Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Roboter & Steuern

    07.06.2017, Mr. Unbekannt
    Warum zahlen wir (Arbeitnehmer) in die Sozial- und Rentenversicherung ein?
    Damit wir vom Staat Unterstützung bekommen, wenn wir nicht (arbeitslos) oder nicht mehr (Rente) erwerbstätig sind. Dann brauchen wir Geld für Wohnung, Lebensmittel und Co. Zum (Über)leben.
    Ein Roboter braucht das nicht. Den stellt man einfach ab. Warum sollte dieser also Sozialabgaben entrichten?
    Wenn der Roboter gut wirtschaftet, steigt der Gewinn des Unternehmens, welches ihn einsetzt. Dann zahlt dieses Unternehmen auch mehr Steuern als ohne Einsatz des Roboters. Wo ist das Problem?
  • Grundlagen

    07.06.2017, Elmar Bodet
    Wer sich mit dem Thema "Nachhaltigkeit" beschäftigt, sollte damit beginnen:

    Human domination of the biosphere: Rapid discharge of the earth-space battery foretells the future of humankind
    http://www.pnas.org/content/112/31/9511.abstract
  • Und ewig lockt Platons Höhle...

    06.06.2017, Rene Macon
    Das ist mal wieder die bei Erkenntnisphilosophen übliche Bemühung um allgemeine Verunsicherung. Wie seriös ist es, in solch einer Argumentation Sätze, die eine empirische Beschreibung versuchen ("Der Bürgermeister von Berlin hat drei Köpfe" oder "Dass zum Beispiel der Kölner Dom zwei Türme hat und nicht einen, fünf oder siebzehn") undifferenziert neben Sätze zu stellen, die aus einem System von Axiomen logisch abgeleitet werden (der Satz von Euklid "Dass es etwa unendlich viele Primzahlen gibt"), also immer dann notwendigerweise gelten, wenn man die Axiome und eine bestimmte Art von Logik als gegeben voraussetzt?

    Ein Großteil der allgemeinen Verunsicherung kann man schon einmal beseitigen, wenn man diese Unterschiede berücksichtigt. Dann bleibt freilich noch immer das Beobachtungsproblem, wie man die Köpfe des Bürgermeisters oder die Türme des Doms gezählt bekommt. Das geht nicht, ohne dass wir eine Theorie verwenden, die uns sagt, was ein Kopf ist und was ein Turm ist und diese dann auf mit den von unseren Sinnesorganen empfangenen Rohdaten vergleichen. Damit wäre dann schon einmal klar, dass alle Beobachtungen immer theorieabhängig sind - ein Problem, dass die klassische Statistik durch die Formulierung einer Nullhypothese löst.

    Dann kann man sich noch immer darüber streiten ob die von unseren Sinnesorganen empfangenen Rohdaten in irgendeiner Form von einer unabhängigen Realität verursacht sein können. Hier bietet die Evolutionäre Erkenntnistheorie von Gerhard Vollmer eine plausible Lösung an, wenn man bereit ist die Evolutionstheorie vorauszusetzen. Es geht also nicht ohne Setzungen, die immer auch bestreitbar sind, wenn man Erfahrungswissenschaft betreiben will.

    Wenn man dazu bereit ist, kann man aber sowohl im Alltag als auch bei der Weiterentwicklung empirischer Theorien ziemlich weit kommen. Natürlich kann man die Leute immer auch in Platons Höhle entführen und ihnen die gräulichsten Schattenspiele zeigen. Verwirrte Menschen sind immer auch leicht beherrschbare Menschen. Das ist freilich eine psychosoziale Hypothese - aber eine die wohlbekannten Institutionen lange Zeit mit großem empirischem Erfolg genutzt wurde...
  • Zu statische Vorstellung von Tatsachen und Wissenschaft

    06.06.2017, Peter Stein
    Ich schließe mich cero an. Im Wesentlichen scheint mir das Manko des Artikels in einem viel zu statischen und eingeschränkten Begriff von "Wahrheit", "Fakten" und "Wissenschaft" zu liegen.
    Wissenschaft ist ein Prozess, der immer wieder sich an neuen Entdeckungen, Erfahrungen beweisen und weiterentwickeln muss. Viel wichtiger wäre eine Diskussion, ab wann wir daraus Handlungsanweisungen ableiten müssen.
    Die Leugner des Klimawandels reiten ja gerade darauf herum, dass es in der Wissenschaft immer auch Raum für Zweifel und Weiterentwicklung geben muss. Mit ihrer einfachen Vorstellung von "Tatsachen" wollen sie nur das anerkennen, was unbezeifelbar und vollständig als wahr erkannt werden kann.
    Das Wasserkocherbeispiel könnte hier als Ilustration genommen werden: Erst durch die Aufnahme vieler Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen entsteht nicht eine einheitliche Wirklichkeit, sondern eine einheitliche Vorstellung davon (die immer auch zu Erweiterungen und Korrekturen führen kann).
    Die Relität wird nicht von uns geschaffen, sondern (hoffentlich) zunehmend verstranden.
    Das Motto der Demonstrationen "Zu Fakten gibt es keine Alternativen" ist sicher verkürzt. Auf einen Vorschlag für ein besseres und zugleich prägnantes Schlagwort warte ich noch
  • Vergesst die Hormone nicht!

