Das älteste lebende Exemplar einer Pflanze ist ...

Ralf Strobel
© Stefanie Feldermann
© Stefanie Feldermann
(Ausschnitt)
a) ein Baum
b) ein Strauch
c) ein Gras
d) eine Flechte

Antwort:

Das Wurzelnetz eines Baums in den USA lebt schon seit mehr als 80 000 Jahren und ist damit die älteste bekannte Pflanze der Welt.

Erklärung:

Die Frage nach dem ältesten lebenden Organismus führt seit Jahren zu hitzigen Diskussionen unter Biologen, denn sie ist gar nicht so leicht zu beantworten. Pflanzen etwa bieten ein Dilemma, denn viele von ihnen breiten sich durch Ableger aus, deren Erbgut identisch ist mit dem Original. In Form solcher Klone "lebt" ein Exemplar daher praktisch unbegrenzt weiter.

Auch die Amerikanische Zitterpappel (Populus tremuloides), eine Baumart, bildet flache Seitenwurzeln, aus denen in bis zu 30 Meter Entfernung neue Stämme wachsen. Diese trennen sich jedoch nie von der Mutterpflanze und bilden daher weiterhin einen einzigen Organismus. Das größte bekannte Exemplar wächst im US-Bundesstaat Utah auf einer Fläche von rund 43 Hektar und besitzt 47 000 Stämme. Obwohl jeder Stamm kaum älter ist als 200 Jahre, schätzen Botaniker das Alter des Wurzelwerks anhand von dessen Größe auf mindestens 80 000 Jahre. Mit vermuteten 6000 Tonnen ist das auf den Namen "Pando" getaufte Wäldchen (lateinisch: ich breite mich aus) außerdem auch das schwerste bekannte Lebewesen der Erde.
Amerikanische Zitterpappeln
© Scott Catron
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernAmerikanische Zitterpappeln
Wer Ableger nicht als Teil der ursprünglichen Pflanze anerkennt, der sollte trotzdem für die Antwort "Baum" gestimmt haben. Denn in diesem Fall wäre der Rekordhalter eine Kiefer (Pinus longaeva) in Kalifornien, die vor 4840 Jahren keimte. Das beweist die Zahl der Jahresringe in einer Bohrprobe ihres Stamms.

Als ältesten Strauch nennen manche Biologen Lomatia tasmanica, einen zu sexueller Fortpflanzung unfähigen Mutanten der Gattung Lomatia im Süden Tasmaniens, der sich seit rund 43 000 Jahren nur durch Ableger vermehrt. Das beweisen Radiokarbondaten fossiler Teile des Gewächses. Obwohl damit letztlich nur ein einziges Exemplar der Spezies existiert, hat dieses sich bis heute in rund 500 Klone aufgespalten und besitzt kein gemeinsames Wurzelnetz. Die einzelnen Pflanzen finden sich auf einer Fläche von drei Hektar und leben jeweils rund 300 Jahre lang.

Gräser können ebenfalls lange ohne geschlechtliche Fortpflanzung überleben. In geschützten Lagen existieren womöglich Exemplare, die sich seit Ende der vergangenen Eiszeit vor 12 000 Jahren immer wieder selbst geklont haben. Zählt man die entfernt verwandten Seegräser mit zu dieser Gruppe, sind sogar Zeiträume von bis zu 100 000 Jahren denkbar. Auf dieses Alter schätzen Forscher ein acht Kilometer langes Feld aus Neptunseegras bei Ibiza, das ausschließlich aus Klonen einer Urpflanze besteht. Auch hierbei handelt es sich jedoch um getrennte Organismen von denen jeder nur einen Bruchteil dieses Alters erreicht.

Flechten sind keine Pflanzen, sondern eine Lebensgemeinschaft von Pilzen und Algen oder Bakterien. Somit ist diese Antwort falsch, obwohl solche Mischwesen durchaus sehr alt werden. Einige arktische Exemplare schätzen Biologen auf mehr als 9000 Jahre. Auch andere Rekorde unter den Lebensformen gehen auf das Konto von Pilzen: Der größte bekannte Organismus der Welt etwa ist ein Pilzgeflecht, das unterirdisch ein Gebiet von knapp zehn Quadradkilometern durchzieht.
© Stefanie Feldermann

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