In den letzten 40 Jahren hat sich der Effekt des Alters der Mutter auf die Kindesintelligenz praktisch umgekehrt. Zu diesem Schluss kommt ein Team von der London School of Economics and Political Science und dem Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock anhand von drei Längsschnittstudien an britischen Kindern. Demnach haben Kinder von Müttern, die bei der Geburt älter als 35 Jahre waren, heutzutage höhere geistige Fähigkeiten als Kinder jüngerer Mütter. Vor 40 Jahren war das noch andersherum. Der Effekt hat weder biologische noch medizinische Ursachen: Gleicht man Faktoren wie Bildung und Einkommen zwischen den Altersgruppen an, verschwindet der Unterschied.

Seit den 1980er Jahren gibt es in fast allen Industrieländern einen Trend hin zu älteren Müttern – doch bisher war unklar, wie sich das auf die Gesundheit der Kinder auswirkt. Frühere Studien hatten Hinweise darauf gegeben, dass Kinder älterer Mütter möglicherweise kognitive Nachteile zu fürchten hätten. Das Team um Alice Goisis verglich für ihre Untersuchung Kinder der Jahrgänge 1958, 1970 und 2000 bis 2002 in ihren geistigen Fähigkeiten im Alter von etwa zehn Jahren.

Die Ergebnisse deuten nun darauf hin, dass dieser Effekt nicht nur auf soziale Faktoren zurückging, sondern sich seither auch umkehrte. Nach Ansicht der Arbeitsgruppe gibt es dafür zwei Gründe: Ältere Frauen hätten heutzutage ein höheres Einkommen, feste Jobs und ein stabileres Umfeld, wovon auch die Kinder profitierten. Zudem waren Kinder älterer Mütter früher meist die jüngeren von mehreren Geschwistern, während sie heute oft Erstgeborene sind. Familien mit mehr Kindern sind in der Regel ärmer, was sich auf die geistige Entwicklung auswirkt.