Dem Gesang der Einsiedlerdrossel hören Forscher schon seit mehr als einem Jahrhundert ganz genau zu. Der in Nordamerika heimische Singvogel trällert seine Liedchen nämlich nach denselben Prinzipien, die auch dem menschlichen Musiksystem zu Grunde liegen – darüber spekulierte man bisher zumindest. Nun hat ein Team um Bruno Gingras von der Universität Wien erstmals den Beweis angetreten und wurde fündig.

Die Wissenschaftler untersuchten dazu Aufnahmen von dem Gesang 14 männlicher Einsiedlerdrosseln. Dabei entdeckten sie, dass die Lieder der Vögel sich in ihren Grundzügen gar nicht so sehr von menschlicher Musik unterscheiden. "Unsere Studie zeigt, dass Einsiedlerdrosseln Töne verwenden, die im Allgemeinen durch kleine ganzzahlige Verhältnisse miteinander in Beziehung stehen, so wie menschliche Musik", fasst Gingras die Ergebnisse zusammen. Die meisten Kulturen auf der Welt verwenden nämlich zum Musizieren ebenfalls Tonhöhensysteme, bei denen die Tonfrequenzen auf diese Art und Weise miteinander in Beziehung stehen und so eine Obertonreihe bilden. Ein Beispiel dafür ist etwa die Dur-Tonleiter.

Die Forscher glauben, dass die Drosseln die Tonhöhe für ihren Gesang bewusst auswählen – möglicherweise, weil Weibchen auf die Genauigkeit des Gesangs achten oder die Vögel solche Gesänge schlicht besser im Gedächtnis verarbeiten und speichern können. Gingras und seine Kollegen sehen ihre Ergebnisse aber auch als Beweis dafür an, dass die Musik des Menschen nicht nur durch kulturelle Einflüsse geprägt wurde. Zumindest zum Teil beruhe sie offenbar auch auf gewissen biologischen Grundregeln, die wir mit anderen Tierarten teilen.