Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Welche Rolle spielt das Landauer-Prinzip?

    22.10.2013, Ludek Smolik
    Den Autoren unterläuft eine kleine Unkorrektheit.
    Das mooresche Phänomen ist kein Gesetz. Es ist eher eine aus Beobachtung entstandene Gesetzmäßigkeit oder Faustregel, eben eine Prognose und ursprünglich eher für die Wirtschaft als für die Wissenschaft gedacht. Dies bemerken die Autoren zwar gleich zum Anfang des Artikels ausdrücklich, doch zum Schluss erheben sie diese empirische Regel dann doch wieder irgendwie in den Status eines Gesetzes "in bester Gesundheit".
    Was mich aber zum Schreiben dieser Zeilen noch mehr veranlasst hat: Ist den Autoren auch der Begriff des Landauer-Prinzips bekannt?
    Mit Sicherheit ja. Es wäre eventuell interessant gewesen, zu dieser natürlichen Schranke im Hinblick eben zu der mooreschen Prognose Stellung zu beziehen.
    Antwort der Redaktion:

    Ja, das mooresche Gesetz ist kein Gesetz (wie die Autoren in der Tat ausdrücklich bemerken), es wird aber allgemein so bezeichnet ("Moore's law"). Da hilft nichts, man muss sich an den etablierten Sprachgebrauch halten.

    Landauers Prinzip war den Autoren nicht geläufig; es spielt in ihrer Arbeit auch keine Rolle. Auf Ihren Leserbrief hin haben sie sich kundig gemacht; langjährige Abonnenten dieser Zeitschrift können an dieser Stelle den Artikel "Grundsätzliche physikalische Grenzen beim Rechnen" von Rolf Landauer (Spektrum der Wissenschaft 9/1985, S. 94) aus dem Regal holen. Das Ergebnis: Aus thermodynamischen Gründen erfordert eine elementare Operation (bemerkenswerterweise das Löschen eines Bits) eine gewisse Mindestmenge an Energie.

    Extrapoliert man das mooresche Gesetz, so liegt der Zeitpunkt, zu dem der Energieverbrauch einer elementaren Operation auf Landauers Grenze abgesunken sein wird, 20 Jahre oder mehr in der Zukunft. Bis dahin werden längst andere physikalische Grenzen dem mooreschen Gesetz den Garaus gemacht haben: Ein Bit kann schwerlich durch weniger als ein Atom dargestellt werden. Das Landauer-Prinzip bleibt also weiterhin eine sehr theoretische Schranke.

    Christoph Pöppe, Redaktion

  • Der Artikel ist "Schnee von gestern"

    21.10.2013, Stefan Pschera
    Das Gehirn ist unglaublich fähig und braucht Schlaf zur Reinigung? Und was sollen dann die Schlafphasen zwischen Tief und REM

    Man weis doch, die Erregungsleitung im Neuron erfolgt dissipativ. Das Neuron darf nicht unkontrolliert feuern. Ansonsten die Erregung über viele Neurone zum Erfolgsorgan geleitet. Der Organismus würde zappeln (unkontrollierte Bewegungen). Wie den Überschuss abbauen?
    Lösung: Im Schlaf – die Motorik ist gehemmt. Die Neuronen feuern ungehemmt.
    Dann aber sind manche Neuronen durch das Feuern überbeansprucht (Mangel). Tiefschlaf bringt den Ausgleich. Und dann geht es wieder los – das ungehemmte Feuern.

