Wie ökonomisch eigentlich sinnvolle Entscheidungen der Gesellschaft auf subtile Weise schaden, berichtet James Laurence von der University of Manchester in einer aktuellen Veröffentlichung. Demnach lässt der Verlust des Arbeitsplatzes das Vertrauen der Betroffenen in den Rest der Welt dauerhaft sinken – für bis zu ein Jahrzehnt. Der Effekt ist laut Laurence unabhängig von den genauen Umständen der Entlassung oder auch davon, ob man recht bald wieder Arbeit findet. Die Daten stammen aus der Great Britain National Child Development Study, bei der die Probanden ausführlich von Forschern interviewt wurden und einen Fragebogen ausfüllen mussten. Potenziell ungleich verteilte Störfaktoren wie körperliche und geistige Gesundheit können nach Angaben des Forschers für das Ergebnis nicht verantwortlich sein.

Zu seiner Schlussfolgerung kommt Laurence auf der Basis der Daten von 6840 Individuen, die 1991 im Alter von 33 Jahren und 2008 dann im Alter von 50 Jahren befragt wurden. Normalerweise bleibt die Neigung, anderen Menschen zu vertrauen, im Lauf des Lebens einigermaßen konstant. Unter jenen, die in den 17 Jahren dazwischen ihre Arbeit verloren hatten, sank sie jedoch. Besonders stark betroffen waren diejenigen, die sich stark über ihre Arbeit definieren. Laurence verweist auf den Umstand, dass in der Rezession nach 2008 sehr viele Menschen ihre Arbeit verloren haben – mithin vermutet er, dass auch Misstrauen und Zynismus in der Folge der Krise zugenommen haben. Die sozialen Kosten einer Rezession für die Gesellschaft könnten demnach nicht nur höher sein als vermutet, sondern sich auch als dauerhafter erweisen als erhofft – der nachfolgende Aufschwung wäre nicht in der Lage, die angerichteten Schäden wieder wettzumachen.