In Zoos bemühen sich Tierpfleger meist sehr um das Wohlergehen und eine korrekte Ernährung der Tiere – so erhalten große Raubkatzen zum Beispiel oft einen recht aufwändig nach wissenschaftlichen Erkenntnissen bestmöglich zusammengestellten Mix aus Hackfleisch, Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln, der rein ernährungsphysiologisch die typische Durchschnittsbeute gut simuliert. Zum Problem wird allerdings, dass in der Zoonahrung harte Knochen häufig fehlen, und die mechanische Qualität des Angebots daher deutlich anders ist als das in freier Wildbahn. Und das, berichten nun Forscher nach Schädelvergleichen, hat deutlich sichtbare Auswirkungen: Zooinsassen können von Wildtieren allein an den Unterschieden im Knochenbau leichter voneinander unterschieden werden als etwa Weibchen und Männchen einer Art [1].

Die Forscher ermittelten dies, indem sie die exakt vermessenen Dimensionen von Löwen und Tigerschädeln aus dem Zoo und aus freier Wildbahn einer Hauptkomponentenanalyse unterzogen. Die statistische Veranschaulichung macht deutlich, dass die Ernährung einen beachtlichen Anteil an den Ursachen der gemessenen Unterschiede ausmachte.

Vermessene Raubtierschädel
© Hartstone-Rose, A. et al.: The Three-Dimensional Morphological Effects of Captivity. In: PLoS ONE 9, e113437, 2014, fig. 1
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Für eine Hauptkomponentenanalyse haben Forscher die Schädel von Tigern und Löwen exakt vermessen, die im Zoo oder in freier Wildbahn aufgewachsen sind. Die Unterschiede in der Anatomie lassen sich hauptsächlich auf die Unterschiede der Spezies zurückführen – schon als zweitwichtigste Komponente ermittelten die Forscher aber die Lebensweise der Katzen. Die Ursachen sind noch unklar – vermutlich trägt aber vor allem die unterschiedliche Ernährung in Zoos zur Knochenveränderung bei.

Eindeutige Beweise für die zu Grunde liegenden Ursachen der anatomischen Unterschiede fehlen zwar noch. Die Forscher führen sie aber auch auf die weiche Nahrung zurück, mit der vor allem in Nordamerika Großkatzen in Zoos auskommen müssen: Dort erhalten sie seltener eine Knochenbeimischung im Futter und es wird noch häufiger als in Europa aus ethischen und marketingkommunikatorischen Gründen auf ein Verfüttern von anderen Zootieren an die Löwen und Tiger verzichtet. Bekannt wurde zuletzt ein Fall, bei dem ein dänischer Zoo eine gesunde Giraffe an Löwen verfüttert hatte, worauf Teile der Öffentlichkeit alarmiert reagierten.

Artgerechte Ernährung im Zoo

Harte Nahrungsbestandteile sind aber ein unterschätzter Faktor, der zur artgerechten Ernährung in Zoos einen deutliche Beitrag leistet, meinen die Wildtierexperten. Daneben seien auch psychologische Faktoren wichtig, wie einige Zoos längst erkannt haben: Sie geben den Großkatzen die Möglichkeit, sich mit dem Zerlegen von unterschiedlichen Beutetieren zu beschäftigen oder im Gehege eine Jagd zumindest simulieren zu können. Dies reduziert nachweislich Hospitalismussymptome bei gefangenen Tieren [2]. Früher hatte einseitige Ernährung in Zoos gelegentlich Schwierigkeiten verursacht  – sie führten etwa zu Zahn- und anderen Problemen –, dies geschieht mit zunehmender Professionalisierung nun aber seltener.