Die unbewusste Wahrnehmung von erotischen Bildern kann geschlechtsspezifisch und abhängig von der sexuellen Orientierung Aufmerksamkeit erregen, stellten Wissenschaftler um Sheng He von der Universität von Minnesota fest. Heterosexuelle Männer und Frauen erkannten ein kurz gezeigtes Objekt besser, wenn ein unsichtbares, erotisches Foto des anderen Geschlechts vorher ihre Blickrichtung auf die entsprechende Stelle lenkte.

Zehn heterosexuelle Frauen und Männer sollten jeweils 32 Mal die Orientierung eines schwer zu erkennenden, nur sehr kurz gezeigten Objekts angeben. Dieses erschien entweder rechts oder links eines Kreuzes, welches die Freiwilligen fokussieren sollten. Erschien direkt vorher an derselben Stelle ein unsichtbares, erotisches Frauenfoto, machten heterosexuelle Männer weniger Fehler beim Test – erschien ein Männerfoto, jedoch mehr.

Auch bei heterosexuellen Frauen verbesserte sich das Ergebnis, nachdem ihre Aufmerksamkeit von nackten Adoniskörpern eingefangen worden war – allerdings nicht so stark wie bei Männern. Zudem wirkten sich Bilder von unbekleideten Frauenkörpern nicht negativ aus, sondern gar nicht. Homosexuelle Männer schnitten sehr ähnlich wie die heterosexuellen Frauen ab. Homo- oder bisexuelle Frauen lagen mit ihren Ergebnissen zwischen denen der heterosexuellen Frauen und Männer.

Um die erotischen Bilder dem Unbewussten, aber nicht dem Bewusstsein zugänglich zu machen, nutzen die Wissenschaftler das Phänomen der interokularen Suppression. Dazu zeigten sie auf dem einen Auge links und rechts vom Kreuz 800 Millisekunden lang Bilder mit völlig zufälligem, dynamischem Rauschen. Auf dem anderen Auge sahen die Probanden auf einer Seite vom Kreuz das Bild und auf der anderen Seite eine völlig verrauschte, aber statische Version davon. In der primären Sehrinde, wo die Integration stattfindet und sich die Teilbilder beider Augen zu einem Gesamtbild zusammensetzen, führt das zu einem Konflikt: Da sich das Rauschen nicht mit den Bildern vereinbaren lässt, werden diese unterdrückt. So dringt nur das Rauschen ins Bewusstsein vor.

Wie die Wissenschaftler vermuten, spielt die Amygdala, auch Mandelkern genannt, bei dieser unterschwelligen Wahrnehmung im Gehirn eine Rolle. Erstens verarbeitet sie Emotionen, wie sie durch erotische Bilder ausgelöst werden, und zweitens wurde schon vorher gezeigt, dass sie durch unterschwellige emotionale Stimuli angeregt werden kann.