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Russisches Tagebuch: Zaren und Zahlen, Kriege und Kämpfe

Ein Besuch bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft und ein Nachmittag mit Touristenprogramm, das mit magischen Eindrücken die trockene Wissenschaft einmal in den Hintergrund drängt.
Kremlkirche
Entlang der Moskwa kurvt unser Bus auf der Uferstraße immer wieder am Kreml vorbei. Dann kreuzen wir den Fluss und gelangen ins "Viertel der Kaufleute", wo auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft ihr Verbindungsbüro unterhält. Christian Schaich ist dort seit einem Jahr Statthalter und berichtet über seine Aufgaben und Probleme. Sein Alltag scheint erträglich, sieht man mal von kleineren Bakschischspenden für kontrollwütige Polizisten oder beim Moskauer TÜV ab.

DFG in Moskau | Sitz der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Moskau
Mehreren Millionen Euro verhilft er jährlich, in Projekten und Kooperationen mit deutschen Forschungspartnern umgesetzt zu werden. Die Umbrüche und Tumulte in der Akademie der Wissenschaften beschäftigen auch ihn, auch der Brain drain russischer Jungforscher in den Westen. Die DFG jedenfalls vermeidet jeden Anschein von Abwerbung. "Die Amerikaner treten da schon etwas forscher auf", sagt Schaich.

Seine Kontakte pflegt er auch mit anderen deutschen Forschungsorganisationen, so mit der Fraunhofer-Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft. Deutschland und seine Forschung sind (wieder) beliebt, schon seit dem 18. Jahrhundert, das spürt man bei jedem Gespräch. Und seit die Visumvergabe in die USA seit dem 11. September auch für Forscher deutlich restriktiver gehandhabt wird, umso mehr.

Kremlkirche | Eine der drei Kirchen im Kreml
Samstag, Nachmittag

Besuch im Kreml, aber nicht bei Putin – unsere Touristeneinlage auf dieser Reise. Die Nachmittagssonne glänzt und blendet betörend von den vergoldeten Zwiebeltürmchen der drei Kirchen, so dass ich eine Stunde mal die Wissenschaft vergesse. Dascha überschüttet uns mit Zaren und Zahlen, Kriegen und Kämpfen. Wie viele Zahlen kann sich ein Mensch merken? Auch die Ikonen in den Kirchen: Die Wände gepflastert bis ins Gewölbe, wir schieben uns durch mehrere deutsche Reisegruppen. Warum ermüde ich schon nach den ersten fünfzig Ikonen?

Ikonen im Innern | Ikonen im Innern einer der Kremlkirchen
Plötzlich formiert sich ein Kreis, fünf junge, schwarz gekleidete Männer und Frauen blicken ernst. Dann steigt der erste Ton ins Kerzendunkel, das Gemurmel und Geschiebe erstirbt. Ein Choral entwickelt sich, und in diesem Moment verwandelt sich die Kirche in einen sakralen Raum, für Minuten stehe ich gefangen im magischen Zauber der Musik. Natürlich gibt es am Eingang eine CD dazu.

Samstag, Nacht

Vier Stunden Flug nach Nowosibirsk durch die Nacht, als kämen wir von New York – und das ist auch erst der halbe Weg nach Wladiwostok – in einem Iljuschin-Großraumflugzeug. Bis auf die Bestuhlung im Stile einer Sardinendose scheinen alle meine Sicherheitsbedenken unnötig. Die Ankunftshalle in Nowosibirsk früh um fünf Uhr Ortszeit betrübt mich dagegen, ein rostiger Blechschuppen, kurz vor dem Zusammenfallen.

Am Montag endet das Tagebuch mit einem "Sibirischem Finale".

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