Ein Programm findet durch gezieltes Probieren heraus, was eine numerisch berechnete Zahl »eigentlich«
ist. Aber davon werden die Mathematiker nicht arbeitslos, im Gegenteil: Sie finden mit Hilfe des Programms
eine Fülle von Zusammenhängen, die es zu beweisen gilt.
Christoph Pöppe ist Redakteur
bei "Spektrum der Wissenschaft".
Während ich versuche, die Flächenformen
eines interessanten geometrischen
Körpers zu bestimmen, wende
ich den Strahlensatz in dieser Ebene
und den Pythagoras in einer anderen
Ebene an, löse diese oder jene Gleichung,
setze Ergebnisse in andere Gleichungen
ein … Nach einigem Herumrechnen und
Korrektur der offensichtlichsten Fehler
habe ich für die Größe, die mich interessiert,
einen höchst unansehnlichen Ausdruck
gefunden, mit Wurzeln unter Wurzeln
oder Schlimmerem. Was kann ich
damit tun?
Die von Enrico Au-Yeung durch Zufall entdeckte und später mit experimenteller Mathematik bestätigte Summenformel war spätestens seit 1980 bekannt. Leonhard Euler selbst hat 1775 ähnliche Summen berechnet. Au-Yeungs Formel findet sich in der Arbeit "On the evaluation of polylogarithmic integrals" von Raymond Gastmans und Walter Troost in der Zeitschrift "Simon Stevin", Band 55 (1981).
Die im Artikel genannten Integrale werden in der Elementarteilchenphysik schon seit Mitte der 1970-er Jahre benötigt. Ettore Remiddi (Bologna) und Mitarbeiter haben bis 1979 Integrale einer noch allgemeineren Klasse ausgerechnet. Nähere Einzelheiten finden sich in unserer Arbeit "Harmonic Sums and Mellin Transforms up to Loop-Two Order", Physical Review D60, 014018 (1999).
Auch wenn man in diesem Fall auf analytischer Seite schneller war: Schwierige Relationen wurden unter anderem von David Broadhurst (1996) in der Arbeit "On the enumeration of irreducible k-fold Euler sums and their roles in knot theory and field theory" mit PSLQ gefunden. Erst im letzten Jahr gelang Jos Vermaseren, David Broadhurst und mir mit Hilfe sehr aufwendiger analytischer Berechnungen und intensiver Verwendung von Computeralgebra der analytische Beweis.
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1. Die Summenformel von Au-Yeung ist nicht neu
02.02.2009, Johannes Blümlein, DESY ZeuthenDie im Artikel genannten Integrale werden in der Elementarteilchenphysik schon seit Mitte der 1970-er Jahre benötigt. Ettore Remiddi (Bologna) und Mitarbeiter haben bis 1979 Integrale einer noch allgemeineren Klasse ausgerechnet. Nähere Einzelheiten finden sich in unserer Arbeit "Harmonic Sums and Mellin Transforms up to Loop-Two Order", Physical Review D60, 014018 (1999).
Auch wenn man in diesem Fall auf analytischer Seite schneller war: Schwierige Relationen wurden unter anderem von David Broadhurst (1996) in der Arbeit "On the enumeration of irreducible k-fold Euler sums and their roles in knot theory and field theory" mit PSLQ gefunden. Erst im letzten Jahr gelang Jos Vermaseren, David Broadhurst und mir mit Hilfe sehr aufwendiger analytischer Berechnungen und intensiver Verwendung von Computeralgebra der analytische Beweis.