Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Kein Kunstwort

    13.07.2015, Udo Becker, Marburg
    Folgende Bemerkung hat mich irritiert: »Die Wissenschaftshistoriker William R. Newman von der Indiana University in Bloomington und Lawrence M. Principe von der Johns Hopkins University in Baltimore haben für den damaligen Zustand des Fachs das hübsche Kunstwort Chymie vorgeschlagen.« Der weltweit erste universitäre Lehrstuhl für Chemie wurde 1609 in Marburg/Lahn eingerichtet. Lehrstuhlinhaber war Johannes Hartmann, sein Laboratorium chymicum publicum war in einem säkularisierten Franziskanerkloster untergebracht. Ich selbst besitze ein Buch mit dem Titel »Lehrbuch des chymischen Teils der Physik« von I. K. P. Grimm, Professor der Physik in Breslau, 1798. Wenn man nach dem Begriff in Suchmaschinen sucht, wird man bald sehen, dass das Wort Chymie keineswegs wie in dem Artikel genannt, ein Kunstwort ist.
  • Wenn die Sprache mal wieder feiert

    13.07.2015, Dr. Stefan Wilke
    Der Angriff der Physiker auf die Philosophie wäre überzeugender, wenn sie ihn nicht in der Sprache der Metaphysik durchführen würden, ohne es überhaupt zu merken. Wer "nicht darauf beharrt, dass Modelle, die Beobachtungen beschreiben, der Realität exakt entsprechen müssen", beharrt zumindest darauf, dass die Aussage "Dieses Modell entspricht der Realität exakt" sinnvoll ist. (Denn sonst könnte sie ja weder wahr noch falsch sein und es gäbe nichts, auf das man beharren oder nicht beharren kann.) Genau diese Annahme der Sinnhaftigkeit solcher Aussagen ist es aber, die Philosophen wie Quine oder Wittgenstein als metaphysisch enttarnt haben. Kein Physiker würde einen Kritiker seines Fachs für satisfaktionsfähig halten, der weder Newton noch Hamilton verstanden hat. Ein Urteil über die Philosophie der Wissenschaft zu sprechen, ohne jemals Quine oder Wittgenstein verstanden zu haben, steht den Physikern dann aber auch nicht zu. Es ist ohnehin schmerzhaft genug zu lesen, welcher Unsinn in populärwissenschaftlichen Darstellungen der so genannten "philosophischen Interpretation der Quantentheorie" verzapft wird. Noch schmerzhafter ist es aber, sich den naiven Unsinn verdienter Physiker anhören zu müssen, wenn sie anfangen, in Philosophie zu dilettieren.
  • Lesetipps

    12.07.2015, Zerberos
    Der fiktive Roman "When the Killing's Done..." von T.C. Boyle beschäftigt sich mit einem ganz ähnlichen Problem. Einer Rattenplage auf einer Insel und deren Bekämpfung. Dabei kommt es zum Konflikt zwischen Wissenschaftlern und einem extremen Tierschützer.

    Auch sehr lesenswert ist das nicht-fiktive Buch "Die Ameise als Tramp: Von biologischen Invasionen" von Bernhard Kegel, das sich mit Fällen beschäftigt, in denen eingeführte oder eingeschlempte Arten katastrophale Auswirkungen auf die Natur hatten.
  • Nach längerem Aussuchen , kam auf einmal ein Angebot

    12.07.2015, Backes
    Wir waren in Islamabad privat unterwegs. Unser einheimischer Bekannter ging mit uns durch div. Geschäfte ,einfach um ein Mitbringsel für uns zu kaufen.
    In einem Geschäft( Namen und Adresse ging von uns an WWF, Antwort von dort erfolgte)
    bot man uns neben Kaschmir Schals auf einmal Schals an, die in der Preisklasse von ca. 250€ lagen. " English people by this ,for a higher price" Wir haben keinen Schal gekauft und waren nach einer Inter Net Recherche empört und enttäuscht, dass es so etwas noch gibt. Ob die Weitergabe des Geschäfts mit der Lage der Ware im Regal noch etwas genutzt hat entzieht sich meiner Kenntnis.
  • Die Wichtung des Dr. Götz

    12.07.2015, Jo Hackl
    Weltweit werden ca 12% des Stroms aus Kernenergie erzeugt, aber die Kosten der "Entsorgung" werden negiert. Rechnen Sie die bisherige Förderung der Kernenergie zu den (bei weitem noch nicht abzuschätzenden) gigantischen Kosten einer rudimentären Entsorgung so werden Sie feststellen dass die Kernenergie die Kosten der Solarenergie ums tausendfache übersteigen. Wobei eine "sichere" Entsorgung nur als Wunschdenken existiert, auf alle Fälle bleiben sämtliche Kosten beim Steuerzahlen hängen da sich die Atomkonzerne bereits durch die Ausgliederung ihrer "bad energy" davon stehlen.
  • Konservativer Zynismus

