Welchem dieser Insekten wurde ein Denkmal gesetzt?

Christin Wiens
a) Skarabäus
b) Baumwollkapselkäfer
c) Taufliege
d) Seidenspinner

Antwort:


Es ist der Baumwollkapselkäfer.

Erklärung:


Sie sind schon erstaunliche Wesen, die Insekten – und manche erlangten sogar Berühmtheit über die Biologie hinaus: sei es nun die Biene Maja, Pinocchios kleine Grille oder Kafkas Käfer. Aber einem echten Vertreter ein Denkmal setzen?

Die Stadt Enterprise im Bundesstaat Alabama hat es getan. Aber nicht etwa einem dem Menschen nützlichem Insekt wie beispielsweise der Honigbiene – nein, es musste ausgerechnet ein Tier sein, das verheerende Schäden an den Baumwollbeständen anrichtete: der Baumwollkapselkäfer (Anthonomus grandis).

Dieser zu den Rüsselkäfern gehörende Geselle legt seine Eier in die Kapseln der Baumwollpflanze. Die Larven ernähren sich davon und führen so zu erheblichen Ernteeinbußen. Als der Käfer Anfang des 20. Jahrhunderts aus Mexiko in die USA einfiel, verloren die Farmer über die Hälfte ihrer Ernte an den hungrigen Sechsbeiner.

Was tun? Die Bauern stellten ihre Wirtschaft um und bauten Erdnüsse, Mais, Kartoffeln und Zuckerrohr an. Überraschenderweise brachten ihnen diese Pflanzen einen viel höheren Gewinn ein als die Baumwolle; die Ortschaft florierte. Diesen unerwarteten Ausgang honorierten die Menschen, indem sie dem Tierchen ein Denkmal setzten. Allerdings steht heute nicht mehr das Original an der Stelle. Es ist mehrfach beschädigt worden und daher durch eine Kopie ersetzt.

Übrigens ist der Käfer nicht das einzige Insekt, welches je gewürdigt wurde. In Australien gibt es ein Gebäude, das der Kaktusmotte (Cactoblastis cactorum) gewidmet ist. Die USA und Mexiko bekämpfen diese Art, da sie ihre Kakteenfelder schädigt. Die Australier ehrten sie gerade auf Grund dieser Eigenschaft.
Der Baumwollkapselkäfer und sein Denkmal
© United States Department of Agriculture
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernInsektendenkmal


Eingeführte Feigenkakteen hatten sich Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem auf Ackerflächen in Queensland ausgebreitet, sodass teilweise keine Landwirtschaft mehr möglich war. Die daraufhin eingeführte Kaktusmotte vernichtete die Bestände letztendlich effektiv und machte die Äcker wieder nutzbar. In dem kleinen Ort Boonarga nahe der Stadt Chinchilla errichteten die Bewohner 1936 eine Versammlungs- und Tanzhalle aus Holz und nannten sie zur Ehre des Tieres, das sie vor dem Ruin rettete, Cactoblastis Memorial Hall.

Ein Glücksbringer ganz anderer Art war der Skarabäus (Scarabaeus sacer) für die alten Ägypter. Sie verehrten ihn als eine Erscheinungsform des Sonnengottes, als Gott Chepre. Dieser hatte zwar eine menschliche Gestalt, an Stelle eines Kopfes saß ihm jedoch der Käfer auf dem Hals. Außerdem standen Skarabäen für Wiedergeburt und Unsterblichkeit. Die Ägypter trugen sie daher als Glücksbringer aus Stein, Glas oder Gold und legten sie ihren Toten mit ins Grab.

Zwei Eigenschaften führten zu diesem erstaunlichen Aufstieg eines Insekts in den Kreis der Götter: Zum einen rollt es Mist zu einer Kugel, was von den Ägyptern mit dem Rollen der Sonnenkugel über den Himmel gleichgesetzt wurde. Zweitens gräbt sich das Weibchen zusammen mit der Kugel im Boden ein, an die sie zuvor die Eier gelegt hat. Erst nach der Verpuppung kriechen die ausgewachsenen Tiere aus der Erde. Da sie nichts über die Vorgänge im Boden ahnten, war der Skarabäus in den Augen der alten Ägypter somit wiedergeboren und unsterblich.

Der größte noch existierende Steinskarabäus ist über einen Meter lang und steht auf einer Säule im Karmak-Tempel-Komplex nahe Luxor. Er kommt somit einem Denkmal noch am nächsten, hatte aber als Götterbild eine religiöse Bedeutung.

Dass noch niemand der Taufliege (Drosophila melanogaster) ein Denkmal gesetzt hat, ist erstaunlich, entwickelte sie sich doch unter anderem zu einem der Lieblingstiere der Genetiker und verhalf der Wissenschaft zu ganz neuen Einblicken in die Entwicklungsbiologie. Aber wenn schon kein Denkmal, dann wenigstens einen Nobelpreis: Zusammen mit Eric Wieschaus und Edward Lewis erhielt Christiane Nüsslein-Volhard vom Max-Planck-Institut in Tübingen 1995 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Sie untersuchte an Taufliegen, welchen Einfluss die Gene auf die Embryonalentwicklung haben. Inzwischen beschäftigt sie sich mit Zebrafischen.

Dem Seidenspinner (Bombyx mori) und seinem Einfluss auf die Entwicklung des Handels zwischen China und Europa gebührte sicherlich auch ein Denkmal. Schließlich war die aus den Kokons dieses Insekts hergestellte Seide im Altertum und über die Zeit des Kolumbus hinaus in Europa ein begehrter Luxusartikel. Seide wirkt temperaturregulierend, lässt sich um bis zu 15 Prozent dehnen und kann bis zu 30 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Der aus den Kokons hergestellte Faden ist nebenbei auch die einzige in der Natur vorkommende Endlos-Faser.

Die Chinesen entdeckten das Geheimnis der Seidenherstellung vor ungefähr 5000 Jahren und hielten es über 3000 Jahre geheim. Daher gehörte Seide neben beispielsweise bestimmten Gewürzen zu den Gütern, die die treibende Kraft für den Handel zwischen China und Europa waren. Das von Ferdinand von Richthofen im 19. Jahrhundert als Seidenstraße bezeichnete Wegenetz ist eine der ältesten Handelsrouten und schaffte eine Verbindung zwischen China und Europa, über die sich auch Religionen und handwerkliches Wissen verbreiteten. Erst in der frühen Neuzeit verlor dieser Weg seine Bedeutung durch die Zunahme des Seehandels.


Welchem dieser Insekten wurde ein Denkmal gesetzt?