Was sagt die Formel (es+u+cs+t)2+s+(tl+f)/2+ (a+dr+fs)/n+sinx-1 aus?

Daniel Lingenhöhl
a) Schönheit einer Person
b) Nichts
c) Qualität eines Weins
d) Schockergrad eines Horrorfilms
e) Minimumaufwand für das Bestehen des Abiturs

Antwort:

Sie beschreibt den Schockergrad eines Horrorfilms.

Erklärung:

Mit dieser Formel drücken britische Mathematiker um Anna Sigler vom King´s College den Schockergrad eines Horrorfilms in Zahlen aus. Sie basiert auf der wissenschaftlichen Auswertung klassischer Gruselfilme und umfasst vor allem Faktoren, die typischerweise die Spannung anheizen. So berücksichtigt der erste Teil der Gleichung die Musik (es) des Streifens – plätschert sie seicht dahin oder sorgen schon tiefe Frequenzen für wohlige Schauer auf dem Rücken? Nicht minder wichtig: Überrascht Unbekanntes (u) den Konsumenten?

Wichtig sind in diesem Zusammenhang natürlich auch Verfolgungsjagden (cs). Denn wer die gruselige Wahl hat zwischen der hübschen, aber zum Vampir mutierten Rothaarigen aus dem "Tanz der Vampire", die zum Aderlass bittet, und dem Maskenmann Michael Myers aus der Halloween-Reihe, wird sich wohl für Letzteren entscheiden müssen, um eine Gänsehaut zu bekommen. Spannungstreibend ist es natürlich auch, wenn der Held oder die Heldin des Films in eine Falle tappt (t) und der Bösewicht dann langsam näher kommt, um sich an der Angst des vermeintlichen Opfers zu delektieren – selbstredend gelingt dem Guten natürlich immer noch so gerade die Flucht, aber das weiß man ja vorher nicht.

Deshalb geziemt es sich an dieser Stelle gewisse Schreckeffekte (s) einzubauen: etwa herabfallende Beile, startende Abfallhäcksler oder natürlich die gute alte Standuhr, die im (un)passendsten Moment zur vollen Stunde schlägt, etwaiges Fledergetier auf- und die Protagonisten erschreckt. Ebensowenig von der Hand zu weisen, ist der Wert der Authentizität (tl). Ein realitätsnäherer Schocker wie "Freitag, der 13." schockt natürlich mehr als jene unsäglichen Joeys, Freddys oder wie die Kunstfiguren sonst noch heißen. Die Fantasie (f) sollte allerdings dennoch nicht zu kurz kommen.

In der Formel geht es anschließend weiter mit dem Punkt Einsamkeit (a), der trefflich in "Blair Witch Project" umgesetzt wurde, in dem des Kartenlesens nicht mächtige amerikanische Studenten sich im Wald ver- und schließlich in ihr vorhersehbares Schicksal laufen. Zu jedem guten Schocker gehört wohl auch die Dunkelheit (dr) – gruselt es sich doch im finstren Schloss mehr als auf dem sonnenüberfluteten Strand – und ebenso die generelle Filmszenerie, bei der man ebenfalls das alte Gemäuer der lebensfrohen Einkaufspassage gegenüberstellen kann (fs).

An dieser Stelle muss natürlich eine entsprechende Einschränkung durch die Zahl der Personen (n) gemacht werden, denn eine Hundertschaft Beteiligter schwebt weniger in Gefahr, durch ein durchgedrehtes Symbol des Bösen ins Bockshorn oder Nirvana gejagt zu werden, als jene tapfere Einzelkämpferin wie Sigourney Weaver in den Alien-Filmen. Und da Horror und Ekel meist eng beisammen liegen, gilt es auch Blut und Innereien angemessen über den Bildschirm zu verteilen. Es darf jedoch nicht zu viel sein, da es sonst übertrieben und künstlich wirkt. Deshalb wird dies durch den Sinus eines Optimalwerts x dargestellt. Jeder Film lebt dabei natürlich von seinen Darstellern, weshalb ein Punkt abgezogen werden darf (-1), wenn die Charaktere eher von der banalen Sorte sind.

Laut dieser Formel lag die Hochzeit dieses Genres in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, und ihr bester Klassiker war Stanley Kubricks "The Shining" von 1979 – basierend auf einer Geschichte vom Altmeister des Horrors Stephen King: Die Geschichte eines Familienvaters, der in einem eingeschneiten und abgelegenen Berghotel zum rasenden Wahnsinnigen mutiert, erfüllte nach Angaben der Forscher optimal die Kriterien der Formel.

Was sagt die Formel (es+u+cs+t)2+s+(tl+f)/2+ (a+dr+fs)/n+sinx-1 aus?