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Weltraumprojekt WFIRST

Dunkle-Energie-Teleskop vor dem Aus?

Das Weiße Haus hat den NASA-Budgetentwurf für das Jahr 2019 vorgestellt. Darin schlägt die Trump-Administration vor, das Weltraumteleskop WFIRST ersatzlos zu streichen. Es hat derzeit mit großen Kostensteigerungen zu kämpfen.
Das Weltraumteleskop WFIRST (Computergrafik)

Schlechte Nachrichten für die Freunde des Wide Field Infrared Survey Telescope oder WFIRST: In seinem Budgetentwurf für das Finanzjahr 2019 schlägt das Weiße Haus vor, das Projekt ersatzlos zu streichen. WFIRST ist ein Teleskop zur Durchmusterung des Himmels im Infraroten und soll den Himmel vor allem nach Exoplaneten um fremde Sterne absuchen. Sein Start war für die Mitte der 2020er Jahre vorgesehen. Allerdings wird das Projekt WFIRST wie bislang alle Weltraumteleskope der NASA von heftigen Kostenüberschreitungen geplagt. Im letzten Jahr stiegen die Gesamtkosten nach einer unabhängigen Kostenabschätzung auf rund drei Milliarden US-Dollar an. Daher möchte das Weiße Haus das Projekt nun abwickeln.

WFIRST hat eine besondere Entstehungsgeschichte: Es verwendet eine Optik, die ursprünglich für die US-Spionagesatelliten der Serie Keyhole-11 entwickelt wurde, die bis etwa Mitte der 1990er Jahre im Einsatz war. Im Jahr 2011 bot das National Reconnaissance Office (NRO), das die Aufklärungsaktivitäten des US-Militärs und der Geheimdienste koordiniert und leitet, der NASA zwei übrig gebliebene Optiken aus dieser Serie zum Einsatz als Weltraumteleskope an.

Das NRO stellte jeweils die tragende Struktur und die Haupt- sowie Sekundärspiegel zur Verfügung. Die Hauptspiegel haben einen Durchmesser von 2,4 Metern. Ihr Design lehnt sich eng an die Optik des Weltraumteleskops Hubble an, weist jedoch eine deutliche niedrigere Brennweite auf. Somit hat das Teleskop ein rund 100-mal größeres Blickfeld als Hubble; es als Durchmusterungsinstrument einzusetzen, bot sich also an. WFIRST soll mit zwei wissenschaftlichen Instrumenten ausgerüstet werden, einem Koronografen und einer Weitfeldkamera. Der Koronograf blendet bei Sternen, in deren Umfeld vermutlich extrasolare Planeten existieren, das helle Licht aus, so dass die schwach leuchtenden Welten direkt beobachtet und spektroskopisch untersucht werden können. Daneben erhoffen sich Astrophysiker von dem Teleskop wichtige Einsichten in das Wesen der rätselhaften Dunklen Energie, die den Kosmos immer schneller auseinandertreibt – für Kosmologen sind die Pläne der Trump-Administration also ein empfindlicher Rückschlag.

Neben WFIRST soll auch das Office of Education der NASA Opfer der Streichungen werden, das Mittel für Bildung, Wissenschaft und Lehrzwecke zur Verfügung stellt und zuletzt über ein Budget von rund 100 Millionen US-Dollar verfügte. Insgesamt gesehen erhält die NASA mit einer Gesamtsumme von 19,6 Milliarden US-Dollar mehr Geld als in den Jahren zuvor, insbesondere die Planetenforschung und die bemannte Raumfahrt profitieren von der Budgetsteigerung. Allerdings steckt noch mehr Sprengstoff im Budgetvorschlag des Weißen Hauses: Demnach soll die Finanzierung der Internationalen Raumstation ISS nach 2024 von staatlicher Seite eingestellt werden und der Weiterbetrieb privaten Investoren aus der Raumfahrtbranche übertragen werden. Dies dürfte für erheblichen Ärger mit den internationalen Partnern der ISS wie der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA, Kanada und vor allem Russland führen, die fest mit einem Weiterbetrieb bis 2028 gerechnet haben. Final ist der Kurs des Weißen Hauses aber noch nicht: Der Entwurf des NASA-Budgets ist bislang nur ein Vorschlag. Die beiden Häuser des US-Kongresses werden dabei noch so manches Wort mitzureden haben, so dass das dann endgültig beschlossene Budget wahrscheinlich deutlich anders ausfällt als vom Weißen Haus gewünscht.

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