Welches Tier kann am längsten ohne Kopf überleben?

Gabi Warnke
Axt in einem Hackklotz
© fotolia / Vladimir Vitek
(Ausschnitt)
a) Huhn
b) Regenwurm
c) Kakerlake
d) Axolotl

Antwort:

Gerade eine Kakerlake ist nach Verlust ihres Kopfs noch längst nicht tot.

Erklärung:

Von Kakerlaken weiß man, dass sie bis zu neun Tage in einem kopflosen Zustand überleben, noch laufen, sich häuten und sogar fortpflanzen können. Die erstaunliche Robustheit verdankt das Insekt unter anderem seiner dezentralen Körperorganisation: Es besitzt ein Strickleiternervensystem, das in jedem Körpersegment ein Ganglienpaar aufweist. Diese kleinen Gehirne steuern im Brustbereich die Bewegung von Beinen und Flügeln und im Hinterleib die Verdauung. Dabei sind sie relativ unabhängig vom Oberschlundganglion, dem eigentlichen Gehirn; die lebenswichtigen Funktionen arbeiten von ihm unabhängig. Das wichtigste, was mit einem abgetrennten Kopf verloren geht, ist daher der Mund. Da die Schabe nichts mehr zu sich nehmen kann, verhungert und verdurstet sie nach der Enthauptung.

Der Axolotl (Ambystoma mexicanum), ein mexikanischer Schwanzlurch, ist für seine beeindruckende Regenerationsfähigkeit bekannt. Egal ob ihm Beine, Organe oder Teile des Herzens entfernt werden, er bildet sie voll funktionsfähig neu. Inzwischen ist sogar bewiesen, dass er Teile seines Gehirns problemlos wiederherstellen kann. Die Erneuerung des gesamten Gehirns wird aber auch dem Axolotl zu viel – ohne Kopf stirbt er innerhalb von Minuten.

Über den Regenwurm (Lumbricus terrestris) kursiert immer noch das Märchen, dass jede seiner Hälften weiterlebt, wenn er zerschnitten wird. Das ist übertrieben, trotzdem besitzt der Wurm eine hohe Regenerationskraft. Seine ersten vier Segmente können abgetrennt und vollständig erneuert werden, und auch ein verlorenes Hinterteil vermag der Wurm wiederherzustellen. Wichtig ist aber, dass der Bereich zwischen dem neunten und dem fünfzehnten Segment intakt bleibt: Dort liegen lebenswichtige Organe, deren Ersatz nicht möglich ist. Das abgetrennte Endteil eines Regenwurms schafft es indes durchaus einen zweiten Schwanz neu zu bilden, was die Theorie befeuerte, beide Hälften würden weiterleben. Der "doppelte Schwanz" hat jedoch keinen Mund und verhungert – insgesamt etwas schneller als die Kakerlake.

Schließlich bleibt das Huhn, das noch im Hof herumläuft, nachdem ihm der Kopf abgeschlagen wurde. Allerdings ist dies kein Zeichen von Leben, sondern es handelt sich lediglich um motorische Signale, die vom Rückenmark an die Muskeln gesendet werden und für Zuckungen sorgen: Das Huhn läuft und schlägt mit den Flügeln. Nach maximal zehn Minuten ist der Körper ruhig.

Trotzdem erregte in den 1940er Jahren ein Fall weltweites Aufsehen: Mike, der kopflose Hahn, lebte nach seiner Enthauptung noch 18 Monate weiter. Sein Besitzer hatte die Axt so passend angesetzt, dass er die Halsschlagader verfehlte und der größte Teil des Stammhirns am Körper verblieb. Da dieser Bereich des Gehirns die existenziellen Funktionen steuert, funktionierten Verdauung und Kreislauf des Vogels; er konnte laufen und versuchte, sich zu putzen und zu krähen. Experten bestätigten, dass der Hahn tatsächlich noch lebendig war und ihn ein Gerinnsel vor dem Verbluten bewahrt hatte. Ein Einzelfall, weil der Kopf nicht vollständig abgetrennt war – so unterliegt auch er der robusten Kakerlake.