich jeweils sofort überprüfen, ob ich richtig lag. Insbesondere im Urlaub habe ich Spass am Knobeln und Lesen Ihrer Zeitschrift. Am Ende meiner Ferien bin ich jeweils auch wieder bei der aktuellen Ausgabe angelangt.
  • Zu langes Warten auf die Lösung

    08.03.2007, I. Pester
    Ich finde, dass die Lösung des Preisrätsel nicht zeitnah ist und deshalb das Lösen keinen Spaß macht.
    Antwort der Redaktion:
    Der Verzug von zwei Monaten ist lästig, aber nicht zu vermeiden, wenn man in der Beschreibung der Lösungen die Ideen der Einsender aufgreifen will. Zwei Wochen Zeit muss man den Lesern zum Lösen und Einsenden schon geben, und zum Einsendeschluss ist das nächste Heft schon längst im Druck.
  • Keine Preisrätsel mehr ?

    07.03.2007, Egon Köppel, Kreutzer-Str,2, 50672 Köln
    Sehr geehrter Herr Pöppe, Ihre diesbezügliche Mitteilung hat bei mir große Trauer ausgelöst und ich bitte, die Entscheidung noch einmal zu überdenken.

    Noch etwas zu Ihrer Antwort auf meinen früheren Leserbrief: Sie meinen, daß kein großer Unterschied in der Anzahl der Zuschriften bei schweren und leichten Aufgaben sei, und schließen daraus, daß die leichten als zu langweilig angesehen werden. Könnte man nicht ebenso daraus schließem, daß die schwereren als zu schwierig angesehen werden? Und ich vermute auch, daß die Auslobung von 3(!) T-Shirts nicht gerade zu einer Beteiligung animiert. MfG Köppel

    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Köppel,

    Ihre Trauer kann ich durchaus nachvollziehen; aber Ihre Argumente hatten wir alle schon, und sie haben nicht geholfen.

    Ja, wenn wir, wie bei unserem 25-jährigen Jubiläum, eine Reise nach New York für zwei Personen ausloben, steigt die Anzahl der Zusendungen gewaltig. Aber so viel können wir nicht jeden Monat ausgeben.

    Es ist uns klar, dass die ausgesetzten Preise nicht mehr als eine nette Zutat sind. Jeder Leser kann sich ausrechnen, dass er in der Regel in der Zeit, die er für das Lösen aufwendet, genug Geld verdienen könnte, um sich den Preisgegenstand ganz regulär zu kaufen. Das hält einen nicht davon ab, eine Lösung einzusenden.

    Ich fürchte, das einzige, was unsere Entscheidung noch umstoßen könnte, wäre ein massenhafter Aufschrei aus der Leserschaft.

    Mit freundlichen Grüßen

    Christoph Pöppe
  • Spiegelneuronen bei Walen

    07.03.2007, Jörg Michael, Hannover
    Wie vor einiger Zeit in der Zeitschrift New Scientist berichtet, wurden Spiegelneuronen (wenn auch in relativ geringer Anzahl) mittlerweile auch bei Walen gefunden. Sie scheinen also entwicklungsgeschichtlich deutlich älter zu sein als zunächst vermutet.
  • Fehler in der Zeichnung

    07.03.2007, Franz-Stephan Beyer, Dresden
    Auf Seite 86 der Märzausgabe ist in der Zeichnung der Erdachse ein Fehler. Der Präzessionskegel der Erdachse bewegt sich rückläufig gegen die Erddrehung. In der Zeichnung sind die Rotationsrichtungspfeile falsch herum.
    Antwort der Redaktion:
    Der Leser hat Recht.
  • Mehr Rätsel wie das Hölzchen-Rätsel!

    05.03.2007, Egon Köppel, Kreutzer-Str.2, 50672 Köln
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    an Ihre Preisrätsel habe ich mich nur ganz selten herangetraut, obwohl ich ein Freund von kniffligen Fragen bin. Aber die Hölzchen-Arithmetik machte mir keine Schwierigkeiten. Es würde mich sehr freuen, wenn Sie in Zukunft mehr Preisrätsel bringen würden, die auch von Leuten mit einem IQ unter 150 gelöst werden können.
    Antwort der Redaktion:
    Sind unsere Preisrätsel zu schwer?

    Die bisherige Erfahrung zeigt, dass die leichteren Aufgaben in der Regel nicht wesentlich mehr Einsendungen auslösten als die schweren. Anscheinend neigen unsere Leser dazu, die zu leichten Aufgaben eher als langweilig und nicht der Mühe wert zu empfinden.