  • Zur Universalität der gravitativen Rotverschiebung (UGR)

    21.10.2013, Matthias Kaufmann, Fellheim
    Im Artikel heißt es zur Universalität der gravitativen Rotverschiebung (UGR) sinngemäß folgendes:
    - Zwei Uhren unterschiedlicher Bauart laufen synchron, wenn sie sich auf der gleichen Bahn durch die Raumzeit bewegen.
    - Zwei Uhren gleicher Bauart die sich auf verschiedenen Bahnen bewegen weisen einen Gangunterschied auf, der universell ist.
    Daraus folgt, dass zwei synchron laufende Uhren unterschiedlicher Bauart, die von einem höheren auf ein niedrigeres Gravitationspotenzial gebracht werden, um den universellen Gangunterschied anders laufen, aber weiterhin synchron.
    Nimmt man ein mathematisches Pendel und eine Atomuhr zur Zeitmessung, hat man bereits eine Paarung gefunden, die den obigen Annahmen widerspricht, da sich beim mathematischen Pendel die Frequenz mit abnehmender Gravitation vermindert, bei der Atomuhr jedoch erhöht.
    Der Faktor alpha ist also ungleich null und damit ergibt sich ein Widerspruch zur allgemeinen Relativitätstheorie.
  • Zögerlichkeit

    21.10.2013, Matthias Thiermann
    Über die Zögerlichkeit der Zuordnung zur Drogensucht, könnte man spekulieren, ist die Lebensmittelindustrie schuld. Denn ich muss nicht erst nach zellulären Anpassungsvorgängen im Gehirn suchen, um festzustellen, dass Kokainsucht eine Sucht ist. Oder Heroinsucht sich im Kopf gleich oder ähnlich verhält wie Nikotin-, Alkoholsucht oder sonstige Süchte. Auf die Idee für würde auch niemand kommen! Ich schaue mir das Phänomen an und stelle eine Vergleichbarkeit fest. Die viel weitreichendere und wichtigere geistige Transferleistung ist zuzugeben, dass Zucker eine Droge ist. Und davon will uns die Lebensmittelindustrie mit allen Mitteln abhalten.
  • Überfällige Korrektur

    21.10.2013, Günter Ahlert, Oberursel
    Der kritische und überfällige Artikel Ihrer Autorin Melinda Wenner Moyer zur "Entzauberung" einer jahrzehntelange vermuteten, aber nie bewiesenen therapeutischen Rolle von "Antioxidanzien" als Gegenspieler des biologischen Alternsprozess ist zu begrüßen. Diese Spekulation fußt auf der "Free Radical Theorie of Aging" von D. Harman aus dem Jahr 1956, wonach das Altern der Lebewesen sich durch Oxidation der Strukturen von Körperzellen durch einen oxidativen Stress durch freie Sauerstoffradikale erklärt. Diese "Theorie" hat zu erheblicher Behinderung des Fortschritts der Alternsforschung und medizinisch sinnlosen "Anti-Aging"-Behandlungen geführt.
    Wer Fragen zur Herkunft und Evolution der Lebensdauer und des Alterns von Lebewesen, einschließlich des Menschen hat, kann zuverlässige Antworten im Buch "Altern - Ergebnis ökologischer Anpassung" von G. Ahlert finden. Es ist (neben Wikipedia-Zitierung) bereits 1996 im Karger-Verlag erschienen, hat aber an Aktualität kaum eingebüßt.
  • Bayessche Formel subjektiv?

    20.10.2013, Harald Kirsch, Düsseldorf
    Werfen wir einen herkömmlichen Würfel, so erwarten wir die 2 mit Wahrscheinlichkeit 1/6. Erfahren wir dann, dass eine gerade Zahl gefallen ist, so "springt" unsere Erwartung, auf 1/3. Dieser Sprung folgt nach der bayesschen Formel, die nichts anderes ist, als eine Rechnung mit bedingten Wahrscheinlichkeiten nach den Axiomen der Wahrscheinlichkeitstheorie. Was ist daran subjektiv?
  • Leiden einfach wegkaufen..

    20.10.2013, josef wieser
    schöner Artikel.

    Fragen dazu?
    Erkennen Fleischesser, dass sie mit etwas mehr Geldeinsatz Tierleid reduzieren können (Demeterfleisch statt Discounter)? Falls ja, hat die Abwägung Geldersparnis gegen Tierleid etwas mit Moral/Ethik zu tun?

