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Atmosphärenforschung: Neuartige Leuchterscheinung in der Ionosphäre entdeckt?

Die Mannschaft der verunglückten Raumfähre Columbia hat am 20. Januar 2003 offenbar eine bislang unbekannte Form atmosphärischer Leuchterscheinungen aufgezeichnet. Die Wissenschaftler beobachteten am Nachthimmel südlich von Madagaskar einen starken Lichtblitz im nahen Infrarot, der keine Ähnlichkeit mit Blitzen oder sonstigen gewitterbedingten Leuchterscheinungen aufweist.

Leuchterscheinung | Ein Lichtblitz bislang ungeklärter Entstehung: Im nahen Infrarot beobachteten die Wissenschaftler an Bord der Raumfähre Columbia einen kurzen Blitz ohne Bezug zu einem Gewitter.
Bei der Auswertung der Daten stellten die Forscher um Yoav Yair von der israelischen Open University in Ra'anana außerdem fest, dass die vorübergehende Leuchterscheinung offenbar am Boden nicht bemerkt wurde oder schlicht nicht zu sehen war. Jedenfalls liegen für mehrere Sekunden rund um die Erscheinung keinerlei Nachweise dafür von in der Nähe positionierten Bodenstationen oder Satelliten vor, die Lichtblitze in den typischen Frequenzbereichen solcher Entladungen bei Gewittern registrieren.

Der Blitz – von den Forschern auf die Abkürzung "Tiger" (Transient Ionospheric Glow Emission in Red) getauft – folgte mit knapp einer Viertelsekunde Verspätung auf den nächst gelegenen Lichtblitz, der über tausend Kilometer entfernt auftrat. Dies ist deutlich später und in weitaus größerem Abstand als sonstige bekannte Leuchterscheinungen wie Red Sprites, die meist spätestens zehn Millisekunden nach einer Entladung zu beobachten sind. Auch die Form des Tigers erinnerte nicht an den quallenartigen Aufbau von Sprites oder die ringförmige Struktur von Elves, einer weiteren bekannten atmosphärischen Leuchterscheinung bei Gewitterstürmen.

Die Wissenschaftler schließen daher einen Zusammenhang mit dem beobachteten Blitz aus. Eine Spiegelung oder ein durch Wolken versteckter Blitz komme ebenfalls nicht in Frage, da die Sicht zu dem Zeitpunkt völlig klar war. Auch die Möglichkeit, dass es sich dabei um die Leuchtspur eines Meteoriten handelte, bleibe unwahrscheinlich: Diese müsste eine deutlich längere Bahn aufweisen.

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