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Bewusster durch den Alltag

Das Konzept der Achtsamkeit ist ­derzeit ein Modethema, es wurzelt im Buddhismus. Die Autoren verstehen darunter ein Gewahrwerden des gegenwärtigen Moments, verbunden mit dem nicht bewertenden Beobachten der eigenen Gedanken. Nach längerer Übungspraxis, schreiben sie, resultiere daraus eine erhöhte Akzeptanz des eigenen Lebens und mitfühlendes Handeln. Dies sei der Gesundheit und dem Miteinander förderlich.

Die Autoren sind Psychologen, Neurowissenschaftler, Pädagogen und Freiberufler im Gesundheitsbereich. Allen gemeinsam ist eine anerkannte Expertise im Bereich Achtsamkeit einschließlich entsprechender Forschungsprojekte sowie ein buddhistisch geprägter Hintergrund. Dies scheint in dem Buch immer wieder durch, auch wenn es ihr erklärtes Ziel ist, eine Achtsamkeitspraxis zu fördern, die frei von religiösen Verstrickungen ist.

Raus aus der Esoterikecke

Nachdem Studien mittels bildgebender Verfahren wie MRT und fMRT (funktionelle Magnetresonanztomografie) gezeigt haben, dass Meditation sowohl strukturelle als auch funktionelle Veränderungen im Gehirn hervorruft, ist das Thema aus der esoterischen Ecke in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Achtsamkeitspraxis hat in die Psychotherapie Eingang gefunden, und entsprechende Trainings bereichern das Fortbildungsprogramm vieler großer Unternehmen.

Die Autoren bewerten die damit verbundenen Effekte wissenschaftlich. Sie stützen sich hauptsächlich auf Studien, in denen Probanden unter kontrollierten Bedingungen ein MBSR-Training (von "Mindfulness-Based Stress Reduction", zu Deutsch: achtsamkeitsbasierte Stressminderung) oder vergleichbare Programme absolvierten. Dabei handelt es sich um einen achtwöchigen Kurs mit Meditations- und Bewegungsübungen, den Jon Kabat-Zinn von der University of Massachusetts (USA) entwickelte. Laut den Ergebnissen kontrollierter Wirksamkeitstests verhilft das Training Menschen, die Schule, Beruf oder Familienalltag als stressbelastet empfinden, zu größerem Wohlbefinden, und es lindert die Symptome stressbedingter Erkrankungen wie chronische Schmerzen, Depressionen, Burnout oder Aufmerksamkeitsstörungen.

Bitte nicht noch mehr Selbstoptimierung

Einigen Buchbeiträgen zufolge gibt es Hinweise darauf, dass praktizierte Achtsamkeit hilft, mit Emotionen umzugehen und kognitive Leistungen zu verbessern. Auf diese Weise fördere sie die Resilienz und die sozialen Beziehungen. Manche Autoren äußern daher die Befürchtung, dass Achtsamkeitspraxis lediglich als weiteres Mittel zur Selbstoptimierung missbraucht werden könnte. Sie schildern ihre Vision eines gesellschaftlichen Wandels weg vom Leistungssystem und hin zu einer neuen säkularen Ethik.

Die verschiedenen Beiträge sind durchweg gut lesbar. Unterm Strich liefert das Buch Belege dafür, dass Achtsamkeitspraxis im Alltag große Veränderungen bewirken kann. Doch auch wenn die Autoren hier und da ein paar Meditationsanleitungen einstreuen, geben sie kaum echte Tipps für die praktische Umsetzung. Man fühlt sich beim Lesen eher latent dazu aufgefordert, einen MBSR-Kurs zu besuchen. Auch hätte mehr Neurowissenschaft dem Werk gutgetan. Trotzdem ist das Buch lesenswert, besonders für Menschen, die eine entschleunigte Lebensweise anstreben.

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