Um 17 Uhr und 30 Minuten deutscher Zeit landete gestern die US-Raumkapsel Orion nahe der kalifornischen Küste im Pazifik – nach zwei Umkreisungen der Erde, die sie durch die harte Strahlung der Van-Allen-Gürtel führte, und einem Wiedereintritt mit 32 000 Stundenkilometern.

Als größtes Problem allerdings erwiesen sich nicht die harschen Bedingungen dieses ersten Testfluges, sondern profanere Probleme. Wetter, ein Boot, das in die Sicherheitszone eindrang, und schlussendlich ein kaputtes Ventil vereitelten den ersten Startversuch am Donnerstag. Erst am gestrigen Freitag dann lief alles glatt.

As it happened: Unseren minutengenauen Live-Bericht von beiden Startversuchen finden Sie am Ende des Artikels.

Nach langer Pause testet die NASA wieder ein neues Raumschiff für den bemannten Einsatz im All, die Raumkapsel Orion. Sie wurde nun erstmals bei einem Raumflug auf Herz und Nieren erprobt. Allerdings flog sie unbemannt, denn Orion befindet sich noch immer in der Entwicklung. Statt einer Crew beförderte die Raumkapsel mehr als 1200 Sensoren, die technische Daten des Flugverlaufs aufzeichneten.

Die Testversion der Orion-Raumkapsel im Erdorbit (Computergrafik)
© NASA
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernDie Testversion der Orion-Raumkapsel im Erdorbit
Zusammen mit der zweiten Stufe der Trägerrakete Delta-IV Heavy wird die Orion-Raumkapsel in die Erdumlaufbahn befördert. Bei dem viereinhalbstündigen unbemannten Testflug wird die Raumkapsel auf Herz und Nieren überprüft.

Als Startvehikel diente die Trägerrakete Delta-IV Heavy, die sonst für den Transport schwergewichtiger und hochgeheimer US-Aufklärungssatelliten eingesetzt wird. Nach dem Start brachte die Trägerrakete die Raumkapsel zunächst auf eine elliptische Bahn in 185 mal 888 Kilometer Höhe. Dabei blieb Orion mit der zweiten Stufe der Trägerrakete verbunden. Diese brachte die Raumkapsel nach dem ersten Orbit auf eine noch höhere Bahn, auf der sie wie geplant ihre maximale Bahnhöhe von 5800 Kilometern erreichte.

Das Flugmanöver diente dazu, Orion, die unter anderem für Flüge zum Mond und darüber hinaus gedacht ist, auf eine höhere Geschwindigkeit für den Atmosphäreneintritt zu bringen. Erst dieser setzte den Hitzeschild realistischen Bedingungen ähnlich einem Mondflug aus. Orion trafmit rund 32 000 Kilometer pro Stunde (8,9 Kilometer pro Sekunde) auf die irdische Lufthülle. Dabei erzeugte sie ein über 2000 Grad Celsius heißes Plasmafeld um sich herum, bevor sich die drei Bremsfallschirme öffneten und Orion planmäßig rund 450 Kilometer vor der Küste der kalifornischen Halbinsel im Pazifik wasserte. Eine unbewaffnete Predator-Drohne spürte die stabil im Wasser liegende Kapsel auf. Für die Bergung wurde ein spezielles Schiff entwickelt, das die Raumkapsel später mitsamt Besatzung aufnehmen kann.

Bei diesem Flug war Orion noch nicht mit einem funktionsfähigen Service-Modul ausgestattet, das die Raumkapsel sonst unter anderem mit Energie, Antrieb und Atemluft für die Astronauten versorgt. Der Grund: Es gibt noch kein Service-Modul. Es wird derzeit in Europa auf Basis des Service-Moduls der automatischen Raumfrachter ATV entwickelt, der nach nur fünf Flügen zur Versorgung der Internationalen Raumstation ISS leider eingestellt wird.

