Südamerika, 18. Grad südlicher Breite – lange Strände und zerklüftete Vorgebirge dominieren die Küste des kalten Pazifiks an der Südgrenze Perus. Im Landesinneren beginnt dort eine Sand- und Felswüste, die sich als Streifen zwischen Anden und Meer über die Grenze nach Chile fortsetzt: die Atacama.

Diese Region gilt als eine der trockensten der Welt. Nur hier und da unterbrechen grüne Streifen die Wüstenlandschaft: Täler führen Wasser aus den Anden zum Meer; in diesen Oasen leben und wirtschaften die meisten Bewohner der Region. Doch wie weit reicht die Besiedlung in das Dunkel der Vergangenheit zurück? Wie gelangten die ersten Menschen nach Südamerika?

Der klassischen Hypothese nach überquerten kleine Gruppen von Jägern aus Ostsibirien gegen Ende der letzten Eiszeit (13000-9000 v.Chr.) die Beringstraße, die damals über dem Meeresspiegel lag. Sie folgten den großen Tierherden immer weiter nach Süden. Diese ersten Amerikaner besiedelten zunächst die Great Plains Nordamerikas. Später passierten sie die Landenge von Panama in Mittelamerika und wanderten entlang der Ostflanke der Anden bis nach Patagonien und Feuerland. Etwa 10000 bis 8000 v.Chr. habe dann ein besonders scharfer Kälteeinbruch im Anden-Hochland Menschen an die wüstenhafte Küste des Pazifiks gezwungen. Dort erlernten sie das Fischen. Doch wenn die Ressourcen am Meer knapp wurden, kehrten sie vorübergehend in höher gelegene Landstriche zurück.

Knut Fladmark von der kanadischen Simon-Fraser-Universität in Burnaby postulierte hingegen schon 1979, dass die ersten Siedler auch mit Booten die Küste entlang gefahren seien. Die Vorgebirge und Inseln Nordamerikas dürften nämlich dank des Ozeans mit seinen etwas milderen Temperaturen vom Eis weitgehend verschont geblieben sein.

Etwa fünfzig Kilometer nördlich der Grenze Perus zu Chile liegt ein etwa zehn Kilometer langes, enges Tal: die Quebrada de los Burros (zu Deutsch "Tal der Esel", eine möglicherweise aus kolonialer