News | 31.05.2013 | Drucken | Teilen

Verhaltensökologie

Hummeln setzen sich ins gemachte Nest

Maria Schmidt

Hummeln – eigentlich potenzielle Vogelbeute – erobern die Brutplätze von Meisen, indem sie sie mit einem lauten Gesumm vertreiben. Das berichtet jetzt ein internationales Forscherteam um Piotr Jabłoński. Wie die Wissenschaftler bemerkten, verlassen die Meisen anscheinend ängstlich ihre Wohnstätte, sobald sie das geräuschvolle Notwehrsignal der Insekten hören.

Diese Hummelart lehrt Kohlmeise das Fürchten.
© Open Cage / CC-by-SA-2.5
CC BY-SA
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Dass sich die Hummeln der gefährlichen Nähe der Vögel aussetzen, habe einen guten Grund, erklärt der Forscher vom Laboratory of Behavioral Ecology and Evolution in Seoul. Die Hummeln könnten die verlassenen Meisennester für ihre eigenen Zwecke nutzen, geeignete Nistplätze seien rar, und die Brutsaison beider Spezies erreiche etwa zeitgleich ihren Höhepunkt. Auch umgekehrt seien bereits in künstlich geschaffenen Hummelnistkästen brütende Meisen beobachtet worden.

Jabłoński und sein Team untersuchten nun zwei Jahre lang über 100 Vogelnistkästen in einem Waldgebiet nahe der Stadt Seoul, wobei sie teils in jedem fünften Kasten auf Hummeln stießen. Um herauszufinden, ob die Insekten lediglich verlassene Nester besiedeln oder aber die Nistplätze erobern, versteckten sie flache Minilautsprecher im Nistmaterial der Meisen (Parus minor und P. varius). Auf jedem Lautsprecher klebte eine tote Hummel als Attrappe. Sobald eine Meise zum Nest flog, spielte das Gerät einen Hummelwarnruf ab, der viele der Meisen so sehr zu verstören schien, dass sie zeitweise flüchteten. Eine ähnlich starke Reaktion unterblieb, wenn aus dem Lautsprecher lediglich das Rufen eines Kuckucks tönte.

"Bekannt ist, dass Beutetiere mit Warnsignalen anzeigen, dass sie gefährlich sind", erklärt Jabłoński. "Nun konnten wir zeigen, dass es dem Beutetier auch dabei helfen kann, den ökologischen Wettbewerb gegenüber seinem Räuber zu gewinnen" – so wie etwa im Fall der Konkurrenz um den besten Nistplatz. Mit auffälligen Färbungen oder Warntönen signalisieren zahlreiche Kleintiere ihren Fressfeinden, dass sie über gefährliche chemische oder mechanische Waffen verfügen, die auch scheinbar überlegenen Gegnern zum Verhängnis werden können.

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