Sie schmeckt wie edle Vanillecreme, dafür riecht sie nach Ansicht von Verächtern wie eine Latrine im Hochsommer: An der Stinkfrucht, Durian genannt, scheiden sich die Geister. Nun hat eine Arbeitsgruppe um Bin Tean Teh von der National University of Singapore das Erbgut des in ihrer Heimat Südostasien als "Königin der Früchte" bezeichneten Obstes sequenziert – und ist dabei dem Geheimnis ihres berüchtigten Geruchs nähergekommen. Wie das Team in "Nature Genetics" berichtet, besitzt die Stinkfrucht vier Kopien des Gens für ein Enzym namens Methionin-γ-Lyase (MGL). Das baut die schwefelhaltige Aminosäure Methionin ab, und dabei entstehen aus dem enthaltenen Schwefel leicht flüchtige Schwefelverbindungen (VSC, volatile sulfur compounds), die für den Geruch zuständig sind.

Schwefelverbindungen sind allgemein für ihre intensiven und oft unangenehmen Gerüche bekannt – auf solchen Stoffen basieren auch die Aromen von Zwiebeln und Knoblauch. Durian gehört jedoch in eine völlig andere Pflanzenfamilie und ist noch mal eine Nummer härter: In Hotels, Flugzeugen und in Singapur sogar in der Metro ist die Frucht wegen ihres Geruchs verboten. Dabei ist Durio zibethines sogar mit dem wohlriechenden Kakao verwandt. Der letzte gemeinsame Vorfahr der beiden so unterschiedlichen Pflanzen blühte vor etwa 65 Millionen Jahren.

Kakao allerdings hat eine Kopie des MGL-Gens, Durian dagegen hat vier, wie die Gruppe um Teh nun herausfand. Die Vervielfältigung der Gene begann nach der Trennung der beiden Abstammungslinien: Damals verdoppelte sich das Genom des Durian-Vorfahren. Kurz darauf trennten sich wiederum die Linien von Durian und Baumwolle. Letztere hat insgesamt drei MGL-Versionen, was sich glücklicherweise aber nicht auf den Geruch des Produktes auswirkt. Weshalb die Stinkfrucht so extrem riecht, ist noch nicht ganz klar. Die Arbeitsgruppe vermutet einen Zusammenhang mit dem Reifungsprozess: Die MGL-Gene sind im Fruchtfleisch besonders aktiv, wenn das Reifungssignal Ethen produziert wird.