    06.06.2017, Friedhelm Becker
    Die Diskussion um die technische Realisierung einer personengetreuen Gehirnkopie lässt einen Aspekt außer Acht, der das ganze Unterfangen erschwert, wenn nicht sogar unmöglich macht:
    Das Gehirn reagiert nicht nur auf Inputs, die über Nervenzellen hereinkommen, sondern auch auf eine Vielzahl von Molekülen, die über Körperflüssigkeiten zu ihm gelangen. Diese sind schon bei einem Individuum über die Zeit sehr variabel hinsichtlich ihrer Konzentration – und die Rezeptoren dafür sind nicht permanent gleichmäßig empfindlich.
    Gerade um Gefühl-bezogene Reaktionen zu erzeugen, müsste man nicht auch Hormon- und andere Haushalte „mitkopieren“?
  • Wahrheiten ohne direkte Beobachtung

    05.06.2017, David M.
    Das es Fakten gibt, die nicht direkt mit unserer Beobachtung übereinstimmen, wie das Beispiel mit der Horizontlinie, widerlegt die Existenz der Fakten nicht. Man kann ja mithilfe der wissenschaftlichen Methode Aussagen auf Grundlage der Beobachtungen treffen, die über diese hinausgehen. Selbst wenn Aussagen, die über das unmittelbar Gegebene/die Wahrnehmungen hinausgehen, keine reale Existenz hätten, wären sie insoweit als ein Fakt anzusehen, wie sie das unmittelbar gegebene beschreiben. Das gleiche gilt auch bei anderen Einschränkungen der „realen Existenz“.
  • Schlaf-Wach-Rhythmus

    05.06.2017, Hans Schmidt
    Interessant wäre in diesem Zusammenhang die Auswirkung von Nachtarbeit und damit verändertem Schlaf-Wach-Rhythmus bei langjährig dauerhaften Nachtschichten und Wechselschichtmodellen.
  • Guter Start der Diskussion

    05.06.2017, hullabaluh
    Vielen dank, dass dieser Punkt einmal aufgenommen wird.

    Der Grund, warum Wissenschaft unverzichtbar ist, ist ja eben NICHT, weil man dann mit absoluter Sicherheit weiss, wie etwas ist. Die Wissenschaft ist ein steter Prozess der Suche nach der Wahrheit. Wenn Wissenschaftler aufzeigen, mit welchen Methoden sie zu welchen Ergebnissen gekommen sind, können die Ergebnisse von anderen Menschen geprüft und (hoffentlich) reproduziert werden. DAS ist der Unterschied zu Religion, Populismus und eben "DEN alternativen Fakten".

    Das Faktenregal ist das Ziel, aber die Fakten darin müssen immer als "jetziger Wissensstand" angeschaut werden, denn die Wissenschaft muss immer offen bleiben, dass bisherige Fakten durch neue Wissenschaft widerlegt werden. Ganz im Sinne Lessings:
    "Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: wähle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: Vater gib! die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!"
  • ein wahrlich guter Artikel

    04.06.2017, Max
    und wahrlich geistreiche Kommentare dazu. Sehr erfreut hier drüber gestolpert zu sein :)
  • Zum Titel: Wie wahr sind wissentschaftliche Tatsachen

    04.06.2017, Rainer Kirstein
    Ein Zitat (weiss leider nicht mehr woher oder von wem):

    Wissenschaft ist
    eine systematischer und kontrollierter Forschungsprozess, der darauf abzielt, folgerichtig aufgebaute Hypothesen über Zusammenhänge auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu prüfen, um auf diese Weise zu (relativ bzw. vorerst) gesichertem Wissen zu kommen. Zitat Ende.

    Das in der Klammer ist wichtig.
  • you get what you ask for

    04.06.2017, Bernd Kirchheim
    Früher lebten die Wissenschaftler im Elfenbeinturm, keiner von aussen schrie dazwischen und keiner von aussen zweifelte die Wahrheit der Ergebnisse an (was keinesfalls deren Fehlerfreiheit bedeutete - siehe Äther).