Für unsere älteren Leser dürften die Bilder dieses Testflugs viele Erinnerungen an die Zeit der Apollo-Mondflüge vor mehr als 40 Jahren wachrufen. In der Tat ist Orion der Apollo-Raumkapsel in der äußeren Form sehr ähnlich, allerdings größer. Im Inneren ist Orion natürlich sehr viel moderner ausgestattet. Für das Jahr 2018 plant die NASA einen weiteren unbemannten Testflug, diesmal soll die Raumkapsel den Mond umfliegen. Als Träger dient die derzeit in der Entwicklung befindliche Schwerlastrakete SLS (Space Launch System), eine Rakete in der Leistungsklasse der Saturn-5, welche die Apollo-Astronauten zum Mond beförderte. Erst danach wagt sich die NASA an einen bemannten Testflug zum Mond heran, der im Zeitraum zwischen 2019 und 2022 über die Bühne gehen soll.

Der Orion-Start im Live-Ticker

Update 36, 13:30 Uhr MEZ: Orions Start ist geglückt und die Kapsel nähert sich ihrem vorläufigen Orbit. Alle Systeme am Boden und in der Kapsel funktionieren laut NASA einwandfrei. Die Kapsel wird die Erde zwei mal umkreisen, einmal auf der niedrigen Parkbahn, nach Zündung der Oberstufe dann auf einem 6000 Kilometer höheren Orbit, bevor sie nahe der Kalifornischen Küste im Pazifik wassern wird.

Update 35, 13:23 Uhr MEZ: Brennschluss der zweiten Stufe.

Update 34, 13:12 Uhr MEZ: Und sie ist nicht wieder runtergefallen. Booster und erste Stufe sind planmäßig abgebrannt, die zweite Stufe hat gezündet und die Hülle des Service-Moduls ist abgeworfen. Orion fliegt fast direkt nach Osten.

Update 33, 13:05 Uhr MEZ: LIFTOFF!

Update 32, 13:04 Uhr MEZ: "All systems are go."

Update 31, 13:01 Uhr MEZ: Der Countdown wird bei T-4 Minuten wieder aufgenommen. Keine Boote in Sicht.

Update 30, 12:58 Uhr MEZ: Orion ist soeben von der externen Stromversorgung abgekoppelt worden und wird jetzt von den eigenen Batterien versorgt.

Update 29, 12:54 Uhr MEZ: Noch zehn Minuten bis zum Start.

Update 28, 12:49 Uhr MEZ: NASA meldet: Keine Probleme sind während der Unterbrechung aufgefallen – der Ventilfehler von gestern, auf den die Ingenieure besonders achten, scheint behoben. "All positions are reporting go".

Update 27, 12:46 Uhr MEZ: Der Countdown wird jetzt planmäßig bei T-4 Minuten für eine Weile unterbrochen.

Update 26, 12:40 Uhr MEZ: Rechtzeitig zum Startfenster ist das Wetter aufgeklart und Orion hat das Go für den Start.

Update 25, 12:23 Uhr MEZ: Die NASA überträgt jetzt live vom bevorstehenden Start. Außerdem können Sie, um sich die Wartezeit zum Liftoff zu verkürzen, hier ein ausführliches Erklär-Video über die Orion-Kapsel sehen.

Update 24, 11:34 Uhr MEZ: Der Wind aus Nordost bläst mit bis zu 4 Bft – das könnte ein Problem darstellen.

Update 23, 11:15 Uhr MEZ: Derzeit ist das Wetter noch zu schlecht für den Start, in etwa einer Stunde soll es allerdings aufklaren.

Update 22, 10:14 Uhr MEZ: Flüssiger Sauerstoff wird in die drei Hauptbooster der der Delta-IV Heavy gepumpt.

Update 21, 09:14 Uhr MEZ: Zweiter Tag, zweiter Versuch. Go für's Betanken der Rakete – die Ventile scheinen zu funktionieren. Dafür allerdings scheint das Wetter bisher nur unwillig mitzuspielen. Die Chancen auf gute Bedingungen stehen etwa 40 Prozent: Es drohen Cumuluswolken, Wind und Regen.

