Ob sich neu eingewanderte Tier- und Pflanzenarten in einem fremden Ökosystem durchsetzen können, hängt nach einer neuen Untersuchung vor allem vom Menschen ab. Demnach sind invasive Spezies nicht nur für den Transport auf Hilfsmittel wie etwa das Ballastwasser von Schiffen angewiesen, sondern fühlen sich dann am Zielort auch vor allem dort wohl, wo der Mensch sich nach seinen Bedürfnissen eingerichtet hat.

Die Wissenschaftler um Petr Pyšek von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften betrachteten für ihre Statistik alle bekannten Organismen, die seit dem Jahr 1500 in Europa neu aufgetaucht sind. Diese Daten verglichen sie mit natürlichen Variablen, die von geografischen Faktoren wie Gesamtfläche der Region über Klimavariablen bis hin zur regionalen Vegetation reichen. Außerdem betrachteten die Forscher die menschlichen Variablen Bevölkerungsdichte, Länge des Straßennetzes und gesamten nationalen Wohlstand.

Obwohl geografische und andere Umweltfaktoren bekanntermaßen großen Einfluss auf invasive Arten haben – zum Beispiel sind Inseln generell anfälliger für Eindringlinge –, zeigte sich bei der Analyse der Daten, dass vor allem die menschlichen Faktoren bestimmen, wie effektiv fremde Pflanzen und Tiere in ein Ökosystem eindringen. In dicht besiedelten und wirtschaftlich prosperierenden Regionen mit einem Pro-Kopf-Vermögen von über 200 000 Euro hatten sich die Neuankömmlinge am stärksten ausgebreitet. Dagegen taten sie sich in dünn besiedelten Regionen allgemein eher schwer, unabhängig vom dort herrschenden Wohlstand.

Diese Daten sind erst einmal rein statistische Zusammenhänge, die nicht zwangsläufig bedeuten, dass es sich notwendigerweise um Ursache und Wirkung handelt. Dennoch liegt nahe, dass eine größere Bevölkerung mit entsprechend mehr Güterverkehr mehr Arten einschleppt und industrielle Aktivität lokale Ökosysteme schwächt und so den Boden für Invasoren bereitet. Auch importierte Zierpflanzen und Haustiere haben die Forscher als mögliche Ursache im Blick. Sie schlagen vor, derartige Risikoartikel zu verteuern, eine Maßnahme, die international allerdings nur schwer umsetzbar erscheint.

Der nächste wichtige Schritt jedenfalls muss sein, die konkreten Mechanismen zu entschlüsseln, die zu dem Zusammenhang zwischen menschlicher Besiedlung und eindringenden Spezies besteht. Dann lassen sich womöglich gezielte Maßnahmen entwerfen, mit denen sich die Zahl eingeschleppter Arten reduzieren ließe. (lf)