    11.07.2015, Cliffs Edge
    Aus Ihrer Haltung geht hervor, was vielen eifrigen Wissenschaftlern, Politikern und Zivilisten ständig neue Steine in den Weg wirft: unangebrachter Zynismus. Der Tod, den sie als statisch beschreiben, ist die gerechte Ernte (und an dieser Stelle schneide ich mir ein Stück Ihrer Torte ab) einer absolut verfehlten Klimapolitik. Diese wird erwiesenermaßen Konsequenzen haben, die das Leben auf diesem Planeten für alle Beteiligten verändert - zum schlechteren, d.h. lebensunfreundlicheren. Im Minutentakt sterben die Arten, wie genau wollen Sie die These stützen, unsere eigene sei davor gefeit?

    Menschen wie Sie machen es sich bequem in Ihrer Lethargie, haben nicht eine Minute der Forschung gewidmet oder sich auch bloß auf die empirischen Belege, die aus ihr hervorgehen, einzulassen versucht.

    Natürlich leben wir auf einem dynamischen Planeten, der - um Ihre Argumentation weiterzuführen - auch ohne uns Menschen auskäme. Doch wollen Sie nicht lieber - statt bequem die Hände im Schoße zu falten - Ihren Enkelinnen und Enkeln die Entscheidungsmöglichkeiten lassen, ob sie diesen weiterhin für uns bewohnbar halten wollen oder nicht?

  • Hinrichtungspraxis in Japan

    11.07.2015, Manfred Polak
    Interessant und etwas makaber ist die Tatsache, dass Hinrichtungen in Japan tatsächlich fast so wie im Logikrätsel ablaufen: Die Verurteilten werden gehängt, und zwar an einem für sie überraschenden Tag. Tatsächlich erfahren die Delinquenten erst am Morgen des betreffenden Tages von ihrem bevorstehendem Ableben, und dann haben sie noch allenfalls einige Stunden, manchmal aber auch nur Minuten zu leben. Anwälte und Angehörige erfahren erst hinterher von der Hinrichtung. Einziger (aber wesentlicher) Unterschied: Es gibt keine feste Frist von einer Woche oder sonst einem festen Zeitraum, sondern es ist nach oben hin offen, und ähnlich wie in den USA zieht es sich meist über Jahre oder sogar Jahrzehnte hin.

    Diese Praxis wird von Amnesty International und anderen Organisationen regelmäßig (aber bisher erfolglos) kritisiert. Siehe dazu einen aktuellen Bericht von Amnesty International.

  • @13 Siegbert Kistler

    11.07.2015, Manfred Reichelt

    Ich stelle keine Behauptungen auf. Ich denke nur klar uns umfassend. Die Physiker überschreiten ihre Grenzen, wenn sie behaupten uns sagen zu können, wie die Welt als Ganzes beschaffen und wie sie entstanden sei.
    Sie kann uns lediglich über die materiellen Aspekte etwas sagen, denn die erforscht sie allein,
    Physiker und Menschen, die sich eine physikalische Weltanschuung zu eigen gemacht haben sollten sich die Worte Heisenbergs zu Herzen nehmen: 
    „Der philosophische Gehalt einer Wissenschaft wird nur gewahrt, wenn sich die Wissenschaft ihrer Grenzen bewusst ist." - "Was wir beobachten, ist nicht die Natur selber, sondern die unserer Befragungsmethode ausgesetzten Natur." Nur ganzheitlich denkende Menschen können uns etwas über die Welt und ihre Entstehung sagen: "Gebt der Philosophie die Deutungshoheit wieder!"
    http://der-philosoph.cms4people.de/60.html
  • Stil und so

    11.07.2015, Motzki
    Das ist nicht die so genannte Bodélé-Senke, das ist die Bodélé-Senke. Das ist ein Eigenname und deshalb ist es überflüssig, "sogenannt" davorzustellen. Sie sprechen ja auch von Westafrika und nicht vom sogenannten Westafrika.
    Nix für ungut ...
  • @ Olaf Schlüter

    11.07.2015, Mathias Völlinger
    Dies hier ist vielleicht interessant für Sie:

    https://medium.com/starts-with-a-bang/ask-ethan-96-is-the-multiverse-science-ecceb24fa2af

    (und für alle anderen auch)
  • Veganismus

    10.07.2015, sathomaso
    Falsch. Veganismus ist eine ethische Maxime der Leidvermeidung, aus der eine bestimmte Konsumhaltung, die alle Lebensbereiche betrifft, hervorgeht. Mit Ess-Ideologie hat das nichts zu tun.
  • Nochmal @Olaf Schlüter

