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Spieltheorie

Verkuppeln auf Mathematisch

Kombinatorische Optimierung verhilft vielleicht nicht zu ewigem Eheglück, aber doch zu einer geringeren Scheidungsrate.
Roland und Christine

Meine Großmutter ist eine kluge und überaus liebenswerte Frau; aber meine Tante Kunigunde … ach du liebe Güte! Sie saß schon da, als ich der Großmutter meinen Sonntagsbesuch abstattete, verbreitete ausgiebig den Dorfklatsch und kam alsbald auf ihr Lieblingsthema: wer denn wohl demnächst wen heiraten würde. Dazu hatte sie stets sehr dezidierte Meinungen, die sie jedem verkündete, der sie hören wollte oder auch nicht. Aber diesmal war sie in echter Verlegenheit.

"Die kleine Tanja Baumann, du weißt schon, die Dunkelhaarige mit der extravaganten Brille: Stefan Pawlitzki hat es auf sie abgesehen! Und du wirst es nicht glauben, aber Roland Schumacher, der Sohn vom Fischhändler aus der Rathausgasse, der fährt auch auf sie ab. Die Kleine ist ja so was von niedlich! Aber sie steht mehr auf unseren kleinen Martin. Und der hat nur Augen für Kathrin Huber. Ach, es ist schrecklich kompliziert!"

Die Tante begrüßte mich flüchtig, nur um ohne Pause weiterzureden. Am liebsten hätte sie das ganze Dorf verkuppelt, aber jedes ihrer Arrangements hätte so viele gebrochene Herzen hinterlassen, dass sie auf der Stelle ein weiteres austüftelte – das dann nicht weniger Seelenschmerz erzeugt hätte.

Irgendwann hielt ich das Geschratel nicht mehr aus: "Teure Tante, deine Lebenserfahrung in allen Ehren, und wir wissen, dass es in Liebesdingen unvereinbare Präferenzen gibt; aber versuch doch, das Problem mathematisch anzugehen. So können wir das ganze Dorf unter die Haube bringen." …

Dezember 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Dezember 2012

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