Unsere Gemütslage verändert auch unsere visuelle Wahrnehmung – das konnten bereits in der Vergangenheit unterschiedliche Studien zeigen. So führt etwa eine depressive Stimmung im Zweifelsfall dazu, dass wir Kontraste nicht mehr so gut wahrnehmen können. Wie Wissenschaftler um Christopher Thorstenson von der University of Rochester nun berichten, beeinflusst sie aber offenbar auch unsere Fähigkeit, Farben zu erkennen. Die Forscher bestellten insgesamt 127 Studenten in ihr Labor und zeigten ihnen entweder ein Comedy-Video, das die Stimmung der Probanden deutlich hob, oder einen traurigen Filmclip, der sie betrübt machte. Anschließend sahen die Teilnehmer nacheinander 48 Flecken, deren Farbton allerdings ein wenig gedämpft worden war, und mussten angeben, ob diese rot, grün, gelb oder blau waren.

Dabei entdeckten Thorstenson und sein Team, dass die Studenten nach dem traurigen Video schlechter dazu in der Lage waren, die Farben korrekt zu identifizieren – aber nur, wenn es um gelbe oder blaue Flecken ging. Bei Rot und Grün zeigten sich keine Unterschiede. Ein weiterer Versuch mit 130 anderen Teilnehmern, bei dem die Kontrollgruppe keinen lustigen Film, sondern einen neutralen Bildschirmschoner zu sehen bekam, bestätigte das Ergebnis.

Wie genau dieser Effekt zu Stande kommt, wissen die Forscher noch nicht, dafür sind weitere Untersuchungen nötig. Sie vermuten aber, dass er etwas mit dem Neurotransmitterhaushalt der Probanden zu tun hat. So fanden einige Studien Hinweise darauf, dass bei Unterscheidungen im blauen und gelben Farbspektrum vor allem der Botenstoff Dopamin eine Rolle spielt.