    Grüße an die Mitstreiter
  • Sehr guter Artikel

    19.10.2013, J
    Ein sehr guter Artikel, der die Problematik von Essens -und Verhaltenssüchten aufzeigt. Einerseits sind klare Suchtmerkmale vorhanden, andererseits stößt es bei "Experten" auf Widerstand, da es gegen deren (veraltete) Lehrmeinung geht.
    Doch solche Artikel sorgen auf lange Sicht dafür, dass sich mehr und mehr Leute der Problematik bewusst werden.

    Interessant wäre es mal zu wissen, welche Auswirkungen mehrtägiges Fasten hat, ob es z.B. die Dopamin D2 Rezeptorendichte normalisiert etc. und dadurch die Toleranz abbaut.
  • @ ugur: Gleichzeitigkeit

    18.10.2013, Russenkind
    Es geht nicht um Zeitmangel des Gehirns im Wachzustand, sondern darum, dass - wie am Schluss des Artikels geschrieben - im "Arbeitsmodus" des Gehirns zwei (ganz bestimmte und im Artikel genannte) gegenläufige chemische Prozesse nicht gleichzeitig ablaufen können (warum auch immer das so sein mag).
  • Keine Zeit und kein .....

    18.10.2013, ugur
    Hat das Gehirn im Wachzustand für diese Dinge keine Zeit?
    Oder geht es ihm wie euch, keine Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens?

    Oder fehlt ihm außer Zeit noch was Anderes ?
  • Meeresspiegel steigt nicht so stark wie angegeben

    18.10.2013, John Larc
    Sie schreiben im 3. Absatz:
    "Pegel: Seit Beginn des Jahrhunderts ist der Meeresspiegel demnach um 20 Zentimeter gestiegen, und sie ist auch in den letzten Jahren weitergegangen."
    Das ist nicht richtig, denn es entspräche in den letzten 13 Jahren einen Anstieg von 1,5 cm pro Jahr. Korrekt wären meines Wissens ca. 1,7mm pro Jahr.

    Also: Was haben Sie gemeint?

    Viele Grüße, John
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Lac,

    vielen Dank für Ihre Anmerkung. Sie haben Recht: Er ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts um 20 Zentimeter angestiegen - ohne diese Zahlenangabe ist die Aussage natürlich missverständlich. Ich habe sie nun ergänzt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
  • Virtualität und Realität

