Zunächst zur Beruhigung aller Hundehalter: Lautstark jaulende Sirenen und dröhnendes Geläut bereiten dem Vierbeiner keine Schmerzen, eher im Gegenteil. Denn tatsächlich heulen Hunde gerne mit, weil sie eben nicht die Alarmübung der freiwilligen Feuerwehr oder den Ruf zum Gottesdienst hören – sondern einen anderen Hund.

Hunde haben ein deutlich empfindlicheres Gehör als Menschen und reagieren mitunter auf Töne jenseits unseres Hörbereichs: Frequenzen im Ultraschallbereich, die wir gar nicht wahrnehmen können. Wer oder was immer solche Schalldruckwellen aussendet, ist für Hunde enorm attraktiv. Die Frequenzen, die von Sirenen und Kirchenglocke ausgehen, ähneln so sehr dem natürlichen Hundegeheul, dass die Hunde mit einstimmen. "Kontaktheulen" nennt sich dieses Phänomen. Heulen wirkt bei Hunden in etwa so ansteckend wie das Gähnen bei Menschen. Dabei können nicht nur Sirenen und Kirchenglocken, sondern auch Musikinstrumente mitreißende Frequenzen erzeugen. Geige, Trompete und Mundharmonika begleiten Hunde besonders gern. Mancher Vierbeiner stimmt lieber bei Posaune oder Klavier mit ein.

Was will ein Hund sagen, wenn er heult?

Beim Hund ist Heulen natürlich nicht gleich Heulen. Die Lautsprache (also Bellen, Winseln, Knurren – und Heulen) haben Haushunde von ihren Ahnen, den Wölfen, geerbt. Und wie bei ihren Vorfahren ist die Bedeutung des Geheuls je nach Situation unterschiedlich. Eindeutig falsch liegt also, wer sagt: "Ihr Hund kann überhaupt nicht sprechen!", wie etwa der Interviewpartner von Herrn Dr. Sommer und Bello im legendären Loriot-Zeichentrickfilm "Der sprechende Hund". Hier wurde und wurde das Tier trotz diverser Kostproben seines Könnens nicht verstanden – und kommentiert das sich entwickelnde hitzige Wortgefecht zwischen Moderator und Herrchen mit nachvollziehbarem Geheul.

Hundebesitzer, die mehrere Hunde halten, kommen übrigens häufig in den Genuss des so genannten "Chorheulens". Hier hat das Heulen gleich zwei Bedeutungen. Nach dem Motto "Heult einer, heulen alle" stärkt es den sozialen Zusammenhalt. Wer mitheult, gehört zum Rudel. Gleichzeitig markieren die Vierbeiner mit dem Geheul akustisch ihr Territorium, indem sie signalisieren: Fremde haben in unserem Revier nichts zu suchen.

Je nach Anlass heulen Hunde nicht nur im Chor, sondern auch allein. Rüden, die eine läufige Hündin erschnuppert haben, wollen mit Geheul auf sich aufmerksam machen und bringen ihrer Angebeteten jaulend ein Ständchen. Wenn Herrchen oder Frauchen weg sind, fühlt sich das Rudeltier Hund dagegen unangenehm allein: Ihm ist dann – nicht dafür gemacht, einsam zu sein – zum Heulen zu Mute. Der jaulende Ruf nach ihren Rudelmitgliedern gilt dann auch dem Zweibeiner. Alleinsein muss Hunden antrainiert werden. Übermäßiges Heulen kann auch ein Hinweis auf Trennungsangst sein: Womöglich ist etwas bei der Erziehung schiefgelaufen, oder aber es handelt sich in diesem Fall um ein besonders sensibles Exemplar. Aufhorchen sollte man bei einem Hund, der auffällig untypisch außer der Reihe heult: Hier lohnt sich, um Schmerzen auf Grund einer Erkrankung auszuschließen, wohl der Besuch beim Tierarzt.

Manche Hunderassen heulen übrigens mehr als andere. Wer gerne musiziert oder neben einer Feuerwache oder Kirche wohnt und sich einen Hund zulegen möchte, sollte von Dackel, Beagle, American und English Foxhounds, Basset Hounds, Huskies, Alaskan Malamutes, Bloodhounds und Tamaskans absehen. Warum? Vermutlich schlagen bei diesen Hunderassen die Wolfsgene stärker durch als bei anderen. Hundebesitzern, die das Heulen nicht stört und die tolerante Nachbarn haben, sei gesagt: Heulen Sie ruhig mit, damit stärken Sie die Bindung zu Ihrem Vierbeiner.