Sobald wir ein Körperteil als nicht mehr zu uns gehörig betrachten, verändern sich dadurch unbewusst regulierte Körpereigenschaften. Diesen Zusammenhang fand jetzt Lorimer Moseley von der University of Oxford gemeinsam mit seinen Kollegen heraus. Sie untersuchten mit Hilfe einer Illusion, was in nicht mehr wahrgenommenen Gliedmaßen vorgeht.

Bei dem so genannten Gummihand-Experiment sehen Probenden anstelle ihrer eigenen Gliedmaße eine realistisch wirkende Prothese. Da visuelle Eindrücke für das Gehirn von großer Bedeutung sind, wird die falsche Hand nach einiger Zeit als die eigene wahrgenommen. Die Oxforder Wissenschaftler interessierten sich jetzt dafür, wie es währenddessen der echten Hand ergeht: Zum einen kühlt sich diese ab und zum anderen werden Sinneseindrücke dieser Hand weniger stark empfunden.

Bei verschiedenen Krankheiten, wie etwa nach einem Schlaganfall, bei Schizophrenie, Epilepsie oder Magersucht, sind sowohl die Körperwahrnehmung als auch die Körpertemperatur gestört. Die Ergebnisse dieses Versuchs zeigen, dass die Temperaturregulation allein durch eine Illusion verändert werden kann, somit psychische Vorgänge einen erheblichen Einfluss auf eigentlich automatische ablaufende Vorgänge haben. Hier könnten nach Ansicht der Forscher Ärzte ansetzen, indem sie kognitive Mechanismen ausnutzen, um die Symptome dieser Krankheiten lindern. (sc)