    Wie dem auch sei: Das Interesse unserer Leser am Preisrätsel ist generell so gering, dass wir uns entschlossen haben, es einzustellen. Genießen Sie die letzten Leckerbissen, die wir bis Juni veröffentlichen werden.

    Danach bleibt Ihnen immer noch die "Mathematische Knobelei" unserer Online-Wissenschaftszeitung spektrumdirekt .

    Mit freundlichen Grüßen

    Christoph Pöppe
  • Beschönigendes Diagramm

    03.03.2007, Michael Craiss, Bietigheim-Bissingen
    Im Diagramm mit der Kurve des Kohlendioxidgehalts der Atmosphäre ist der Zeitraum von heute bis zum Jahr 2200 stark gedehnt. Dies vermittelt den Eindruck, als ob der gegenwärtige Anstieg eher moderat wäre. Im richtigen Maßstab aufgetragen würde es sich aber um eine fast senkrechte Linie handeln!
  • Sauerstoffaufnahme bei Haien

    03.03.2007, Leon Schirdewahn
    Da ich gerade an einer Facharbeit über Haie schreibe, beschäftige ich mich sehr intensiv mit ihnen.
    Die Aussage, dass alle bekannten Haiarten ihren Sauerstoffbedarf auch im Ruhen aufnehmen, ist nicht vollständig.
    Haie können im Ruhen "atmen", wenn sie in einer Strömung liegen, die stark bzw. schnell genug ist ( 3-5 km/h mindestens).
    Hinzu kommt, dass sie zwar im Ruhen auch ohne Strömung "atmen" könnten, allerdings nur zeitweise.
    Dies tun sie mithilfe des Sauglochs, mit dem es ihnen möglich ist, eine Zeit lang Wasser anzusaugen, aber wie gesagt nur eine Zeit lang.
    Dass es evolutiv wenig sinnvoll wäre, mit der Strömung zu schwimmen bzw. dass sie dies nicht dürften, kann man, denke ich, ganz einfach widerlegen:
    Wie schnell werden Sie, wenn Sie auf dem Fahrrad Rückenwind haben?
    Ich denke eher schneller. Außerdem fällt es Ihnen ( und dem Hai im Wasser) leichter, schneller zu fahren ( oder eben zu schwimmen). Und das wird ein Hai auch. Die Schwimmgeschwindigkeit wird immer relativ gesehen: Liegt ein Hai in der Strömung gegen die Strömung, so schwimmt er theoretisch, weil das Wasser ihm ja entgegenfließt.
  • Bill Gates Zukunftsversionen, Teil 2:

    03.03.2007, Detelf Haarbrücker, Hamburg
    - 95% der Roboter laufen natürlich mit einem Microsoft Betriebssystem.

    - Die Schnittstellen zur Entwicklung höherer Steuerungssoftware werden natürlich von Microsoft lizensiert.

    - Die Softwaremodule für die Diestleistungen der Roboter werden natürlich über Digital Right Managemant (DRM) geschützt.

    - Damit dies zuverlässig funktioniert, sind diese Programme nur mit DRM-konformer (von Microsoft certifizierter) Hardware funktionstüchtig.

    - Natürlich werden die Roboter von Microsoft ferngewartet, bis hin zur Fernabschaltung.

    Wer´s nicht glauben möchte, schaue sich an, was im neuen Windows Vista implementiert ist.
  • Nicht zu wenig Genies, nur zu wenig Förderung

    02.03.2007, Christina Riemenschneider, 31180 Ahrbergen
    Ich selber gehe auf eine Ganztagsschule und sitze fast täglich bis um viertel nach vier in der Schule. Somit bleibt nur wenig Freizeit und man kann seinen Hobbys nicht nachgehen. Dieses Schuljahr habe ich an den Wettbewerben "Internationale Chemieolympiade", "Jugend-forscht", "Jugend-testet" sowie am "Bundeswettbewerb Mathematik" teilgenommen, doch fehlt mir oft die Zeit, alles unter einen Hut zu bringen. Erfolg habe ich schon - zunächst erster Platz in Chemie, Einladung zum Landeswettbewerb - doch würde ich viel lieber jetzt schon im Labor arbeiten und mich auf bestimmte Themen spezialisieren. Zum Beispiel interessiere ich mich für die posttranslationalen Proteinmodifikationen: Ubiquitinierung und SUMOylierung, doch hilft mir da der Unterricht nicht weiter. Ich hoffe auf eine Besserung des Schulsystems und eine Erleichterung für die Schüler, die etwas leisten wollen.