    17.10.2013, Manfred Hörz
    Das Quantenvakuum (QV), das Nichts, ein brodelndes Nichts aus virtuellen Photonen, der "heilige Geist" ist nicht existent. Aber er hat die Potentialität einer Schöpfung, des Urknalls unseres Kosmos.
    Aus diesem neuen Äther, dem nicht lokalisierbaren QV könnte durch extremen Zufall der Urknall entstehen und immer wieder entstehen. Wie? Dazu muss man erst einmal die polaren Begriffe von Virtualität und Realität analysieren. Sie sind relativ bzgl. des Subjekts. Wenn etwas durch alle Sinne und Interaktionen des Subjekts sich in dem bekannten Sinne verhält, schreiben wir ihm Realität, Existenz zu. Ansonsten bleibt es Zeichen oder virtuell. Doch Wesen mit mehr Sinnen als wir könnten unsere Realitätszuschreibung zu diesem Etwas immer noch als Zeichen erkennen. Virtualität und Realität sind lediglich Pole und dazu noch beobachterabhängig. Aber ohne diese Wechselwirkung gibt es weder Realität noch Virtualität. Wie entsteht nun aus der Virtualität Realität. Durch Integration all dieser Zeichenteile. Und in der Physik? Der virtuelle Raum des QVs produziert stets "Protuberanzen" von virtuellen Photonen und Antiphotonen (was das Gleiche hier noch ist).
    Und zwar so viel wie die Unschärferelation in gewissen nicht messbaren Zeiteinheiten zulässt.
    Wenn nun ein extremer Zufall eintritt und eine Zeitkaskade ultrakurzer "Protuberanzen" in einem engen Gebiet sich integrieren, wird aus der Virtualität Realität. Die ungeheure zeitlich versetzte Anzahl von virtuellen Photonen wird durch diese Integration zu realen Photonen, zum realen Raum, eben unseres Kosmos und zur realen Zeit, dem Beginn der realen Zeit und zu realer Energie: der Urknall.
    Doch virtuelle Zeit, Raum und Energie gibt es bereits im QV und wird es ewig geben. Diese Zeit hat unter gewissen Umständen eine Struktur, die die Grundlage der Gesetze bildet. (Nicht im Sinne Kants.) Diese Gesetze, Wahrscheinlichkeitsgesetze entstehen durch Brechung der Zeitsymmetrie, in dem unabhängige Zeitverläufe (in verschiedenen Gebieten des QVs) sich überlagern, was durch eine Wolke von virtuellen Photonen bewerkstelligt werden kann und sie so 'zusammenkleben'. Im QV existieren anfänglich im Wesentlichen nur symmetrische, deterministische Verläufe, die jedoch bei nur geringer Komplexität in chaotisches, symmetrische Zeit übergehen. durch Superpositionen dieser unabhängigen Zeitverläufe entstehen primitive Formen der Zeit und damit von Gesetzen. Ein Urknall ist nicht unmittelbar reversibel. Nur die Vorversuche, die nicht über genügendes Integrationspotenzial verfügen. Sobald die Realität entstanden ist, ist die Wirklichkeit ein Komplex aus immer noch untergründiger Virtualität und Realität. Das gilt nicht nur für die Physik, sondern ist ein allgemeines Prinzip (auch in der Mathematik). Was mich jedoch immer wieder erstaunt, ist dass einige Physiker glauben, das Subjekt bechreiben zu können. Das ist ein großer Irrtum, ein Kategorienfehler, dem auch der Versuch zugrunde liegt, den Messprozess zu objektivieren, bspw. indem auch der Messprozess in die Beschreibung durch die QM oder die Schrödingergleichung integriert wird. Das ist falsch und verhängnisvoll. Photonen verfügen aber über beide Aspekte der Wechselwirkung: dem "Subjekt" und dem unter gewissen Umständen "beobachtbaren" Objekt. Sie sind daher die fundamentalen "Entitäten" dieser Welt, die auch den Urknall bedingen.
  • Kritik zur Kritik

    17.10.2013, MrBrutus
    Dass die Selbstregulierung der Märkte in bestimmten Situationen ungleich dem idealen Modell (Monopol, Oligopol, Korruption, ungleiche Rechtsbestimmungen) nicht mehr funktionieren kann ist doch schon lange bekannt und auch Teil der Wirtschaftswissenschaften. Daher kann man auf Grund dieser Tatsache ein Nichtfunktionieren in bestimmten realen Situationen nun auch nicht dem Markt selbst zuschreiben, sondern eben den entsprechenden unidealen Umständen.
    Man kann daher auch nicht das System der Märkte an sich verteufeln, sondern man muss die Umstände, welche die idealen Grundbedingungen untermauern (Zitat Artikel: "Vetternwirtschaft zwischen Finanzmarkindustrie, einflussreichen Ökonomie-Professoren, der US-Notenbank und amerikanischen Politikern"), angreifen bzw. exakt für diese Alternativen zum freien Markt vorgeben.
    Das hat auch jeder Wirtschaftswissenschaftler gelernt und dahinter steht auch jeder Wirtschaftswissenschaftler (wenn er nicht gerade selbst Profiteur solcher Mißstände ist, siehe FDP und Konsorten). Keine Ahnung, wie das im Buch verarbeitet wird, aber die reißerische Aufmachung lässt vermuten, dass hier eher die üblichen, lautschreierischen Ressentiments befeuert werden sollen.
  • Rechenschwäche gibt es nicht ... wie viel Mathematik braucht der Mensch?

