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Schlangengift: Universelles Gegengift gegen Mamba, Kobra & Co?

Jährlich sterben rund 100 000 Menschen an den Folgen von Schlangenbissen. Forschende haben einen Antikörper entwickelt, der die tödlichen Toxine verschiedener Schlangen blockiert. Könnte es ein universelles Gegengift werden?
Königskobra in Angriffsposition
Königskobras sind die größten Giftschlangen der Welt.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden weltweit jedes Jahr etwa fünf Millionen Menschen von Schlangen gebissen. Rund 81 000 bis 138 000 von ihnen sterben – vornehmlich in Asien und Afrika. Etwa dreimal so viele können nur mit einer Amputation gerettet werden oder sind dauerhaft entstellt. So manche Schätzung nennt sogar noch höhere Zahlen. Viele Fälle lassen sich mit den bekannten Gegengiften behandeln, aber die vorhandenen Mengen reichen bei Weitem nicht für alle Betroffenen aus. Die derzeit verfügbaren Gegengifte werden durch Immunisierung von Tieren mit Schlangengift hergestellt und wirken zudem in der Regel nur gegen eine einzige Schlangenart.

Forschende des Scripps Research Institute haben nun einen Antikörper entwickelt, der gleich gegen mehrere Schlangengifte wirksam sein soll. Wie ihre Arbeit in »Science Translational Medicine« zeigt, musste das Forschungsteam um Joseph Jardine dafür zunächst einmal molekulare Gemeinsamkeiten verschiedener Schlangengifte identifizieren. Hierbei handelt es sich um konservierte Bereiche, die nicht mutieren. Zielt ein Antikörper genau auf diese Stellen ab, könnte er möglicherweise gegen alle Schlangengiftvarianten wirken. Dazu isolierten und verglichen die Forscher Giftproteine aus einer Vielzahl verschiedener Giftschlangen, zu denen Mambas, Kobras und Kraits gehören. Sie fanden heraus, dass das so genannte Dreifinger-Toxin (3FTx), das in all diesen Schlangen vorkommt, kleine Abschnitte enthält, die bei den verschiedenen Arten ähnlich aussehen. 3FTx-Proteine sind hochgiftig und für Ganzkörperlähmungen verantwortlich.

Anschließend brachten die Forscher die Gene für 16 verschiedene 3FTx in Säugetierzellen ein, die daraufhin die Toxine im Labor produzierten. Aus einer Bibliothek von mehr als 50 Milliarden verschiedener menschlicher Antikörper untersuchten die Wissenschaftler, welcher davon am besten an das 3FTx-Protein binden kann und die stärksten Wechselwirkungen mit allen Toxinvarianten aufweist: ein Antikörper namens 95Mat5.

Das Team testete seine Wirkung bei Mäusen, denen Toxine verschiedener Schlangenarten injiziert wurden – die der Indischen Speikobra, der Vielgebänderten Krait, der Schwarzen Mamba und der Königskobra. In allen Fällen wurden die Mäuse, die 95Mat5 erhielten, nicht nur vor dem Tod, sondern auch vor Lähmungen geschützt.

Gegen das Gift von Vipern ist der Antikörper allerdings nicht wirksam. Jardines Gruppe arbeitet deshalb nun auch an möglichen Antikörpern gegen zwei Viperngifte. Sie vermutet, dass die Kombination von 95Mat5 mit diesen neuen, anderen Antikörpern einen breiten Schutz gegen viele Schlangengifte bieten könnte.

»Dies könnte für Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die die größte Belastung durch Todesfälle und Verletzungen auf Grund von Schlangenbissen haben, unglaublich wertvoll sein, « so Joseph Jardine.

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