Laut plausiblen Überlegungen sollte eigentlich nichts und niemand eine außerirdische Zivilisation daran hindern können, im Lauf der Jahrtausende immer weiter zu wachsen und einen immer größeren Anteil ihrer Heimatgalaxie zu besiedeln – zumindest sobald sie eine bestimmte Ausgangsgröße erreicht hat, sei dieser Prozess unumkehrbar. Denn wer oder was sollte eine solche Entwicklung bremsen?

Doch wie vor einem Jahr ein Forscherteam um Jason Wright mit Hilfe von Infrarotteleskopen festgestellt hat, sind solche galaxienumspannenden "Kardaschow-III-Zivilisationen" in der Umgebung der Milchstraße "sehr selten". Und nun zeige sich, dass diese Aussage "vermutlich eine Untertreibung" war, erläutert Michael Garrett, Forscher von der Uni Leiden und Direktor des niederländischen Astronomieforschungszentrums Astron.

Die Gesetze der Thermodynamik verlangen, dass die Energie, die die Außerirdischen aus den natürlichen Prozessen in ihrer Umgebung ziehen, in Form von Infrarotstrahlung wieder abgestrahlt wird. Komplett besiedelte Galaxien müssten sich folglich von der Erde aus durch ein untypisches Strahlungsmuster verraten. Doch die Durchmusterung des Teams um Wright ergab wenig Bemerkenswertes: Unter 100 000 untersuchten fernen Himmelsobjekten identifizierten die Wissenschaftler von der Pennsylvania State University im Rahmen ihres Projekts G-HAT (Glimpsing Heat from Alien Technologies) damals nur wenige hundert Kandidaten, die einen näheren Blick lohnten.

Diesen hat nun Michael Garrett geworfen. Er vermaß Wrights Kandidatengalaxien im Radiobereich und stellte fest, dass nahezu alle einem allgemein gültigen Muster folgen, das sich aus dem Verhältnis von Infrarot- und Radiostrahlung ergibt. Daher seine Entwarnung: "Wir können heute Nacht ruhig in unseren Betten schlafen, eine Invasion der Außerirdischen ist nicht sehr wahrscheinlich." Die auffällige Infrarotstrahlung der Kandidatengalaxien geht wohl in den meisten Fällen auf einen erhöhten Staubanteil in den Galaxien zurück, ergab die Studie. Kardaschow-III-Zivilisationen seien entweder sehr selten oder gar nicht existent: Nur in sechs Fällen ergaben die Messungen Befunde, die sich nicht durch nähere Untersuchung erklären ließen.

Warum sich unter Hundertausenden von Galaxien in unserem lokalen Universum in höchstens sechs, aber womöglich keiner einzigen eine Megazivilisation entwickelte, gibt nach Meinung von Garrett zu denken. Vielleicht wüssten Außerirdische einen Weg, so energieeffizient zu arbeiten, dass weniger Wärme abgestrahlt würde, als laut unseren physikalischen Theorien erlaubt ist. Oder aber es gibt am Ende da draußen doch noch ein Phänomen, das eine fremde Kultur am ungebremsten Wachsen hindert – mag sie auch noch so groß sein.