Liebe Leserin, lieber Leser,

sie sind klein, unscheinbar und bewegen sich im Dunstkreis der Großen, von deren Strahlkraft sie in den Schatten gestellt werden. Entsprechend wurden sie erst spät entdeckt, und auch dann lange Zeit kaum beachtet. Die Rede ist von den Zwerggalaxien, die im Vergleich zu den großen Welteninseln wie unserem Milchstraßensystem oder der Andromedagalaxie nur Winzlinge sind – sie enthalten vielleicht nur ein Prozent des Sterneninventars einer großen Galaxie.

Inzwischen haben die Astronomen aber erkannt, welche wichtige Rolle Zwerggalaxien für das Verständnis der Galaxienentwicklung spielen. Allein in der Umgebung unserer Milchstraße kennen wir heute 26 solcher Begleitgalaxien. Diese sind, wie unsere Autorin Eva Grebel von der Universität Heidelberg ab S. 28 beschreibt, äußerst interessante Studienobjekte: Sie helfen uns zu verstehen, wie der Prozess der Sternentstehung in Galaxien abläuft, die im Vergleich zu unserer Milchstraße eine viel geringere Masse und einen weit geringeren Anteil schwerer Elemente haben. Zudem sind von allen Objekten, die wir kennen, gerade die Zwerggalaxien mit der geringsten Helligkeit am stärksten von der rätselhaften Dunklen Materie do- miniert. Von der Untersuchung dieser leuchtschwachen Sternsysteme erhoffen sich die Astrophysiker deshalb Erkenntnisse über die noch unverstandene Natur der Dunklen Materie.

Interessanterweise stützen damit die unauffälligsten Zwerggalaxien die Vorstellung, dass große Galaxien entstehen, indem viele kleinere Sternsysteme allmählich miteinander verschmelzen. Demnach wären die Zwerggalaxien, die wir heute sehen, die fossilen Überreste solcher Prozesse. Aus ihrem Studium lernen die Astronomen also mehr über die Bausteine massereicherer Galaxien.

Herzlichst grüßt Ihr

Uwe Reichert