Welcher dieser deutschen Physik-Nobelpreisträger bekam seine Auszeichnung auch ohne Abitur?

a) Wilhelm Conrad Röntgen
b) Albert Einstein
c) Max Planck
d) Werner Heisenberg
e) Klaus von Klitzing

Antwort:

Der erste Physik-Nobelpreisträger überhaupt, Wilhelm Conrad Röntgen, konnte kein Abitur vorweisen.

Erklärung:

Ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass man es auch ohne Abitur durchaus zu etwas bringen kann, ist Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923). Der erste Physik-Nobelpreisträger überhaupt, der seine Auszeichnung 1901 für die Entdeckung der nach ihm benannten Strahlung erhielt, musste die Technische Schule in Utrecht nämlich kurz vor dem Abitur verlassen, weil ihm unterstellt wurde, eine Karikatur seines Lehrers an die Tafel gezeichnet zu haben. Als der bedauernswerte Schüler zumindest noch ein Privatabitur bestehen wollte, erschien zur Prüfung ausgerechnet der karikierte Lehrer – und ließ ihn prompt durchfallen. Zu Röntgens Glück nahm das Zürcher Polytechnikum zu dieser Zeit auch Studenten mit entsprechendem Vorwissen ohne Abitur auf, woraufhin er dort zunächst Maschinenbaukunde, später in einem Aufbaustudium Physik studierte.
Physik-Nobelpreisträger
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Deutsche Physik-Nobelpreisträger: Wilhelm Conrad Röntgen (großes Bild links), Albert Einstein (oben Mitte), Max Planck (oben rechts), Werner Heisenberg (unten Mitte) und Klaus von Klitzing (unten rechts).


Einen Versuch, ebenfalls ohne Abitur am Polytechnikum aufgenommen zu werden, unternahm Albert Einstein (1879-1955). Ohne Erfolg allerdings. Das lag in seinem Fall jedoch weniger an mangelnden Leistungen - die geforderten Kenntnisse in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern hatte er durchaus - als vielmehr an seinem jugendlichen Alter: Sechzehnjährige sollten nach Meinung der Professoren doch zunächst ihr Abitur ablegen. Nach München, wo er das Luitpold-Gymnasium besucht hatte, wollte Einstein aber aufgrund des nationalen, militärischen und antisemitischen Tons nicht zurück, und so besuchte er bis zu seinem Abitur 1896 die Kantonschule in Aarau. An der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich studierte er anschließend Physik und Mathematik und arbeitete danach zunächst als Aushilfslehrer und als Gutachter am Eidgenössischen Patentamt in Bern. Einstein wurde 1905 promoviert und habilitierte drei Jahre später. Den Nobelpreis bekam er 1921 für seinen Beitrag zur Theoretischen Physik, dabei vor allem für die Entdeckung des Photoelektrischen Effektes. Die Gerüchte, Einstein sei ein schlechter Schüler gewesen, sind übrigens nachweislich falsch.

Einer, der im Alter von 16 Jahren bereits ein glänzendes Abitur abgelegt hatte, war Max Planck (1858-1947). Der hochbegabte Schüler schwankte zunächst in seiner Entscheidung zwischen einem Studium der Musik, der Altphilologie und der Physik. Entgegen dem Anraten namhafter Physiker, die der Meinung waren, auf ihrem Gebiet sei alles Wesentliche bereits erforscht, entschloss Planck sich für ein Physikstudium. Mit 21 Jahren wurde er promoviert, mit 27 erhielt er seine erste Professur. Den Nobelpreis nahm er 1918 für seine Entdeckung der Energiequantelung entgegen. Zu Zeiten des Nationalsozialismus ergriff Planck unerschrocken das Wort zur Ehrenrettung der jüdischen Gelehrten, doch brachten ihm die Kriegsjahre zahllose Schicksalsschläge. Noch als 87-Jähriger musste er nach Göttingen flüchten, wo er jedoch aus der ihm von den Göttinger Physikern entgegenströmenden Verehrung viel Kraft schöpfen konnte. Als äußeres Zeichen dieser Verehrung wurde die ruhmreiche "Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften", deren Präsident Max Planck sieben Jahre lang gewesen war, in "Max-Planck-Gesellschaft" umbenannt.

Ein bemerkenswert guter Schüler war auch Werner Heisenberg (1901-1976), der sein Abitur 1920 am Maximiliansgymnasium in München ablegte. Der für seine Entwicklung der Quantentheorie 1932 mit dem Nobelpreis Ausgezeichnete war bereits mit 26 Jahren Ordinarius für Theoretische Physik an der Universität Leipzig. Als in München 1937 die Nachfolge seines Lehrers Arnold Sommerfelds zur Diskussion stand, waren sich die Physiker einig, dass dieser Lehrstuhl nur mit dem hervorragendsten Sommerfeld-Schüler besetzt werden könnte. Gegen diese Pläne richteten sich allerdings heftige Angriffe nationalsozialistischer Kreise mit vehementen Diffamierungen, die erst dann aufhörten, als Heisenbergs Kenntnisse zu Beginn des 2. Weltkrieges dringend benötigt wurden.

Klaus von Klitzing (geboren 1943), ist einer von wenigen deutschen Physikern, der seiner Heimat treu geblieben ist. Er legte sein Abitur 1962 in Quakenbrück ab und studierte zwischen 1962 und 1969 Physik an der Technischen Universität Braunschweig. Promoviert wurde er später an der Universität Würzburg, wo er auch seine Habilitation ablegte. Die begehrte Auszeichnung erhielt der jetzige Direktor des Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung in Stuttgart 1985 für seine Entdeckung des Quanten-Hall-Effektes.

Welcher dieser deutschen Physik-Nobelpreisträger bekam seine Auszeichnung auch ohne Abitur?