Woher stammt der Name der Syphilis?

Daniel Lingenhöhl
a) Französische Ortschaft
b) Karibisches Herkunftsgebiet
c) Italienisches Gedicht
d) Lateinisch für "Harter Schanker"

Antwort:

Der Begriff stammt aus einem italienischen Gedicht.

Erklärung:

Nur wenigen Krankheiten wurde die Ehre zuteil, in einem Gedicht gewürdigt zu werden. Der Syphilis setzte allerdings der italienische Philosoph Girolamo Fracastoro ein derartiges poetisches Denkmal. Im Hauptberuf war der Mann aus Verona ein Arzt, der sich vornehmlich übertragbaren Krankheiten widmete, als ein früher Wegbereiter der modernen Mikrobiologie gilt und die ersten brauchbaren Beschreibungen von Typhus und Pest zu Papier brachte.

Im Jahr 1530 veröffentlichte Fracastoro in Verona ein berühmtes Gedicht über die Syphilis (Syphilis sive morbi gallici libri tres ad Petrum Bembum), in der erstmals die heute gängige Bezeichnung der Seuche erwähnt wird. Das relativ lange Poem in drei Bänden handelt von einem Schäfer mit dem Namen Syphilus, der den Sonnengott Apollo beleidigt und vom Glauben an den Sonnenkult abfällt. Zur Strafe bedenkt ihn dieser mit der Krankheit:

Syphilus packt sie als ersten.
Schlimm wird ihm der Leib zerfressen
Von gar garstigen Geschwüren,
Schmerzend reißt es in den Gliedern,
Seine Nächte flieht der Schlaf.
Und nach ihm benennt die Menschheit
Heute noch die gleiche Seuche,
Es empfängt von ihm die Krankheit
Nun den Namen: Syphilis.


Den Namen Syphilus entnahm der Humanist Fracastoro wahrscheinlich der antiken Mythologie, denn dort heißt der zweite Sohn der Niobe Sipylus.

Die zu den potenziellen gefährlichen Nebenwirkungen des Geschlechtsverkehrs zählende Krankheit, ist aber auch eine Infektion der vielen Namen. Allein in den einhundert Jahren nach ihrem erstmalig verbrieften Aufkommen 1495 in Europa – als Kollateralschaden des Kriegs zwischen dem französischen König Karl VIII. und König Ferdinand von Neapel – wurde sie mit etwa 450 verschiedenen Bezeichnungen betitelt. Besonders gängig war dabei die Klassifizierung als Französische Krankheit, da sie schließlich im Gefolge eines französischen Heers Italien heimsuchte.

Unter dem Namen war sie zudem in Deutschland, Spanien, England und Ungarn bekannt. In Frankreich drehte man den Spieß dagegen um, dort wurde die Krankheit den Italienern in die Schuhe geschoben. Nach der Belagerung Neapels verbreitete sich die Seuche wie ein Lauffeuer durch Europa und Asien, und je nachdem, wo die neu betroffenen Staaten die Herkunft der Bakterieninfektion verorteten, gaben sie ihr den entsprechenden Länderbeinamen. Folglich war sie in Schottland die Englische und in Polen die Deutsche, in Russland die Polnische und in der Mongolei die Russische Krankheit, in Japan hieß sie Chinesisches Himmelsstrafengeschwür – die Wege der Syphilis über den Kontinent lassen sich so rudimentär rekonstruieren.

Die beim Akt mit infizierten Personen durch Stäbchenbakterien ausgelöste Malaise hatte allerdings noch weitere Namen, die sich beispielsweise auf das äußere Erscheinungsbild (Morbus pustulatus), das befallene Körperteil (Pustulae obscoenae) oder den Übertragungsgrund (Lues venerea, Lues aphrodisiaca: Lustseuche) beziehen. Unter diesen Aspekt fällt auch der Begriff "Harter Schanker" für die Syphilis, denn sie verursacht drei bis vier Wochen nach der Ansteckung am Ort des Erstbefalls ein schmerzloses, aber lackartiges hartes Geschwür.

Heute ist die Krankheit relativ gut mit Antibiotika behandelbar, sofern sie früh genug entdeckt wird. Doch trotz ihrer Jahrhunderte langen Geschichte in Europe und der vielen Forschungsarbeiten ist sie noch von vielen Geheimnissen umgeben. Ungeklärt bleibt etwa noch ihre genaue Herkunft: Vermutet wurde lange, dass Kolumbus die Syphilis ungewollt von seinen Entdeckungsfahrten in die Karibik und nach Mittelamerika mitbrachte. Das machte durchaus Sinn, denn Ausgrabungen an prähistorischen Grabstätten in Mittel- und Südamerika zeigten, dass die Krankheit dort schon sehr viel früher als in Europa auftrat. Einige Wissenschaftler zweifeln diese Theorie dennoch an und begründen ihren Widerspruch mit Knochenfunden aus England aus der Zeit zwischen 1296 und 1445, also lange vor der Entdeckung Amerikas. Veränderungen an den Gerippen zeigen typische Spuren einer Syphilis-Infektion – verdächtig stattdessen: die Wikinger, welche die Seuche aus Nordamerika mitgebracht haben könnten.

Woher stammt der Name der Syphilis?