Anna von Mikecz
© Anna von Mikecz
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernKlein, aber unfein
Nanopartikel sind seit langem Teil unsere Umwelt. Sie entstehen etwa beim Verbrennen von Holz oder Dieselkraftstoff und werden für zahlreiche Industrieprodukte wie Lacke, Toner oder Kosmetika eigens hergestellt. Inzwischen machen winzige Teilchen mit einem Durchmesser unter 100 Nanometern den größten Anteil der Staubbelastung unserer Luft aus.

Wie die Biologin Anna von Mikecz in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Gehirn&Geist" (Heft 3/2010) berichtet, setzen Mediziner heute einige Hoffnungen in Nanopartikel. So sollen etwa helfen, Medikamente oder auch Gene gezielt ins Gehirn einzuschleusen oder neuronale Stammzellen zu reaktivieren. Damit könnten sie in Zukunft die Therapie etlicher neurologischer Krankheiten wie Alzheimerdemenz oder Morbus Parkinson verbessern.

Andererseits mehren sich die Hinweise, dass feinste Staubteilchen aus Industrie und Verkehr gesundheitsschädlich sind und auch das Zentralnervensystem beeinträchtigen können. So haben mexikanische Forscher herausgefunden, dass die Hirnentwicklung von Stadtkindern in dem mittelamerikanischen Land hinter der von Gleichaltrigen aus gesünderer Umgebung zurückbleibt. Tierversuche bestätigten zudem, dass Nanopartikel, die Blut-Hirn-Schranke überwinden, im Nervengewebe Entzündungen auslösen können.

Anna von Mikecz und ihre Kollegen von der Universität Düsseldorf konnten nachweisen, dass Nanopartikel aus Siliziumdioxid bis in den Zellkern der Neuronen eindringen und in den Zellen Proteinverklumpungen hervorrufen können. Medizinern ist dieser Befund durchaus vertraut: Bei "neurodegenerative Aggregat-Erkrankungen" – zu denen Alzheimerdemenz, Morbus Parkinson und Chorea Huntington zählen – bilden sich ebenfalls Eiweißklumpen im Hirngewebe. Von Mikecz befürchtet, eingeatmete Nanopartikel könnten Hirnzellen schädigen und das Risiko erhöhen, an diesen fatalen Nervenleiden zu erkranken. Die genaueren Wirkmechanismen müssen allerdings noch erforscht werden.

Über Gehirn&Geist:
Gehirn&Geist ist das Magazin für Psychologie und Hirnforschung aus dem Verlag Spektrum der Wissenschaft. Es erscheint seit 2002, mittlerweile in 10 Ausgaben pro Jahr. Fundiert und allgemein verständlich berichten Wissenschaftler und Fachjournalisten in Gehirn&Geist über die Welt im Kopf. Schwerpunkte liegen dabei auf Psyche und Verhalten, Wahrnehmung und Bewusstsein, Intelligenz und Kreativität, Gefühle und Gedächtnis. Neue Erkenntnisse und Trends in der Psychotherapie und Medizin gehören ebenso dazu wie gehirngerechtes Lernen, Kindererziehung, Coaching und gesellschaftliche Debatten. Daneben informieren spezielle Sonderhefte ausführlich über Einzelthemen.

Die Homepage www.gehirn-und-geist.de mit aktuellen Nachrichten, Newsletter und dem kompletten Heftarchiv runden das redaktionelle Angebot ab. Außerdem bieten wir mit www.brainlogs.de das größte deutsche Blogportal für Psychologie und Neurowissenschaften, in dem Experten und Laien diskutieren.

Zu unseren rund 100 000 Lesern gehören Mediziner, Therapeuten, Manager, Lehrer, Eltern, Studenten und Interessierte, die sich umfassend, kompetent und aus erster Hand informieren wollen. Das erfolgreiche Konzept von Gehirn&Geist stand Pate für zahlreiche ausländische Schwestermagazine unter anderem in Italien, Spanien, Frankreich, Brasilien, Belgien und den Niederlanden. Mit "MIND" eroberte ein weiterer Ableger von Gehirn&Geist sogar den hart umkämpften Zeitschriftenmarkt in den USA.