    17.10.2013, Dr. Isabell Gieringer
    Sehr schön finde ich die Darstellung der "erfundenen" Krankheiten - sie macht deutlich, dass es Menschen sind, die Definitionen dafür finden, was und wer "krank" ist. Der Zeit und Gesellschaftsbezug darf hier nicht vergessen werden. Allerdings eine einfache Behauptung, dass es Rechenschwäche nicht gibt und rechnen jeder lernen kann, hilft den Betroffenen wenig und trägt auch nicht zur wissenschaftlichen Klarheit bei, wenn diese Behauptung nicht belegt wird. Sie steht dann eben als Behauptung im Raum - sonst nichts.
    Die Frage nach dem Mathematikunterricht sollte meiner Meinung nach grundlegender gestellt werden. Für die meisten Menschen ist der Inhalt des Mathematikunterrichts ab Klasse 7 nicht mehr relevant für ihr nachschulisches Leben und wird daher zurecht vergessen. Die Bereiche des Gehirns, die durch die Mathematik geschult werden, könnten vielleicht auch durch lebensnähere Unterrichtsinhalte trainiert werden. Ich denke hier besonders an die Logik und Argumentationstheorie. Leider gibt es praktisch keinen Logikunterricht, obwohl dieser gerade in einer Demokratie sehr wichtig sein könnte. Logische Fehler in Argumentationen zu durchschauen oder fehlende Voraussetzungen aufzudecken, wäre auf jeden Fall ein Lernen, das auch nach der Schule noch Relevanz hat. Warum also die Kinder jahrelang mit nicht lebensrelevanten Zahlenspielen beschäftigen, während die für ein mündiges Urteil viel wichtigere Logik und Argumentationstheorie schon gar nicht erst auf dem Lehrplan steht??
  • Ich weiß, dass ich nichts weiß

    17.10.2013, Felix Cyano
    1927 wie auch heute überwiegt die Einbildung, das große Unbekannte durchschaut zu haben. Es sind nur noch ca. 200 unbekannte variablen oder Naturkonstanten die als Krücke benötigt werden, die aktuellen Modelle auch in der Realität einigermaßen anwenden zu können. Es herrscht die Verblendung, die Welt erkannt zu haben. Es ist eine Arroganz der Weisheit, die schon immer die Menschheit davor bewahrte, sich ihrer Unwissenheit bewußt zu werden. Jedoch nur das Wissen um die Unwissenheit führt zu neuer Erkenntnis. Die tausendste Verwendung einer Theorie, die sich offenbar gegen die Phänomene der Realität sträubt, macht sich nicht besser. Was unterscheidet die Dogmen der Kirche von den Dogmen der herrschenden Lehrmeinungen? Was unterscheidet die Hierarchie kirchlicher Ränge von professoraler Selbstherrlichkeit? Universitäten sind verkommen zu einem Ort der Bewahrung traditioneller Theorien. Wer sich nicht in ihrem Rahmen bewegt, wird aus der Glaubensgemeinschaft ausgestoßen.
    Die Aufklärung, einst als Innovation der Erkenntnisgewinnung gefeiert, reiht sich inzwischen ein in die große Liste dogmatischer Welterklärungen. Welches Interesse an neuer Erkenntnis kann noch bestehen, wenn scheinbar alles bereits erkannt und beschrieben ist? Was ist peinlicher als das Cern und die Jagd nach dem "Gottesteilchen", dem Heilsbringer, dem Teilchen, dass endlich belegt, im Recht zu sein?
    Einem Mediziner, der an Krebs stirbt, wird posthum der Nobelpreis für seine Arbeiten zur Erforschung des Krebs verliehen; einem Physiker, der Nobelpreis für ein Teilchen, das nur dafür nützlich ist, unnütze Theorien zu belegen. Nein, wir sind nicht im Mittelalter, wir schreiben das 21. Jahrhundert. "Wissenschaft" wird heute betrieben als das Jagen nach verspinnerten Theoriegebäuden, je komplizierter und verquaster, umso eindrucksvoller und genialer. Das dramatische dabei ist, es scheint aus dieser Situation keinen Ausweg zu geben. Wer hat wirklich daran Interesse, den Status Quo zu verändern? noch dramatischer, wer erkennt überhaupt dieses Dilemma?