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News: Radiowellen im Einsatz gegen Minen

Etwa 120 Millionen Landminen sind nach Schätzungen der UNO auf dem Erdboden verteilt. Eine deutlich schnelleres Räumen der gefährlichen Sprengsätze verspricht ein Verfahren der Forschungsagentur des amerikanischen Verteidigungsministeriums, das den Sprengstoff der Minen mittels Radiowellen aufspürt. Dabei macht es sich die Eigenschaft der Stickstoffatome im Sprengstoff zunutze, auf diese Wellen mit der Verteilung der Kernladung zu reagieren, wodurch ein detektierbares Signal erzeugt wird.
Für die Suche nach Minen werden herkömmlich meist Metalldetektoren eingesetzt. Das Problem dabei: Neue Minen enthalten nur noch wenige Gramm Eisen. Um sie zu finden, müssen die Detektoren so empfindlich eingestellt werden, dass sie auch auf jeden Nagel und jede Patronenhülse ansprechen. Die meiste Zeit wird bei der Minenräumung so für die Aufklärung von Fehlalarmen verwendet.

Das neue Suchgerät der Forschungsagentur des amerikanischen Verteidigungsministeriums (DARPA) spricht nun nicht mehr auf das Metall der Mine an, sondern auf den Sprengstoff selbst. Dabei macht er sich eine besondere Eigenschaft der Stickstoffatome im Sprengstoff zunutze. Diese reagieren nämlich auf Radiowellen bestimmter Frequenz so, dass sich ihr so genanntes Quadropolmoment verändert. Das Quadropolmoment spiegelt die Verteilung der Kernladung wider. Mal ist sie an der Spinachse des Kerns orientiert, mal steht sie im Winkel von 90 Grad dazu. Daraufhin geben die Stickstoffatome ein charakteristisches Radioecho ab. Das Gerät mit dem Aussehen eines überdimensionierten Staubsaugers hat anstelle der Düse an seinem vorderen Ende eine tellergroße Spule, die Radiowellen aussendet. Die Elektronik steckt in einem angeschlossenen kleinen Wagen.

Einen ersten Praxistest hat das Gerät bereits im vergangenen September in Bosnien bestanden. Trotz extremer Witterungsverhältnisse spürte es in einem etwa zehn Quadratmeter großen Feld acht eigens versteckte Minen innerhalb von 15 Minuten auf. Ein Metalldetektor hätte wegen seiner zahlreichen Fehlalarme etliche Stunden benötigt. Bis zur Serienreife dürfte es allerdings noch einige Jahre dauern. Und auch dann ist eher die Nutzung im militärischen Rahmen geplant: Für die meisten Entminungsinitiativen in der dritten Welt ist das Gerät zu teuer.

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