Wer entdeckte eine Tierart und rottete sie gleich wieder aus?

a) Darwin
b) Steller
c) Tibbles
d) Davidson

Antwort:

Es war Tibbles - eine Katze.

Erklärung:

Tibbles war die Katze des Leuchtturmwärters David Lyall, mit dem sie 1894 auf die kleine Insel Stephens Island im Norden Neuseelands kam. Schon bald brachte sie nach und nach mehrere Exemplare einer Vogelart zum Leuchtturm, wo sie von Lyall gefunden wurden. Da er sie nicht kannte, schickte er die toten Tiere an den Vogelkundler Henry Travers, der sie schließlich in die Hände der Experten Walter Rothschild und Walter Buller gab. Beide identifizierten die Vögel unabhängig voneinander und beschrieben sie als neue Art für die Wissenschaft. Letztendlich benannte man die Spezies Stephens-Island-Schlüpfer (Traversia lyalli) und rechnete sie zur Familie der Felsschlüpfer: Kleine Singvögel, die starke Ähnlichkeiten mit europäischen Zaunkönigen aufweisen, aber nur in Neuseeland vorkommen.

Insgesamt lieferte Tibbles innerhalb eines Jahres 16 oder 17 tote Stephens-Island-Schlüpfer bei ihrem Herrchen ab, danach gab es die Art nicht mehr. Niemals zuvor oder danach verging so wenig Zeit zwischen der wissenschaftlichen Beschreibung einer Spezies und ihrem dokumentierten Aussterben. Überhaupt überlebten von den vormals sechs bekannten Schlüpfer-Arten nur zwei bis in heutige Tage.

Charles Darwin entdeckte viele Tierarten, darunter die Darwin-Finken, die zu seiner Entwicklung der Evolutionstheorie beitrugen. Sie schafften es wohl alle bis in die heutige Zeit. Stark gefährdet ist zurzeit allerdings der Mangrovenfink (Geospizia heliobates) mit nur noch 110 Exemplaren.

Trauriger ist die Geschichte, die einigen von Georg Wilhelm Steller entdeckten Tierarten widerfuhr. Steller war ein deutscher Naturforscher, der im Auftrag der Russischen Akademie der Wissenschaften die Große Nordische Expedition nach Sibirien und in die Bering-See als Arzt begleitete. Im Zuge dieser Reisen beschrieb Steller unter anderem erstmals die Steller'sche Seekuh (Rhytina stelleri) – die größte Seekuhart der Erde – und den Brillenkormoran (Phalacrocorax perspicillatus). Beide Spezies wurden nachfolgend rasch von Wal- und Pelzjägern bis zur Ausrottung bejagt und finden sich heute nur noch als Museumsstücke.

Mit James Davidson schließlich verbindet sich eines der großen Mysterien der Ornithologie: die Entdeckung und Wiederentdeckung des indischen Bänderstein- oder Blewittkauzes (Heteroglaux blewitti). Der Freizeitvogelkundler Davidson schoss und beschrieb 1884 erstmals die Eule, die so selten anzutreffen war, dass insgesamt nur sieben Exemplare in Museen liegen. Nach der Erstentdeckung geriet die Art rasch wieder aus dem Blickfeld der Wissenschaft und konnte über die Jahrzehnte nicht mehr aufgefunden werden. Nachdem auch intensive Nachsuchungen in den 1970er Jahren fehlschlugen und der Kauz nicht mehr beobachtet wurde, erklärte man den nächtlichen Jäger für ausgestorben. Keiner konnte aber bis dahin wissen, dass einfach an den falschen Plätzen gesucht wurde. Einer von Davidsons Bälgen wurde illegalerweise von dem britischen Offizier und Ornithologen Richard Meinertzhagen neu präpariert und umetikettiert. Das Herkunftsgebiet der Eule war damit verfälscht. Erst als man diesem Betrug auf die Schliche kam und dann die ursprüngliche, "richtige" Heimat des Bändersteinkauzes aufsuchte, entdeckte man die Art wieder – 113 Jahre nach ihrer Erstbeschreibung.