Update 20, 15:36 Uhr MEZ: Der Start von Orion ist für heute endgültig abgebrochen, der nächste Startversuch erfolgt am 5. Dezember 2014 um 13:05 Uhr MEZ. Dies beschließt unsere Berichterstattung für heute.

Update 19, 15:28 Uhr MEZ: Letzter Versuch für heute, die Startzeit wurde auf 15:44 Uhr MEZ festgelegt.

Update 18, 14:52 Uhr MEZ: Noch keine neue Startzeit, der Test von Treibstoff-Ventilen in der ersten Stufe der Delta-IV Heavy war aber erfolgreich.

Update 17, 14:22 Uhr MEZ: Wieder Startabbruch – Details folgen. Offenbar hat sich ein Ventil in der ersten Stufe nicht geschlossen.

Update 16, 14:20 Uhr MEZ: Der Countdown läuft wieder.

Update 15, 14:16 Uhr MEZ: Neue Startzeit 14:26 Uhr MEZ, das Wetter scheint mitzuspielen.

Update 14, 14:00 Uhr MEZ: Wieder beginnt das Warten auf eine neue Startzeit, das Startfenster schließt sich heute um 15:44 Uhr MEZ.

Update 13, 13:55 Uhr MEZ: Schon wieder verhindert das Wetter den Start.

Update 12, 13:51 Uhr MEZ: Der finale Vier-Minuten-Countdown hat begonnen.

Update 11, 13:50 Uhr MEZ: We are go, Startdirektor gibt Erlaubnis zum Start.

Update 10, 13:45 Uhr MEZ: Neue Startzeit 13:55 Uhr MEZ.

Update 9, 13:30 Uhr MEZ: Derzeit herrschen zu starke Bodenwinde, die Rakete bleibt aber startbereit. Das Startfenster schließt sich heute um 16:44 Uhr MEZ.

Update 8, 13:19 Uhr MEZ: Die Flugkontrolleure der NASA sind dabei, eine neue Startzeit zu bestimmen. Bisher gibt es keine technischen Probeme, die den Start heute verhindern könnten.

Update 7, 13:15 Uhr MEZ: Bodenwinde erzwingen Startabbruch, Start heute aber immer noch möglich.

Update 6, 13:12 Uhr MEZ: Startabbruch – Details folgen

Update 5, 13:05 Uhr MEZ: Neue Startzeit ist 13:17 Uhr MEZ.

Update 4, 13:00 Uhr MEZ: Ein Boot ist in die gesperrte Zone um Cape Canaveral eingedrungen, der Start ist verschoben. Das Startfenster dauert 2 Stunden und 40 Minuten, ein neue Startzeit wurde noch nicht genannt.

Update 3, 12:55 Uhr MEZ: Es sind noch zehn Minuten, alles ist go!

Update 2, 12:40 Uhr MEZ: Weiterhin steht alles auf grün für Orion, auch das Wetter scheint mitzuspielen. Derzeit gibt es keine Hinweise auf technische Schwierigkeiten. Der Start ist für 13:05 Uhr MEZ vorgesehen.

Update 1, 4. 12. 2014, 6:30 Uhr MEZ: Derzeit ist alles "Go for launch" für den ersten Testflug der neuen US-Raumkapsel Orion. Die Wettervorhersage geht von einer 70-prozentigen Chance für gutes Wetter im Startzeitraum aus, der um 13:05 Uhr MEZ beginnt. Das Startfenster ist für 2 Stunden und 40 Minuten offen, sonst kann an den Folgetagen zu ungefähr gleicher Zeit gestartet werden. Aktuelle Informationen zum Status des Teststarts finden Sie auf dem Orion-Blog der NASA. Der Start wird live auf NASA-TV im Internet übertragen.