Astronomen können in Zukunft möglicherweise auf den ersten Blick sagen, was für Planeten sich im Orbit eines Sterns vermutlich gebildet haben. Diese Hoffnung weckt zumindest eine Studie im Fachmagazin "The Astrophysical Journal Letters", in der ein Team um Sarah Millholland von der Yale University Beobachtungsdaten des Weltraumteleskops Kepler ausgewertet hat. Der NASA-Satellit hatte bis zum Ende seiner Hauptmission im Jahr 2013 tausende Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aufgespürt.

Millholland und ihre Kollegen haben sich 37 von Kepler entdeckte Planetensysteme vorgenommen, in denen mehr als ein Planet seine Bahnen zieht. In ihnen lässt sich dank winziger Schwankungen der Umlaufzeiten die Masse der einzelnen Himmelskörper abschätzen. Die Astrophysiker spürten dabei nun einen interessanten statistischen Trend auf. Die Massen der Planeten in vielen der Systeme lagen auffällig nah beieinander. Oder anders formuliert: Bewegt sich um einen Stern ein besonders schwerer Planet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dieser einen oder mehrere Nachbarn in derselben Gewichtsklasse hat.

Den Forschern zufolge wirkt es fast so, als würde ein Stern grob vorgeben, wie schwer die Planeten in seinem Orbit sein sollen. Auf eine ähnliche Korrelation war ein Forscherteam um Lauren Weiss von der Université de Montréal bereits vor einigen Monaten gestoßen. Demnach gleichen auch die Durchmesser der Himmelskörper in Mehr-Planeten-Systemen einander stärker, als dies durch eine rein zufällige Verteilung der Planetengrößen erklärt werden kann.

Ob sich aus diesen statistischen Auffälligkeiten wirklich Rückschlüsse auf die Planetenentstehung ziehen lassen, ist allerdings noch völlig offen. So ist beispielsweise denkbar, dass die Stichprobe das Bild verzerrt: Möglicherweise konnten die Wissenschaftler vor allem in jenen Systemen des Keplerdatensatzes die Massen bestimmen, in denen sich die Planeten ähneln.

Möglich ist aber auch, dass die Astronomen einer spannenden Gesetzmäßigkeit auf der Spur sind. So schreibt das Team um Millholland: Die Daten sprächen dafür, dass Sterne mit geringer Metallizität, in denen also kaum Elemente außer Wasserstoff und Helium vorkommen, bevorzugt kleine Planeten hervorbringen. Sollte das zutreffen, wären die Konsequenzen beträchtlich. Dann könnten Exoplanetenjäger künftig gezielt jene Sterne in Augenschein nehmen, in deren Orbit kleine Felsplaneten besonders wahrscheinlich sind. Das würde die Suche nach einem echten Erdzwilling vermutlich deutlich beschleunigen.