Der Mond nimmt Anfang Juli wieder zu, bis am 8. des Monats der Vollmond erreicht ist. Durch den hellen Mond und die kurzen Nächte wird besonders die Beobachtung lichtschwächerer Himmelsobjekte erschwert.

Übersicht der Sommersternbilder
© Tobias Häusler / Stellarium
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Im Juli lassen sich die Sommersternbilder gut beobachten, der Mond und die Planeten Saturn und Jupiter markieren die Ekliptik, die Hauptebene unseres Sonnensystems am Himmel.

Zum Einbruch der Nacht leuchtet über dem Westhorizont unübersehbar Jupiter im Sternbild Jungfrau. Etwas höher befindet sich der Stern Arktur im Bärenhüter. Das Sternbild erinnert ein wenig an eine Eistüte, wobei Arktur die untere Spitze bildet. Links neben dem Bärenhüter trifft man auf die Nördliche Krone mit dem Stern Gemma als Edelstein in der Mitte. Fast schon im Zenit ist das vertraute Trapez des Herkules zu erkennen. Er beherbergt sozusagen unter der rechten Schulter den bekannten Kugelsternhaufen Messier 13. Links von ihm zeigt sich die helle Wega im Sternbild Leier. Südlich des Herkules liegt der Schlangenträger mit den eigenständigen Sternbildern "Kopf der Schlange" südlich der Krone und "Schwanz der Schlange" mitten in der Milchstraße. Am Südhorizont treffen wir auf die obere Hälfte des Sternbilds Skorpion mit dem hellen rötlichen Stern Antares. Die untere Hälfte mit Schwanz und Stachel liegt in unseren Breiten immer unter dem Horizont und ist deshalb nie zu sehen. Gleich daneben ist der Schütze zu finden. Die Anordnung seiner hellsten Sterne erinnert ein wenig an den Umriss einer Teekanne.

Der Ringplanet Saturn bei voller Ringöffnung
© Herbert Wallner
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Am 6. Juni 2017 konnte Herbert Wallner den Ringplaneten Saturn mit maximal geöffnetem Ringsystem aufnehmen. Sehr deutlich tritt die Bänderung der Planetenatmosphäre hervor. Herbert Wallner nutzte ein Zehn-Zoll-Newton-Teleskop und eine Kamera des Typs QHYSL-II.

Zwischen Schütze, Skorpion und Schlangenträger hält sich zurzeit der Ringplanet Saturn auf. Er kommt dieses Jahr nicht besonders hoch über den Horizont, da die Ekliptik im Sommer sehr tief am Himmel steht. Trotzdem ist es ein sehr guter Zeitpunkt, um Saturn zu beobachten. Er befindet sich nahe seiner Opposition, dem Punkt, an dem Sonne, Erde und Saturn auf einer Linie liegen, und seine Ringe sind maximal geöffnet. Das bedeutet, wir schauen mit dem größtmöglichen Winkel auf die Ringebene und sehen sie besonders schön und deutlich. Im Lauf der Jahre verschwinden sie auch für einige Wochen, nämlich dann, wenn wir genau auf die Ringkante schauen. Das passiert in einem Rhythmus von rund 15 Jahren. Die nächste Kantenstellung wird im Jahr 2024 durchlaufen. Zufälligerweise befindet sich Saturn im Moment auch ganz in der Nähe der Stelle am Himmel, in dessen Richtung das Zentrum der Milchstraße liegt. Gerade einmal 35 000 Lichtjahre entfernt.

Die Sommermilchstraße im Weitwinkelbild
© Robert Hilgendorf
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Auf dieser Aufnahme der Sommermilchstraße von Robert Hilgendorf lässt sich in der linken oberen Bildecke deutlich die Schildwolke erkennen, die sich im gleichnamigen Sternbild befindet. Hier blicken wir auf einen Teil unseres Milchstraßensystems, in dem sich keine vorgelagerten Staubwolken befinden, die das Licht der dahinter befindlichen Sterne abschwächen können. Der helle "Stern" in der Bildmitte ist der Ringplanet Saturn.

Weiter die Milchstraße entlang trifft man auf das Sternbild Schild. Ein kleines Sternbild mit sehr leuchtschwachen Hauptsternen, das vor allem durch einen hellen Bereich in der Milchstraße bekannt ist. Hier verdecken keine Staubwolken den Blick auf die unzähligen Sterne unserer Heimatgalaxie, so dass der Bereich als heller Fleck erscheint – die so genannte Schildwolke. Weiter auf der Tour begegnet uns zuerst der Adler mit dem hellen Stern Atair; dann treffen wir auf den Schwan, der von den kleinen Sternbildern Leier und Pfeil flankiert wird. Beide beherbergen schöne helle Planetarische Nebel, die man trotz des störenden Mondlichts noch gut sehen kann. Das unscheinbare Sternbild Füchslein fällt dabei zwischen Schwan und Pfeil nicht besonders auf.

Die Internationale Raumstation ISS zieht über den Himmel
© Ulrich C. Beinert
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Eine Satellitenspur der Internationalen Raumstation ISS am Himmel, die Lücken in der Spur kommen durch die Addition mehrerer Bilder zustande. Das Bild nahm Ulrich C. Beinert im April 2016 in Rosbach auf, der helle Fleck ist der Mond.

Die im Juli nicht allzu tief stehende Sonne hat einen Vor- und gleichzeitig einen Nachteil: Durch sie kann man in diesen kurzen Nächten besonders gut Satelliten beobachten. Was für Astrofotografen der schlimmste Albtraum ist, ist für den interessierten Beobachter höchst spannend und eindrucksvoll. Insbesondere die Internationale Raumstation ISS zeigt sich spektakulär am Himmel, wenn sie gerade vorbeifliegt. Aber auch sehr viele kleinere Satelliten lassen sich als bewegliche Lichtpunkte erkennen.

Grundsätzlich sehen sie aus wie Sterne, die mit gleichmäßiger Geschwindigkeit über den Himmel ziehen und dabei langsam heller oder schwächer werden. Man kann sie auch einfach von Flugzeugen unterscheiden, da Satelliten die Sonne reflektieren und in der Regel nicht blinken. Die gelegentlich zu beobachtenden so genannten Iridium-Flares sind eine spektakuläre Himmelserscheinung, die von den namensgebenden Satelliten verursacht wird. Ihre Solarzellenausleger stehen gelegentlich vom Boden aus betrachtet in Reflexionsstellung zur Sonne, so dass sie für wenige Sekunden extrem hell aufblitzen können und dabei manchmal sogar die Venus an Helligkeit übertreffen. Die Iridium-Satelliten werden derzeit gegen eine neuere Version ausgetauscht, die keine Flares mehr produzieren. Schauen Sie sich das Spektakel also auf jeden Fall noch mal an, bevor es vom Himmel verschwindet. Vorhersagen für die Überflüge der ISS, Iridium-Flares oder andere Satelliten gibt es für Ihren Standort bei www.heavens-above.com oder mit diversen Smartphone-Apps, bei denen man sich sogar alarmieren lassen kann, wenn ein Ereignis bevorsteht.