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Beobachtungstipp: In den Fängen des himmlischen Raben

Ein besonderer Leckerbissen für Fernglasbeobachter ist der hübsche Doppelstern Zeta Corvi im Sternbild Rabe. Zudem sollte in einer dunklen Nacht mit einem größeren Fernglas oder einem kleinen Teleskop auch die 8 mag helle Galaxie Messier 104 als kleines, blasses Nebelfleckchen erkennbar sein.
Silhouette einer Person mit Fernglas vor dem Hintergrund eines dunklen Himmels.
Mit einem Fernglas lässt sich im Sternbild Rabe der schöne Doppelstern Zeta Corvi bewundern, und ein kleines Teleskop zeigt auch Details der berühmten Sombrerogalaxie Messier 104.

Ab etwa 22 Uhr MESZ sieht man tief im Südosten die kleine, aber auffällige Figur des Sternbilds Rabe (lateinisch: Corvus). Die Anordnung der vier hellsten Sterne von 2,5 bis 3,5 mag ähnelt dem nördlichen Teil des Sternbilds Skorpion, das bei uns im Sommer knapp über den Südhorizont gelangt. Mit sieben Grad Durchmesser ist der himmlische Rabe auch ähnlich groß und passt somit gerade in das Gesichtsfeld eines 6 × 30- oder 7 × 50-Fernglases (siehe »Ein Rabe mit Sombrero«). Bei flüchtigem Betrachten könnte man die geringeren Sternhelligkeiten fälschlicherweise auf den Einfluss von atmosphärischem Dunst zurückführen. So war meine erste Reaktion, als ich das Sternbild sah: »Nanu, geht jetzt schon der Skorpion schon auf? Aber nein, bis dahin sind es ja noch drei Stunden!«

Ein besonderer Leckerbissen für Fernglasbeobachter ist der hübsche Doppelstern Zeta Corvi (ζ Crv) im südlichen Bereich der Figur. Ähnlich dem Doppelstern Albireo im Sommersternbild Schwan sehen wir hier einen blauweißen, heißen Stern und einen orangefarbenen, kühlen Roten Riesen (siehe SuW 6/2023, S. 32). Die 5,2 und 6,3 mag hellen Komponenten haben den weiten Abstand von sechs Bogenminuten und lassen sich daher im Fernglas leicht getrennt erkennen. Der Farbkontrast wird durch die scheinbare Nähe der beiden Sterne noch verstärkt. Allerdings mögen Beobachter mit verringertem Farbsehvermögen eine größere Öffnung bevorzugen. Daher empfiehlt sich eine Optik mit mindestens 50 Millimeter Objektivdurchmesser; auch die wackelfreie Beobachtung mit Hilfe eines stabilen Fotostativs ergibt eine deutlich bessere Wahrnehmung.

Ein Rabe mit Sombrero | Für die Beobachtung mit einem Fernglas hält das Frühlingssternbild Rabe (lateinisch: Corvus) zwei unterschiedliche Objekte bereit: den Doppelstern Zeta Corvi mit seinen Komponenten im Abstand von sechs Bogenminuten und die rund 8 mag helle Galaxie Messier 104, die auch den Beinamen »Sombrerogalaxie« trägt.

Und schließlich sollte in einer dunklen Nacht mit einem größeren Fernglas oder einem kleinen Teleskop auch die 8 mag helle Galaxie Messier 104 als kleines, blasses Nebelfleckchen erkennbar sein. Sie finden diese rund 30 Millionen Lichtjahre entfernte Welteninsel rund fünf Grad nordöstlich des Sterns Delta Corvi (δ Crv), der den nördlichsten Punkt der Rabenfigur bildet, quasi auf der Grenze zum benachbarten Sternbild Jungfrau. Innerhalb dieses unscheinbaren Lichtflecks offenbart sich bei Betrachtung mit größeren Teleskopen eine Besonderheit: ein dunkles Staubband, welches das Zentrum der Galaxie als symmetrischer Ring umgibt, dessen Aussehen an die breite Krempe eines mexikanischen Hutes erinnert. Dieser und weitere Befunde deuten darauf hin, dass die Sombrerogalaxie aus zwei massereichen Partnern entstand, die miteinander verschmolzen.

  • Kurz erklärt
    Was ist eine Bogenminute? Wann spricht man von einer Konjunktion? Und wie gibt man die Helligkeit von Sternen an? Ein kleiner Überblick über die wichtigsten astronomischen Begriffe.
  • Bogenminute
    Die Bogenminute ist eine Einheit, um die Größe von Winkeln im Gradmaß anzugeben. Ein Winkelgrad hat 60 Bogenminuten und die Bogenminute 60 Bogensekunden. Entsprechend ergeben 3600 Bogensekunden genau ein Grad.
  • Ekliptik
    Die scheinbare jährliche Bahn der Sonne am Himmel. Sie ist der Schnitt der Erdbahnebene, der so genannten Ekliptikebene, mit der Himmelssphäre. Die Ekliptikebene ist gegen die Äquatorebene, den Schnitt des Erdäquators mit der Himmelssphäre, um 23,5 Grad geneigt.
  • Elongation
    Winkelabstand zwischen der Sonne und einem Planeten oder dem Mond. Befindet sich ein Planet in östlicher Elongation, geht er abends nach der Sonne unter, bei westlicher Elongation geht er morgens vor der Sonne auf. Eine Elongation von 0 Grad heißt Konjunktion und von 180 Grad Opposition.
  • Helligkeit (mag)
    Historisch bedingt unterschied man die Helligkeiten zunächst in sechs Größenklassen. Der erste Detektor war das menschliche Auge, das für astronomische Beobachtungen sicherlich nicht voll ausgereift ist. Die hellsten Sterne definierte man als Sterne 1. Größe (1 mag), die lichtschwächsten, gerade noch mit dem Auge sichtbaren als Sterne 6. Größe (6 mag).
  • Konjunktion
    Gleichschein, Stellung eines Planeten, bei der die Sonne in der Verbindungslinie Erde–Planet steht. Bei den Planeten Merkur und Venus kommt es zu einer oberen Konjunktion, wenn die Sonne zwischen der Erde und dem Planeten steht, und zu einer unteren Konjunktion¸ wenn der Planet zwischen Erde und Sonne steht.
  • Kulmination
    Durchgang eines Gestirns durch den Meridian. Man unterscheidet zwischen der oberen Kulmination (größte Höhe über dem Horizont) und der unteren Kulmination (größte Höhe unter dem Horizont). Nur bei den Zirkumpolarsternen befinden sich oberer und unterer Kulminationspunkt über dem Horizont.
  • Meridian
    Mittagskreis, im horizontalen Koordinatensystem der Großkreis an der Himmelssphäre, der sowohl durch Zenit und Nadir als auch durch die beiden Himmelspole verläuft und den Horizont im Süd- und im Nordpunkt schneidet.
  • Opposition
    Gegenschein, Winkelstellung zweier Planeten zueinander oder auch zu Sonne und Mond, bei der sich die ekliptikale Länge der beiden Gestirne um 180 Grad unterscheidet. Am häufigsten für den Fall gebraucht, dass Sonne–Erde und einer der äußeren Planeten auf einer Linie liegen.
  • Seeing
    Das durch die Luftunruhe der Atmosphäre hervorgerufene Flackern der Sterne.

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