Bei dem roten Zwergstern Ross 128 im Sternbild Jungfrau haben Forscher um Xavier Bonfils an der französischen Université de Grenoble einen Exoplaneten nachgewiesen, der sein Zentralgestirn in nur 9,9 Tagen umrundet. Der Planet Ross 128b hat die 1,35-fache Masse unserer Erde und sollte ein Felsplanet ähnlich unserer Welt sein. Er befindet sich in der habitablen Zone um seinen sehr leuchtschwachen Stern, also der Region, in der auf seiner Oberfläche flüssiges Wasser möglich wäre. Mit einem Abstand von nur elf Lichtjahren ist Ross 128b der zweitnächste Exoplanet nach Proxima Centauri b und ist diesem sehr ähnlich. Allerdings mit einem wichtigen Unterschied: Sein Zentralgestirn ist ein sehr ruhiger Roter Zwerg ohne starke Strahlungsausbrüche. Dies ist ganz im Gegensatz zu Proxima Centauri, der als Flare-Stern seinen Planeten immer wieder in starker Ultraviolett- und Röntgenstrahlung badet. Durch diese Ausbrüche könnte in den Milliarden Jahren seit der Entstehung von Proxima Centauri b dessen mögliche Atmosphäre vollständig in den Weltraum verblasen worden sein. Dann wäre seine Oberfläche eine lebensfeindliche Steinwüste.

Der Planet Ross 128b im Sternbild Jungfrau (künstlerische Darstellung)
© ESO/M. Kornmesser / Ross 128b / CC BY 4.0 CC BY
(Ausschnitt)
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Rund elf Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Jungfrau umläuft ein Planet mit annähernder Erdmasse den roten Zwergstern Ross 128. Er befindet sich im Bereich der habitablen Zone, so dass die Oberflächentemperaturen für flüssiges Wasser geeignet sein könnten. Ross 128b umrundet sein sehr leuchtschwaches Zentralgestirn in nur 9,9 Tagen.

Somit ist Ross 128b mit einer Entfernung von nur elf Lichtjahren vielleicht der uns nächste Planet mit lebensfreundlichen Bedingungen, falls er eine geeignete Atmosphäre besitzt. Obwohl ihn nur fünf Prozent des Abstands Erde-Sonne von seinem Stern trennen, empfängt er etwa das 1,4-Fache der Sonneneinstrahlung der Erde. Ross 128 erreicht als massearmer Roter Zwerg des Spektraltyps M4 nur 0,3 Prozent der Leuchtkraft unserer Sonne, so dass die Oberflächentemperaturen auf seinem Planeten zwischen +20 und –60 Grad Celsius betragen könnten. Die Spanne ist deswegen so groß, weil unbekannt ist, wie stark die Oberfläche und mögliche Atmosphäre das auftreffende Sonnenlicht reflektieren. Wirft der Planet etwa so viel Sonnenlicht wie die Erde ins All zurück, also rund 40 Prozent, dann läge die mittlere Temperatur bei angenehmen +20 Grad Celsius.

Entdeckt wurde der Planet Ross 128b mit dem Spektrografen HARPS der Europäischen Südsternwarte ESO. Der Stern selbst ist der 128. Eintrag einer Liste von 680 Sternen mit hoher Eigenbewegung am Himmel, die der US-amerikanische Astronom Frank Elmore Ross (1874–1960) im Jahr 1926 veröffentlichte. Der Planet wurde mit dem Radialgeschwindigkeitsverfahren aufgespürt. Bei diesem werden feine periodische Veränderungen im Spektrum des Sterns gesucht, welche durch die Umlaufbewegungen von Stern und Planet um den gemeinsamen Schwerpunkt entstehen. Der Wert von 1,35 Erdmassen ist eine minimale Masse, da wir nicht wissen, wie stark die Umlaufebene um den Stern geneigt ist. Ross 128b läuft von uns aus gesehen leider nicht vor seinem Zentralgestirn durch, so dass derzeit keine Aussagen über seine Größe und mittlere Dichte möglich sind. Die Forscher setzen daher ihre Hoffnungen auf das im Jahr 2019 startende James Webb Space Telescope, das in der Lage sein könnte, eine mögliche Atmosphäre sowohl um Ross 128b als auch Proxima Centauri b spektroskopisch nachzuweisen. Mit dem derzeit im Bau befindlichen Riesenteleskop ELT in Chile mit seinem 39-Meter-Spiegel könnte es sogar möglich sein, die beiden Planeten neben ihrem jeweiligen Zentralgestirn direkt als Lichtpunkte abzubilden und spektroskopisch zu untersuchen.