    Nun sollen sie raus aus dem Elfenbeinturm, jedes Resultat muss dem Guten und Glück der Menschheit dienen. Der Vorteil ist: es gibt mehr Geld & Ressourchen für Wissenschaft und technischen Fortschritt.
    Der Nachteil: Scharlatanierie und Populismus, auch in der Wissenschaft werden hoffähig - öffentliche Zweifel nicht nur häufiger sondern auch häufiger berechtigt.
    Es scheint mir eine Kostennutzenrechnung zu sein, bisher überwog klar der Nutzen
    (siehe Fortschritte in Technik, Nahrungsgüterproduktion u Medizin bis heute). Aber
    das kann sehr schnell kippen...vorallem wenn man davon ausgeht, dass die Kostenkurve sich nicht so schnell stoppen lässt. Gerationen, die bereits mit dem
    Zweifel an Glaubwürdigkeit naturwissenschaftlicher Erkenntnis aufwachsen (und zB
    eher das Internet als entgültige Wahrheitsquelle sehen) werden sich nicht plötzlich wieder ändern
  • ein Philosoph ...

    03.06.2017, deluge
    muss wohl Probleme mit dem Begriff "Fakt" haben - bzw. herbei konstruieren - da sich doch seine Wissenschaft ausschliesslich im Kopfe abspielt. Und so bewegt sich seine Argumentation in Zyklen und Epizyklen um den Begriff herum (so wie er in der "science" verstanden werden muss), statt von einer klaren Definition auszugehen und dann deren Grenzen zu explorieren.

    Wohin so etwas führt, konnte man etwa im 19ten Jahrhundert sehen, als die Geometrie des realen Raum von Philosophen für denknotwendig euklidisch gehalten wurde. Bis die Physik zeigte, dass es doch anders ist ... (Ich vermute, dass Philosophen hier ansetzen und diskutieren wollen, was es mit dem Realen auf sich hat...)
  • Schade.

    02.06.2017, cero
    Ich habe mehr von einem Beitrag mit diesem Titel erwartet. Der Artikel scheint sich nur darüber auszulassen, dass nicht immer alle Begriffe klar definiert sind (was ein großes Problem ist, aber vor allem eines der 'weichen' Wissenschaften) und dass nicht alles wissenschaftlich evaluierbar ist (sonst bräuchte man keine Politik).

    Beides sind rein menschliche, begriffliche oder emotionale Probleme. Das hat nichts mit dem Nicht-Vorhandensein einer objektiven "Wahrheit" zu tun.

    Auch das Wasserkocher-Beispiel läuft ins Leere. Offensichtlich haben beide Personen eine unzulässige Verallgemeinerung ihres konkreten "Experiments" getroffen, wenn sie einen Widerspruch in ihren Ergebnissen sehen. Das bedeutet nicht, dass es keine objektive Wahrheit gibt, sondern nur dass beide die komplette Wahrheit nicht erfassen konnten.

    Viel spannender wäre doch gewesen, ab wann wissenschaftliche Ergebnisse als gesichert genug gelten, um sie als "Fakt" zu bezeichnen. Das ist nämlich alles andere als klar. Darauf geht der Artikel leider überhaupt nicht ein.
  • Achtsamkeit kann helfen

    02.06.2017, Interessierter Leser
    Ich habe meine Depressionen mit meditativen Übungen und Achtsamkeitstraining in den Griff bekommen. Sich bewusst machen, dass dieser Zustand nicht "normal" ist, hat den entscheidenen Anstoß gegeben.

    Selbst in schlimmeren Krisensituationen schaffe ich es mittlerweile nicht mehr in die Depressionen zurückzufallen. Ich brauchte dafür keine Psychotherapeuten oder Medikamente, dass könnte aber daran liegen, dass ich schon immer sehr ehrlich mit mir selbst umgegangen bin. Wenn man es nicht aus eigenem Antrieb schafft, sollte ein Psychotherapeut schon helfen können, glaube ich.
  • Meine Güte…

    02.06.2017, Gort
    Wieder eine Sau, die alle Jahre wieder durch das Dorf getrieben wird. Als Betroffener im Bereich mittelschwere Depression kann ich nur sagen, dass es die Kombination aus Psychotherapie und medikamentöser Unterstützung war, die mir geholfen hat. Die Medikamente ziehen einen Boden ein, so dass eine Besserung, aber vor allem Stabilität einkehrt und ein Absacken verhindert wird. Darauf lässt es sich dann psychotherapeutisch arbeiten. Ansonsten möchte ich hier einmal eine Lanze für die mitunter belächelte Psychoanalyse brechen. Bei komplexen Situationen ist es wichtig, tiefe Ursachen zu erarbeiten und anzugehen. Ja, das kann langwierig und anstrengend sein, aber auch lohnend. Besser die Wurzel angehen als Symptome.