Bilder der Woche | 13.05.2013 | Drucken | Teilen

Gefräßige Saugfalle mit Minigenom

Georg Neulinger
Gefräßige Falle mit Minigenom
© Enrique Ibarra-Laclette, Claudia Anahí Pérez-Torres, Paulina Lozano-Sotomayor
 Bild vergrößern Utricularia gibba

In seiner weiteren Verwandtschaft tummeln sich mit Basilikum, Salbei und Lavendel so bekannte wie harmlose Pflanzen. Ganz anders dagegen der Zwergwasserschlauch (Utricularia gibba) - eine wahrhaft ungewöhnlichen Wasserpflanze: Wie die bekanntere Venusfliegenfalle oder der Sonnentau verschafft er sich zusätzliche Nährstoffe, indem er Insekten und andere Kleintiere fängt. Seine Blätter sind zu winzigen Fangbläschen umgebildet, in denen Unterdruck herrscht. Tentakelartige Fortsätze dienen der Pflanze als Sensoren. Nähert sich ein Wasserfloh, wird er innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde eingesaugt und anschließend verdaut.

So komplex dieser Fangmechanismus auch ist - auf einer anderen Ebene zeigt sich der Zwergwasserschlauch dagegen als echter Minimalist: Er weist das kleinste Genom aller bislang sequenzierten Pflanzen auf, wie Luis Herrera-Estrella vom Laboratorio Nacional de Genómica para la Biodiversidad und Victor Albert von der University at Buffalo herausgefunden haben. Insbesondere die so genannte "Junk DNA" - Abschnitte in der Erbsubstanz, die für kein Protein kodieren - fehlt nahezu komplett: Sie macht insgesamt gerade einmal drei Prozent des Erbguts aus. Die äußerst kompakte DNA scheint für die Pflanze jedoch ihren Zweck zu erfüllen - und das trotz ihres extravaganten Lebensstils. Zudem hat der Wasserschlauch im Laufe der Evolution sein Erbgut immer wieder von "Junk DNA" gereinigt. Theorien, nach denen nichtkodierenden DNA-Abschnitten eine wichtige Funktion bei der Genregulation zukommt, erscheinen in diesem Licht als zweifelhaft. Zumindest beim Zwergwasserschlauch scheint zu gelten: Weniger ist manchmal mehr!

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