Eine totale Mondfinsternis, von der diesmal besonders viele Beobachter profitieren können, steht bevor. Sie ist in ihrer vollen Länge in Westeuropa, Westafrika, Süd- und Mittelamerika sowie in der östlichen Hälfte der USA und Kanadas sichtbar. Da der Mond bei uns in der Nacht vom 27. auf den 28. September 2015 gegen 1 Uhr MESZ seine Höchststellung über dem Horizont erreicht und erst kurz nach 7 Uhr MESZ untergeht, spielt sich die gesamte totale Mondfinsternis am südwestlichen und westlichen Himmel ab.

Der Verlauf der Mondfinsternis vom 28. September 2015 (Grafik)
© Fred Espenak / NASA, Goddard Space Flight Center / SuW-Grafik
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Im Lauf von rund fünf Stunden durchquert der Vollmond den Schatten der Erde. Zur Finsternismitte, um 4:47 Uhr MESZ, befindet er sich knapp südlich der Mitte des Kernschattens.

Sie beginnt in Höhen von 30 Grad und endet knapp zehn Grad über dem Horizont. Dementsprechend sollten Sie ihren Beobachtungsstandort auswählen. Einen guten Test ermöglicht Anfang September die Sichtbarkeit der Nachmittagssonne. Zudem sollte Ihr Beobachtungsort bequem erreichbar sein, denn wer möchte schon mitten in der Nacht eine größere Strecke fahren und dann auch noch sein Teleskop aufbauen? Ideal ist natürlich ein Westbalkon, auf dem Sie Ihre Ausrüstung schon am Vorabend sicher aufstellen können.

Die Kontaktzeiten der Mondfinsternis vom 28. September 2015
© SuW
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Welche Farbe in der Totalität?

Der Kernschatten der Erde weist am Mondorbit etwa drei Vollmonddurchmesser auf. Er wird am 28. September nicht zentral durchquert, sondern der Mond durchläuft seine südliche Hälfte. Dies hat drei beobachtbare Konsequenzen: Die Finsternis ist kürzer als die maximale Dauer, die im Idealfall rund zwei Stunden betragen kann. Zudem beginnt die partielle Bedeckung des Mondes nicht an seinem Ostrand, sondern am Nordostrand, und das Ende liegt am Westnordwestrand. Des Weiteren wird der total verfinsterte Mond in seinem Südteil relativ hell erscheinen und einen schmutzig-orangen Farbton aufweisen. Als dunkelster Teil des Mondes wird sich zur Finsternismitte, um 04:47 Uhr MESZ, seine Nordpolregion erweisen, da diese dem Zentrum des Kernschattens sehr nahe kommt. Dort könnte die Färbung ein tiefes Kupferrot erreichen.

Allerdings hängen die Helligkeit und Farbe des verfinsterten Mondes nicht nur von der Tiefe seines Eintauchens in den Kernschatten ab, sondern auch stark von der Reinheit der Hochatmosphäre der Erde – wir sehen den verfinsterten Mond ja nur deshalb, weil die Atmosphäre unseres Planeten etwas Sonnenlicht in den dunklen Schatten hineinlenkt. Wegen des veränderlichen Zustands der Atmosphäre gleicht keine totale Mondfinsternis der anderen. Daher es ist interessant, den visuellen Eindruck gemäß der nach dem französischen Astronomen André-Louis Danjon benannten Skala zu klassifizieren.

Danjon-Skala zu Mondfinsternissen
© SuW
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Wie beobachten?

Besonders eindrucksvoll können Sie die partiellen Phasen und die Färbung des Mondes im Kernschatten der Erde mit einem großen Feldstecher betrachten, der auf einem Fotostativ montiert ist – oder Sie nutzen ein kleines Fernrohr mit 20- bis 30-facher Vergrößerung. Derart niedrige Vergrößerungen zeigen auch am besten den Sternenhintergrund, vor dem sich der verfinsterte und damit nicht mehr alles überstrahlende Mond sehr plastisch ausnimmt. Diesmal findet die Mondfinsternis aber leider in einem nicht sonderlich sternreichen Gebiet im Süden der Fische statt. Der nächste hellere Stern ist HD 1031 (7,0 mag), knapp ein halbes Grad nördlich des Mondes. Mit seiner Hilfe erhalten Sie jedoch wenigstens einen guten Eindruck von der fortschreitenden Wanderung des Mondes im Kernschatten.

Die weltweite Sichtbarkeit der Mondfinsternis vom 28. September 2015
© Fred Espenak / NASA / TerraForma / SuW-Grafik
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In weiten Teilen Europas, Afrikas, Nordamerikas sowie in Südamerika ist die Mondfinsternis in ihrer vollen Länge sichtbar.

Wer dies auch fotografisch dokumentieren möchte, sollte am besten mit einer Digitalkamera im Fokus eines Teleskops von etwa einem halben Meter Brennweite fotografieren. Mit einer rauscharmen Empfindlichkeitseinstellung von ISO 400 werden Belichtungszeiten von 1/2 bis 2 Sekunden benötigt, je nach Teleskop und Umständen. Dazu ist allerdings eine parallaktische Montierung mit motorischer Nachführung erforderlich. Wer sie nicht zur Verfügung hat, kann auch mit nur 1/8 Sekunde recht scharfe Bilder von der Totalität aufnehmen, wenn dafür etwa ISO 1600 oder 3200 eingestellt werden. In jedem Fall sollte ein robustes Stativ dabei sein, das nicht zittert, und die Auslösung muss berührungsfrei erfolgen, per Kabel oder Fernauslöser.