    10.07.2015, Siegbert Kistler
    Mir ist noch aufgefallen, dass Sie die menschlichen Kränkungen zu Beginn Ihres Beitrags dafür verwenden, Physiker als die Zunft zu bezeichnen, "die sich ständig irrt" (und sich selbst erst mal dazuzählen, indem sie von "wir" schreiben), aber gegen Ende verwenden Sie die menschliche Kränkung, dass sehr vieles unserer Existenz dem "gedankenlosen" Zufall zugrunde liegt, dafür, diesen Gedanken als lächerlich erscheinen zu lassen. Weil man sonst keine Erklärung finde, und die Kosmologen seien froh, dass man ihre Thesen nicht nachprüfen könne.
    Doch ist dem so? Vieles mag (noch) nicht nachprüfbar sein, aber das kann sich ändern (siehe z.B. den aufkommenden Zweig der Neutrino-Astronomie), und oft kann man die Dinge zwar nicht direkt überprüfen, aber indirekt, z.B. über Betrachtungen zur Plausibilität und der Zusammenhänge. So kommen die Thesen zur Inflation des Universums nach dem Urknall oder die Postulierung der dunklen Materie ja nicht von ungefähr, und es gibt viele indirekte Hinweise. Man kann anstatt der dunklen Materie auch eine mehr oder weniger komplizierte Variabilität des Gravitationsgesetzes (Modified Newtonian Mechanics, MOND) annehmen, und vielleicht erweist sich auch das als besser als die dunkle Materie. Man muss aber immer alle zur Verfügung stehenden Beobachtungen berücksichtigen, also insbesondere aller bereits etablierten Theorien.
  • @Olaf Schlüter

    10.07.2015, Siegbert Kistler
    Das Entscheidende an der Wissenschaft und damit auch für die Kosmologie ist die - zumindest prinzipielle - Falsifizierbarkeit der Aussagen. Von daher ist die Annahme vieler Universen problematisch und erweckt in der Tat den Anschein einer Ad-hoc-Annahme, um passend zu machen, was nicht passt. Nämlich dass wir in unserem Universum eben zufällig die passenden Naturgesetze haben, die die Entwicklung unserer Existenz ermöglichte.
    Andererseits zeigt uns doch das zunehmende Aus-dem-Mittelpunkt-gestellt-Werden - also das, was auch als die menschlichen Kränkungen bezeichnet wird inklusive der Darwinschen Kränkung -, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach auch vermessen ist, unser Universum als etwas Besonderes und auf den Menschen zugeschnitten zu bezeichnen. Die Natur hat uns bisher immer gelehrt, dass wir da bescheidener sein sollten. Das heißt ja nicht, dass wir, das Universum und das Leben etwas überaus Erstaunliches sind.
    Außerdem hat auch die Quantentheorie mit Thesen begonnen, die tatsächlich vor allem verzweifelte Ad-hoc-Hypothesen waren. Max Planck hat die Quantelung mathematisch erfunden, um das Wiensche Verschiebungsgesetz und Raleigh-Jeans in Einklang bringen zu können. Einstein hat die Quantelung postuliert, um den Photoeffekt zu erklären, aber beiden ist das alles seltsam vorgekommen. Und bis heute hat die Quantentheorie ja nichts von ihrer Seltsamkeit verloren, im Gegenteil. Es geht in den Naturwissenschaften vor allem um Falsifizierbarkeit, und wenn die Modelle das erfüllen und alle unnötigen Erklärungen außen vor lassen, sind es gute Modelle, und seien sie auch noch so seltsam.
    Wenn irgendetwas anders als durch Zufall und Naturgesetze erklärt werden müsste, dann wäre das aber noch viel seltsamer, finden Sie nicht auch?
  • Keine Panik

    10.07.2015, Olaf Schlüter
    Nein, in Panik versetzt mich die Kosmologie nicht, als Physiker und von Natur aus neugieriger Mensch schaue ich mir auch immer gerne an, was denn da so an Neuem entdeckt wird. Besonders spannend zur Zeit Dunkle Materie und Energie, und wer weiss, vielleicht finden wir auf der Suche danach auch was besseres als die kosmische Inflation zur Erklärung einiger fundamentaler Eigenschaften des Kosmos.
    Ich habe nur ein paar Aspekte der Kosmologie aufgezählt, die nach meinem Dafürhalten aus der Physik heraus führen zu Aussagen, die man nicht mehr als naturwissenschaftliche Aussagen ansehen darf - Multiversen ala Andre Linde z.B. Es gibt Fragen, die die Physik nicht beantworten kann: warum haben die Naturgesetze die Form, die wir finden, warum gibt es überhaupt Naturgesetze, also warum verhält sich die Realität gesetzmäßg? Als Physiker können wir nur feststellen, dass die Natur so ist, wie sie ist. Alles andere ist keine Naturwissenschaft mehr.
  • Vegane Pandas?

    10.07.2015, matokla
    Veganismus ist eine vom Menschen geschaffene Ess-Ideologie und kein Synonym für vegetarische Ernährung.