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Tierisch schlau: Hummeln lernen voneinander

In einem Experiment mussten Hummeln ein schwieriges Rätsel lösen, um eine Belohnung zu erhalten. Allein gelang ihnen das nicht – bis sie einer trainierten Artgenossin zusahen.
Zwei Hummeln treffen sich an einer Blüte
Wenn Hummeln selbst nicht weiterkommen, können sie sich an Artgenossinnen orientieren.

Lange nahm man an, dass Menschen in ihrem Kulturschaffen einzigartig seien. Langsam mehren sich jedoch die Belege dafür, dass zahlreiche weitere Tiere Ansätze von kulturellen Praktiken zeigen. Neben anderen Primaten sowie Walen und Krähen reihen sich auch Hummeln in die Liste solcher Arten ein, wie eine Studie der Arbeitsgruppe um Alice Bridges von der Queen Mary University of London zeigt. In Experimenten gelang es einigen Individuen, Verhaltensweisen von Artgenossinnen zu lernen, auf die sie von allein nicht kamen.

Für die Versuche nutzen die Fachleute eine Puzzlebox, in der auf die Hummeln eine Zuckerlösung wartete. Um an die Belohnung zu kommen, mussten die Insekten ein zweistufiges Rätsel lösen: Zuerst galt es, ein Hindernis aus dem Weg drücken, um einen Schieber frei zu legen. Diesen konnten sie dann bewegen und so die Zuckerlösung erreichen. In drei Völkern, die an 12 oder 24 Tagen für jeweils drei Stunden Zugang zur Box bekamen, schaffte es keine einzige Hummel, an die süße Leckerei zu kommen.

Hummeln versuchen sich an einer Puzzlebox | Eine ungeschulte Hummel versucht, den roten Schieber zu bewegen, obwohl dieser noch durch den blauen blockiert ist, den die trainierte Hummel gerade drücken will. Mit der Zeit lernt erstere, den Prozess in der richtigen Reihenfolge durchzuführen. Die farbigen Punkte am Rücken der Tiere dienen ihrer Identifikation.

Mit Hilfe zusätzlicher Belohnungen trainierten die Forscherinnen und Forscher neun Tiere darauf, das Rätsel zu lösen. Dass ihnen das nur mit viel Mühe gelang, werten sie als Hinweis darauf, wie schwierig die Aufgabe für die Insekten war. Jene, die diese Ausbildung erfolgreich abschlossen, wurden zu Vorzeigerinnen für andere. Die Fachleute setzten sie mit unerfahren Artgenossinnen in die Puzzlebox und sahen zu, ob Letztere das Verhalten durch Beobachten ebenfalls erlernen konnten. Von 15 getesteten Hummeln gelang es fünf, später allein an die Zuckerlösung zu kommen.

Eine solches Modelllernen, wie es die Tiere in der Studie demonstrierten, legt den Grundstein für eine kumulative Kultur – eine Anhäufung von mehr Wissen, als Individuen sich allein durch Problemlösen im Lauf ihres Lebens erschließen können. Das Forschungsteam hat diese Fähigkeit bei Hummeln in seiner Studie erstmals unter streng kontrollierten Bedingungen im Labor nachgewiesen. Ob die Tiere entsprechendes Verhalten auch in der freien Natur zeigen, bleibt unklar. Genauso wenig kann die Arbeit beantworten, wie beständig das Wissen ist, ob die Insekten es also über mehrere Generationen bewahren können. Dennoch verdeutlichen die Daten, dass Hummeln zu kognitiven Leistungen fähig sind, die man ihnen in Anbetracht ihrer winzigen Hirne wohl kaum zugetraut hätte.

© NPG Press

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