Die heutige Konsumgesellschaft ist zum Scheitern verurteilt, prognostiziert Humanmediziner und Coach Thomas Bergner in seinem Werk. Obgleich Zahlen belegen, dass die deutsche Wirtschaft gut läuft, bereiten die wachsenden Einkommensunterschiede in der Gesellschaft große Sorgen. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich hierzulande immer weiter. Als Grund dafür sieht der Autor die Gier an.

Auf etwa 100 lexikalisch angelegten Seiten versammelt Bergner willkürlich gewählte Beispiele für menschliche Raffsucht. Manches "Feindbild" in Form von Unternehmen wie Google und Amazon taucht dabei wiederholt auf. Solche Firmen beraubten uns unserer Persönlichkeitsrechte und sammelten Daten aus dem Verlangen heraus, Gewinne zu machen, schreibt der Autor. Und hat sicherlich recht damit, dass manche Geschäftspraktiken dieser Konzerne fragwürdig sind, ebenso wie die von Pharmaunternehmen, die ihre Produkte zu überhöhten Preisen anbieten. Doch Bergner nimmt seinen Lesern die Entscheidung, wie die aufgezählten Fakten einzuordnen sind, mit seinen zynischen Kommentaren allzu sehr ab.

Blick auf den Millionenbetrüger

Mitunter wirkt das Buch gespalten. So verurteilt der Autor nicht nur Konzerne, sondern auch individuelle Gierhälse wie den ehemaligen Fußballfunktionär Uli Hoeneß, der wegen Steuerbetrugs im Gefängnis war. Dabei widerspricht er seinem eigenen Plädoyer, wonach der Staat in seiner Macht über uns beschränkt werden müsse. In Form von Steuern, so Bergner, zeige sich die Gier des Staats – dieser solle jedoch (ebenfalls in Form von Steuern) die Habsucht der Reichen in Zaum halten.

Psychologisch gründet die Habsucht laut Bergner vor allem auf Verlustängsten – etwa hinsichtlich des Arbeitsplatzes, der eigenen Sicherheit und letztlich in der Furcht vor dem Tod. Wir konsumieren, damit wir diese Ängste verdrängen, lautet die These des Autors. Auch Entbehrungen und Kränkungen in der Kindheit führten zu einem gierigen Charakter. Leider wirkt das alles nicht sehr tiefgründig. Vielfach versucht sich Bergner an die Theorien des Psychoanalytikers Erich Fromm (1900-1980) anzulehnen, die dieser in seinem Buch "Haben und Sein" formulierte. Doch ordnet der Autor seine Thesen hierfür viel zu wenig in einen Gesamtkontext ein, wie Fromm es tat. Bergners Werk wirkt zuweilen sehr polemisch und ähnelt eher einem Essay als einer gründlich fundierten Ausarbeitung.