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Familie

Babysprache klingt bei allen Müttern gleich

Als "Baby Talk" oder Babysprache bezeichnen Forscher die typische Art und Weise, wie Menschen mit einem Baby oder Kleinkind reden. Meist sprechen sie in einer höheren Stimmlage, langsamer, mit längeren Pausen und artikulieren Vokale überdeutlich. Ein Team um Elise Piazza vom Princeton Neuroscience Institute in den USA entdeckte nun, dass sich auch die Klangfarbe, das Timbre der Stimme, ganz subtil verändert, wenn Mütter mit ihrem Nachwuchs sprechen. Diese Veränderung scheint zur Überraschung der Forscher bei allen Müttern auf der Welt ähnlich zu sein – ganz unabhängig davon, welche Sprache sie sprechen.

Piazza und ihre Kollegen spürten diesen akustischen Fingerabdruck des Baby Talk zunächst an zwölf englischsprachigen Müttern auf. Anschließend wiederhol­ten sie das Experiment mit zwölf Sprecherinnen von neun weiteren Sprachen, darunter Deutsch, Hebräisch, Russisch sowie Mandarin, und stellten dieselbe Veränderung in der Stimmfarbe fest, die menschliche Zuhörer allerdings kaum einordnen können. Ein Computer, den sie darauf trainierten, den Unterschied bei den englischsprachigen Müttern zu erkennen, konnte ohne weiteres Training auch bei anderssprachigen Probandinnen unterscheiden, ob diese gerade mit ihrem Kind oder einem Erwachsenen kommunizierten. Für die Wissenschaftler ist dies ein starker Hinweis darauf, dass die Mütter universell gültigen und damit angeborenen Mustern folgten.

Worin diese Muster genau bestehen, ist jedoch weniger offensichtlich. Die Klangfarbe entsteht nicht durch ein einziges Merkmal, sondern aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren, die gemeinsam den individuellen Stimmklang ausmachen. Entscheidend sind hier nicht einzelne Frequenzen; wichtiger ist die Gesamtform des Spektrums, die sich dann mehr oder weniger genau mit alltäglichen Beschreibungen wie "heiser", "glatt", "volltönend" oder "piepsig" in Verbindung bringen lässt. Körperbau, der Stimmapparat, die emotionale Lage und auch die kommunikative Absicht beeinflussen den individuellen Stimmklang ebenfalls.

1/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 1/2018

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  • Quelle
Curr. Biol. 27, S. 3162–3167, 2017