Lomatia tasmanica ist ...

Sandra Czaja
a) ein 43 600 Jahre altes Unikat
b) süßlich, scharf und betäubend
c) ausgestorben, weil verrufen
d) ein Ort, der an einem Tag alle Jahreszeiten bietet

Antwort:

Lomatia tasmanica ist der wissenschaftliche Artname eines Silberbaumgewächses, von dem nur ein einziger Klon im Südwesten Tasmanien existiert - allerdings gedeiht dieser bereits seit ungefähr 43 600 Jahren und ist auch heute noch überwiegend lebendig.

Erklärung:

Über ungefähr 1,2 Quadratkilometer erstreckt sich das pflanzliche Ungetüm und springt einem dennoch nicht gleich ins Auge, denn es wächst überwiegend unterirdisch. Nur ab und an durchbricht es die Oberfläche und bringt einen meist dürren Sprössling hervor. Robust trotzen sie ihrer stürmischen Umwelt am pazifischen Ozean, und jeder einzelne bringt es allein auf ein Alter von etwa 240 Jahren.

Die geschätzten 500 Sträucher hängen alle an ein und demselben Mutterorganismus. Sie sind genetisch identisch und damit eins, weshalb man auch von einem Unikat sprechen kann. Das Alter wurde mit Hilfe einer C-14-Analyse fossilisierter Blätter bestimmt, die genetisch mit Blättern heutiger Pflanzen immer noch übereinstimmen.

Im Januar bis Februar bilden die Sträucher bis zu einen Zentimeter lange, scharlachrote Blüten, aus denen sich allerdings weder Früchte noch Samen entwickeln. Lomatia tasmanica ist unfähig, sich geschlechtlich zu vermehren und vertraut ausschließlich auf Wurzelausläufer, aus denen wieder neue Sprösslinge zwei bis acht Meter hoch wachsen.

Ebenfalls in Tasmanien wächst der zu den Winteraceae zählende "tasmanische Pfeffer" (Tasmania lanceolata), dessen einzelne Grünpflanzen aber beileibe nicht so alt werden wie die des Silberbaumgewächses. Im deutschen Sprachraum werden die erst süßlichen, dann scharfen und schließlich ein leichtes Taubheitsgefühl auslösenden Früchte auch Bergpfeffer oder Australischer Pfeffer genannt. Scharf macht den tasmanischen Pfeffer die Substanz Polygodial, die die Pflanze zur Abwehr von hungrigen Insekten einsetzt.

Nur noch im Wappen Tasmaniens lebt der Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) weiter. Das letzte bekannte Exemplar starb 1936 im Zoo in der Hauptstadt Tasmaniens. Laut Höhlenzeichnungen war das Raubtier wohl einst auf dem gesamten australischen Kontinent verbreitet, aber aus nicht geklärten Ursachen bereits bei der Ankunft der Europäer ausgestorben – abgesehen von Tasmanien.

Da es in Tasmanien keine Dingos gibt, machte man diese für das Ende des Beutelwolfes in den restlichen Gebieten verantwortlich. Allerdings stand der Dingo gar nicht in Konkurrenz um Lebensraum und Beute mit dem Beutelwolf, weshalb dies eher unwahrscheinlich ist. Warum er schließlich in freier Wildbahn auch in Tasmanien ausstarb, ist dagegen klar: Die tasmanische Regierung setzte 1830 ein Kopfgeld von 25 Cent auf den zu Unrecht als blutrünstigen Schafkiller verrufenen Beutewolf aus – der Anfang vom Ende.

Tasmanien liegt auf demselben Breitengrad wie Istanbul und Rom auf der Nordhalbkugel, das tasmanische Klima ist aber bedeutend ozeanischer: Es ist unbeständig, oft stürmisch und regnerisch. Zudem befindet es sich in der Schneise der Donnernden Vierzigern, einer konstanten Westwindfront, die das Wetter noch wechselhafter gestaltet. Vor allem auf den dominierenden Hochebenen Tasmaniens lassen sich an einem Tag alle Jahreszeiten durchleben.

Lomatia tasmanica ist ...